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Fortschritt und Armut

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Bibliographic data

Full text: Das Recht der deutschen Sozialversicherung nach dem neuesten Stande der Gesetzgebung

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der Liberalismus
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Seife 
410 
Seife 
ätzende Alkalien (Kali- oder Natronlauge) und 
Fette tierischen oder pflanzlichen Ursprungs in 
Betracht. Beim Kochen der Fette mit den Alka 
lien spalten sie Glyzerin ab, während die frei 
werdende Fettsäure sich mit der Base zu fett 
saurem Alkali (Seife) verbindet. Nach der Natur 
des benutzten Alkalis unterscheidet man die 
zwei großen Gruppen der weichen Kaliseifen 
(Schmierseifen) und der harten Natron 
seifen. Die Herstellung der Natronseifen er 
folgt in der Weise, daß man die Fette, mit der 
berechneten Menge Natronlauge unter bestän 
digem Rühren auf freiem Feuer oder besser mit 
direktem Dampf erhitzt, bis der Kesselinhalt sich 
in eine dünne gallertartige Masse, den Seifen 
leim, verwandelt hat, die beim Herausnehmen 
zu Fäden ausgezogen werden kann („spinnt“). 
Auf Zusatz von Kochsalz („Aussalzen“) trennt 
sich die Masse in die nach oben steigende feste 
krümlige S. und die unten stehende Unter 
lauge, die zur Gewinnung des Glyzerins Ver 
wendung findet. Nach dem Ablassen der Unter 
lauge wird die S. noch ein- oder mehrere Male 
zu Leim aufgesotten, ausgesalzen und schließlich 
mit reinem Wasser klargesotten. Die entstehende 
zähe, plattenartige. Masse wird noch heiß auf 
Formen gefüllt, große, zum Auseinandernehmen 
eingerichtete Holzkästen mit Siebboden, durch 
den die anhaftende Feuchtigkeit abläuft. Wäh 
rend des langsamen Abkühlens bildet sich infolge 
der vorhandenen Verunreinigungen ein feines, 
bisweilen farbiges Geäder, die sog. Marmorie 
rung (Fluß, Faser), die als Zeichen der Güte 
angesehen und daher vielfach durch Zusatz von 
Braunstein, Bolus oder gefärbter S. nachgeahmt 
wird. An Stelle der Ätznatronlauge verwendet 
man neuerdings auch kohlensaures Natron zum 
Verseifen und ersetzt dann das Fett durch die 
freien Fettsäuren. Der nach dem einen oder 
anderen Verfahren erhaltene Seifenblock wird 
schließlich in Platten, Riegel und Stücke zer 
schnitten, die als Kernseife in den Handel 
kommen. Von den nach der Art des verarbeite 
ten Fettes unterschiedenen Sorten der Kernseifen 
wird die Talgkernseife wegen ihrer Rein 
heit und ihres sparsamen Verbrauchs bei hoher 
Reinigungskraft besonders geschätzt, doch sind 
auch die unter Zusatz von Palmöl oder Palm 
kernöl oder mit Palmöl allein hergestellten Kern 
seifen wegen ihres leichten Schäumens sehr be 
liebt. Marseiller S. ist eine ursprünglich aus 
reinem Olivenöl, später aus Gemischen von 
Olivenöl mit anderen Fetten hergestellte Kern 
seife. Oberschalseife, eine hauptsächlich in 
Berlin gebräuchliche Kernseife von besonders 
rauher und gerippter Oberfläche, wird aus reinem 
Palmöl oder, reinem Talg bereitet. Eine Unter 
abteilung der reinen Kernseifen bilden die 
Kernseifen auf Leimniederschlag oder ab 
gesetzten Kernseifen, bei denen nicht voll 
ständig ausgesalzen wird. Vielmehr sorgt man 
bei ihrer Herstellung durch Anwendung un 
genügender Salzmengen oder eines Überschusses 
von Lauge dafür, daß sich ein alle Verunreini 
gungen enthaltender Leimniederschlag ausschei 
det. Sie werden stets unter Verwendung pflanz 
licher Öle (Palmkernöl, Kokosfett) hergestellt 
