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Tasche zu unterhalten, welchen Vorschlag das Mutterland in
seiner Geldnot willig annahm. In dem seit 1803 von neuem
losbrechenden Kriege konnte man es aber trotzdem nicht um
gehen, Neger als Soldaten zu verwenden, und zwar 1804 zur
Bewachung von 7000 französischen Kriegsgefangenen (Mr.
uller, H. o. C., 20. Juni 1804, auch Mr. Dickenson). Die
Erregung der Kolonisten hierüber erreichte abermals einen
Höhepunkt. Man mufs bedenken, dafs ein Jahr vorher auf
Domingo zwischen den Weifsen und Farbigen das Blutbad
und Gemetzel wieder begonnen, dafs die durch Klima, Krieg
und Entbehrungen geschwächte französische Besatzung ver
trieben und der endgültige Abfall dieser Negerrepublik sich
ereignet hatte. Wegen der Nähe beider Inseln und der Be
ziehungen der Sklaven zueinander konnte sich auf Jamaika
jeden Augenblick das gleiche wiederholen. Seine Ruhe hing
an einem dünnen Faden. 1803 meuterte das 8. Westind.
Regiment; das 2. Regiment auf Jamaika erschofs später seine
Offiziere (Bridges II, S. 243). Napoleon rüstete 1804 zu
Boulogne gewaltige Expeditionen aus. Jeden Tag konnte ein
französisches Geschwader erscheinen und mit jenen 7 000 Ge
fangenen mitsamt ihren unzuverlässigen Wächtern über die
Kolonisten herfallen (Southey III, S. 173 ff.). Im August
1805 erschien der später von Nelson bei Trafalgar geschlagene
französische Admiral Villeneuve in den karaibischen Gewässern,
mit der Absicht, gegen Barbadoes einen Handstreich zu unter
nehmen (Thiers, XXI, S. 422).
Diese Gefahren, welche die Pflanzer stündlich be
drohten, mufsten die verstecktesten Befürworter des Sklaven
handels davon überzeugen, dafs es, mindestens solange der
Krieg dauerte, nötig war, jeden Zuzug halbwilder Barbaren
aus Afrika sorgfältig fernzuhalten. Nur in diesem Falle war
auf einigermafsen friedliche Zustände zu rechnen. „The
abolition must greatly ameliorate the structure of society in
the West India colonies" (Brougham, IV, S. 500, auch Fox,
10. Juni 1806, H. o. G). —
Dritter Teil.
Das Verhältnis Britisch-Westindiens zu den
Vereinigten Staaten.
Zum Schlufs scheint auch das im Laufe des Krieges seit
1793 sich für England immer mifslicher gestaltende Verhältnis
Westindiens zu den Vereinigten Staaten einen ziemlich starken
Druck auf die Abolition ausgeübt zu haben. Auf den all
gemeinen Zusammenhang zwischen der Abolitionsbewegung
und die durch den Abfall Nordamerikas notwendig gewordenen
schiffahrtspolitischen Mafsnahmen Englands hatten wir bereits
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