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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
1006296646
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-19592
Document type:
Monograph
Author:
Somary, Felix http://d-nb.info/gnd/119189518
Title:
Bankpolitik
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)
Year of publication:
1915
Scope:
1 Online-Ressource (XI, 289 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Der Geldmarkt
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

20 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. 
wenn sie, wie hier, einem großen nationalen Zwecke mit der ganzen idealistischen 
Selbstvergessenheit und Uneigennützigkeit einer deutschen Natur sich hingab. 
Aber freilich lag gerade darin ein natürlicher Grund des Widerstandes und der 
Verkennung. Eine handelnde Persönlichkeit war ohnedies in Deutschland etwas Un 
gewöhnliches; wenn sie nun gar gegen alles Herkommen und alle Überlieferungen der 
Schreibstuben und Schulzimmer grob verstieß, so war des Ärgers und Widerspruchs 
kein Ende. Daß ein deutscher Gelehrter sich einem öffentlichen Interesse mit ganzer 
Seele hingab und ein praktisches Ziel auf dem Gebiete der materiellen Dinge sich als 
fein Ideal vorgesetzt hatte, war etwas so Ungewöhnliches und Unverstandenes in 
Deutschland, daß man lieber mit dem ordinärsten Maßstabe maß und die gemeinsten 
Motive unterlegte, als daß man sich das Ungewöhnliche und Bedeutende der Er 
scheinung eingestanden hätte. Auch billig Denkende klagten über Einseitigkeit, als 
wenn eine Agitation anders als einseitig wirken könnte; und ruhige, friedliebende 
Leute tadelten, daß er so heftig nach allen Seiten hin auftrat und nirgends bedacht 
war, sich Freunde und Verbündete zu werben. Alle demagogischen Künste und 
Kunstgriffe freilich verschmähte seine Agitation; es war darin der direkte Gegensatz 
der Demagogie gewöhnlichen Schlags: er schalt, statt zu schmeicheln, zürnte, statt zu 
liebkosen, und setzte sich — statt den Schwächen zu fröhnen — denjenigen Übeln Ge 
wohnheiten, die in der deutschen Nation am tiefsten gewurzelt waren, am lautesten 
und schroffsten entgegen. Mit allem Recht; denn wie schon bei seinem Tode jemand 
sehr treffend sagte, die Hebel, welche die Masse bewegen, sind nicht mit Baumwolle 
gefüttert. Aber auch das kluge Maß der Schonung und Vorsicht, das die Worte ab 
wägt und überall um des versöhnenden Eindrucks willen die Kraft des Stoßes 
mildert, kannte List nicht und konnte es nicht kennen. Seine Bildung war eine auto- 
didaktische; die Stellung im Leben hatte er sich allein errungen. Aus der Heimat in 
die Verbannung geschleudert, schuf er sich mit rüstiger Kraft ein neues selbständiges 
Leben; und als ihm auch das zerstört war, errang er sich eine neue Existenz, immer 
im Kampfe und unter Anfechtungen, lediglich durch die eigene Kraft. Selbständige 
Naturen dieses Schlags, die sich den Weg durchs Leben erst selber haben bahnen 
müssen, und die niemanden zu Dank und Dienst verpflichtet sind, werden immer so 
geartet sein. 
In anderen Ländern, wo ein öffentliches Leben seit lange entwickelt ist, hätte 
man die Energie eines schöpferischen Geistes, der, um Rücksichten unbekümmert, 
immer fest auf sein Ziel lossteuert, besser zu würdigen wissen; in Deutschland waren 
für das alles erst die Wege zu ebnen. In Deutschland mußte man die altkluge Be 
merkung hören, daß das deutsche Eisenbahnnetz, die Entwicklung des Zollvereins usw. 
auch ohne List hätte kommen müssen: es war der alte Einwand, den schon Kolumbus 
durch sein Kunststück mit dem Ei gewürdigt hat. In Deutschland war einmal der 
Tadel der, daß sein System eine unbegründete Neuerung sei, ein andermal lautete 
der Vorwurf dahin, es sei schon alles in frühern Büchern gedruckt zu lesen, — ein 
Vorwurf, der sich bis zur Abgeschmacktheit gesteigert hat. Die Tadler vergaßen den 
Unterschied zwischen einem Systematiker und einem praktischen Agitator; sie ver 
gaßen, daß das Ziel des letzteren nicht der Ausbau eines Systems, sondern ein prak 
tisches, politisches Ziel sein mußte, und daß die vortrefflichsten Systeme der Welt von 
zweifelhaftem Werte sind, wenn sie das ökonomische Interesse der Nation schlummern 
lassen und an der politischen Erziehung des Volkes spurlos vorübergehen. Daß sich 
von den handelspolitischen Grundsätzen Lifts vieles, vielleicht das meiste schon irgendwo 
gedruckt oder gesagt fand, konnte doch wohl kein ernstlicher Vorwurf sein; es ist noch 
kein Reformator in die Welt gekommen, der etwas Neues erfunden hätte, und schon 
Goethe hat zur Abwehr gegen solche Anklage das wahre Wort gesprochen: „Alles 
Gescheite ist schon gedacht worden; man muß nur versuchen, es noch einmal zu
	        

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Grundfragen Der Englischen Volkswirtschaft. Verlag von Duncker & Humblot, 1913.
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