und umfassen u. a. die Wachsseife und die mit 
Zusatz von Harz bereiteten Oranienburger 
und die reinen Harzkernseifen. Die Ver 
wendung des Harzes beruht auf seinem Gehalte 
an freien Harzsäuren, deren Alkalisalze den fett 
sauren Alkalien gleiches Verhalten zeigen. Zur 
Erhöhung der Ausbeute werden die S. nach dem 
Klarsieden noch häufig mit schwacher salzhaltiger 
Lauge gekocht, „geschliffen“, wobei sie grö 
ßere Mengen Wasser aufnehmen, oder auch 
mit billigeren Ersatzmitteln, wie Wasserglas und 
Soda, oder für Waschzwecke völlig wertlosen 
Stoffen, wie Talk und anderen Mineralpulvern 
vermischt, „gefüllt“. Die geringwertigsten S., 
die sog. Leimseifen, werden ohne Aussalzen, 
durch einfaches Erstarrenlassen des ganzen Kessel 
inhalts, dargestellt und enthalten demnach die 
gesamte Unterlauge. Sie vertragen, ohne an 
Aussehen und Festigkeit einzubüßen, außerordent 
lich hohe Zusätze von Soda, Wasserglas, Mehl, 
Talk, Ton und anderen Füllmitteln und geben 
demnach außerordentlich hohe Ausbeuten. Die 
Güte der Erzeugnisse steht allerdings im um 
gekehrten Verhältnis wie der Grad der Ver 
mehrung. Deite gibt als klassisches Beispiel 
einer 8oo°/oigen Ausbeute folgende Vorschrift 
an: 100 kg Kokosöl, So kg Natronlauge, 200 kg 
Pottaschelösung, 300 kg Salzwasser, 60 kg Soda 
lösung. schließlich nochmals 60 kg Salzwasser, 
also 800kg Seife aus 100kg Fett! Ja, es sollen 
12—löfache Leimseifen hergestellt werden, die 
Deite geradezu als Schwindelseife bezeichnet. 
Verhältnismäßig gute Erzeugnisse sind die Halb- 
kern- oder Eschweger Seifen, die stets unter 
Zusatz von Palmkernöl oder Kokosfett hergestellt 
werden, und zwar in der Weise, daß ein Teil 
des Fettes zu Kernseife, und diese nach Zugabe 
des Restes zu Leimseife versotten wird. — Im 
Gegensatz zu den Natronseifen besitzen die mit 
Plilfe von Kalilauge erhaltenen S. eine weiche 
Konsistenz und bilden daher die sog. Schmier 
seifen. Sie werden meist aus oleinreichen Ölen: 
Tran, Hanföl, Leinöl, Rüböl, Baumwollsaatöl, 
Erdnußöl, Sesamöl, Olein und Palmöl hergestellt 
und sind, weil sie nicht ausgesalzen werden 
können, als Leimseifen anzusprechen. Verwen 
det man nur die genannten Öle, so erhält man 
„transparente“, glatte Schmierseife, während 
bei Zusatz von Talg und anderen harten Fetten 
durch Auskristallisieren von stearinsaurem Kali 
die Naturkornseif e entsteht. Zur Vortäuschung 
dieser geschätzten Eigenschaft werden bisweilen 
Körner von Kalk, Ton oder Stärke eingerührt 
und so die Kunstkornseifen erzeugt. Silber-, 
Schäl- oder glatte Elainseife nennt man 
eine Schmierseife von weißer oder gelber Grund 
masse mit perlmutterartigem Schimmer. Eine 
feste Kaliseife wird von den Lingner- 
werken in Dresden nach einem Geheimver 
fahren, wahrscheinlich unter Verwendung von 
Alkohol hergestellt und als Kavonseife be 
zeichnet. — Die feineren Toiletteseifen sind 
meist gewöhnliche Kern- oder selbst Leimseifen, 
denen irgendeine künstliche Farbe und ein Par 
füm, bisweilen auch ein angeblich der Haut wohl 
tätiger Stoff, wie Milch, Mandelkleie, Gly 
zerin, Galle, Bimsstein, ja selbst Eigelb 
einverleibt wird. Ihr oft außerordentlich hoher 
Preis hängt lediglich von der Art des zugesetzten 
Riechstoffs und seiner Einverleibung ab. Bei ge 
wöhnlicheren Sorten wird das Parfüm der noch
	        

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Nationale Bodenreform. Druck und Verlag von U. Weichert, 1926.
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