Object: Theoretische Sozialökonomie

254 Kap. VII. Die Bodenrente und die Preise der Naturmaterialien. 
an der Gesamtertrag verhältnismäßig langsamer wächst als die Kapital- 
und Arbeitskosten, so wächst er doch noch eine Strecke lang schneller 
als die Gesamtkosten, die doch den festen Betrag der Bodenrente ent- 
halten. Der Maximalpunkt für den Ertrag pro Einheit der Gesamt- 
kosten ist‘ auch nicht fest, sondern entfernt sich immer weiter, wenn die 
Bodenrente steigt. 
Wenn eine Bodenrente bezahlt werden muß, ist ein größerer Auf- 
wand von Kapital und Arbeit auf dem gegebenen Boden wirtschaftlich 
gerechtfertigt, als wenn Boden umsonst zu haben ist. Denn obwohl 
eine neue Einheit von Kapital und Arbeit auf dem alten Boden einen 
kleineren Ertrag bringt, als sie auf neuem Boden passenden Areals tun 
würde, ist doch die Anwendung der betreffenden Einheit auf dem alten 
Boden insofern vorteilhafter, als die Zahlung einer neuen Bodenrente 
vermieden wird. 
Die Tatsache, daß ein bestimmter Mehrertrag durch Anwendung 
von mehr Kapital und Arbeit auf einer gegebenen Bodenfläche ge- 
wonnen werden kann, muß mit dem ähnlichen Verhältnis, daß ein be- 
stimmter Mehrertrag auch durch Bestellung einer größeren Bodenfläche 
mit einem gegebenen Aufwand von Kapital und Arbeit gewonnen werden 
kann, zusammengestellt werden. Wir haben es in der Tat hier mit zwei 
konkurrierenden Produktionsmitteln zu tun, nämlich Bodennutzung 
einerseits, Anwendung von Kapital und Arbeit anderseits. Die Kon- 
kurrenz derselben regelt sich nach dem Substitutionsprinzip. Im allge- 
meinen läßt sich eine gewisse kleine Bodenmenge durch eine gewisse 
kleine Menge von Kapital und Arbeit und umgekehrt ohne Änderung 
des Produktionsergebnisses ersetzen. Das Verhältnis zwischen den er- 
setzbaren Zuschüssen hängt von den relativen Gesamtmengen ab, die 
schon in der Produktion zur Verwendung gekommen sind. 
Wieviel vom einen oder anderen Produktionsmittel wirtschaftlicher- 
weise verwendet werden soll, läßt sich erst dann bestimmen, wenn die 
Preise der beiden Produktionsmittel gegeben sind. Das Substitutions- 
prinzip erfordert, daß die letzten in der Produktion verwendeten gegen- 
einander substituierbaren Mengen der beiden Produktionsmittel den- 
selben Preis haben (8 13). Durch diese Bedingung werden, wie wir 
wissen, sowohl die wirtschaftliche Leitung der Produktion wie auch 
das Preisbildungsproblem selbst bestimmt. Bei derjenigen Zusammen- 
stellung der beiden Produktionsmittel, welche das Substitutionsprinzip 
erfordert, erreicht der Ertrag pro Einheit der Gesamtkosten ein Maxi- 
mum. Ist der Aufwand von Kapital und Arbeit auf einem gegebenen 
Stück Boden kleiner als er nach dem Substitutionsprinzip sein sollte, 
so kann also der Ertrag pro Einheit der Gesamtkosten durch Erhöhung 
dieses Aufwands vermehrt werden. Ist aber die Forderung des Sub- 
stitutionsprinzips schon erfüllt, so muß offenbar ein weiterer Aufwand 
von Kapital und Arbeit den Ertrag pro Kosteneinheit vermindern. Im
	        
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