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Die Konsumtion

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Bibliographic data

fullscreen: Die Konsumtion

Monograph

Identifikator:
1011553732
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-36206
Document type:
Monograph
Author:
Oldenberg, Karl http://d-nb.info/gnd/117116246
Title:
Die Konsumtion
Edition:
Separatabdruck aus Grundriß der Sozialökonomik Abteilung II
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
J. C. B. Mohr
Year of publication:
1914
Scope:
1 Online-Ressource (Seiten 103-164)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
§ 5. Allgemeine Statistik der Konsumtion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Konsumtion
  • Title page
  • Contents
  • § 1. Die Literatur
  • § 2. Der Begriff
  • § 3. Wirtschaftlichkeit in der Konsumtion
  • § 4. Wertmaßstäbe der Konsumtion
  • § 5. Allgemeine Statistik der Konsumtion
  • § 6. Haushaltsrechnungen
  • § 7. Moderne Wandlungen der Konsumation
  • § 8. Zukunftsfragen der Konsumtion
  • § 9. Konsumtionspolitik
  • § 10. Speziell Einfluß der Steuer auf die Konsumtion
  • Index

Full text

128 I. Buch B III: K. Oldenberg, Wirtschaft, Bedarf u. Konsum. § 5 
Mühlen gab, bekamen die einheimischen Landarbeiter trotz ihrer niedrigen Lebens 
haltung das sehr billige Fleisch dreimal täglich nach Belieben, über * 3 / 4 kg täglich, 
gebraten und gekocht, mit etwas Schiffszwieback und Reis oder Nudeln; nur bei 
starker Arbeit hielt man als Leckerbissen eine Zugabe von Mais in Milch gekocht 
für nötig, um die Leute arbeitsfähig zu erhalten *). Es ist die natürliche Entwick 
lung, daß mit zunehmender Dichtigkeit der Bevölkerung der Fleischkonsum zu 
rücktritt zugunsten der Vegetabilien, die nicht so viel Bodenfläche für die Ernährung 
einer gegebenen Zahl Menschen erfordern. Im dicht besiedelten China ist der Fleisch 
konsum minimal. Der früher in Deutschland hohe Fleischkonsum ging vom 16. 
bis ins 19. Jahrhundert zurück, besonders auf dem Lande, als das Fleisch bei wach 
sender Bevölkerung knapper wurde. Gleich andern Ländern sind seitdem auch die 
Vereinigten Staaten in diese Rückgangsperiode eingetreten, allerdings unter dem 
mitwirkenden Einfluß ihres Exports; nach Wilsons Berechnung sank dort der Ver 
brauch pro Kopf von 1840—1900 von 100 auf 59% 2 ). Dagegen sehen wir im west 
lichen Europa während der letzten Menschenalter trotz hoher und steigender Preise 
'eine schnelle und stetige Verbrauchszunahme, und zwar diese parallel mit dem 
Wachstum der Städte und Großstädte und hauptsächlich in den Städten und Indu 
striegebieten. So stieg nach E ß 1 e n 3 ) im heutigen Gebiet des Deutschen Reichs 
1816 4 ) bis 1911 der Fleischverbrauch pro Kopf von 13,6 auf 48,5 kg, am schnellsten 
in den 90er Jahren. Großstädter essen mehr Fleisch als Kleinstädter. In Sachsen 
war z. B. 1875 der Verbrauch an Rind- und Schweinefleisch pro Kopf auf dem Lande 
und in den kleinen Städten 23,3 kg, in den Mittelstädten 34 kg, in Chemnitz 42,8 kg, 
in Dresden 51,9 kg, in Leipzig 81,9 kg. Auf die Gründe des höheren städtischen 
Fleischverbrauchs kommen wir zurück. 
Der heutige Fleischverbrauch pro Kopf wird für Australien und Neuseeland 
auf weit über 100 kg, für die Vereinigten Staaten noch auf 84 kg 5 * ), für Argentinien 8 ). 
auf etwas weniger, für Großbritannien mit Irland, für Frankreich und für das Deut 
sche Reich auf einige 50 kg, für andere westeuropäische Staaten auf 30—40 kg, für 
Schweden, Holland, Spanien, Rußland und namentlich Italien auf noch weniger 
berechnet; Italien bis zu 13% kg herab. Diese Zahlen sind allerdings nicht so zuver 
lässig und nicht so gleichmäßig berechnet, daß man sie getrost vergleichen kann. 
Am genauesten ist wohl die englische und die deutsche Berechnung. Und doch 
dürfte selbst für Deutschland die amtliche Berechnung von mehr als 50 kg zu hoch 
greifen. Nach B a 11 o d 7 ) ist das Schlachtgewicht der verzehrten Tiere um etwa 
10% überschätzt; die relativ zuverlässige sächsische Statistik führt auch auf einen 
um mehrere Kilogramme kleineren Konsum, obwohl der industrielle Sachse doch 
wohl mehr Fleisch konsumiert als der Deutsche im Durchschnitt; und die privaten 
Haushaltsrechnungen städtischer Familien, von denen der nächste Paragraph be 
richten wird, zeigen noch sehr viel kleinere Konsumtionszahlen pro Kopf; eine der 
Aufklärung bedürftige Differenz, die übrigens auch bei andern Artikeln (Zucker, 
*) Max Weber im Deutschen Wochenblatt, 11. Januar 1894. Vgl. Rubner 1903, 
S. 443: „Den Menschen durch alleinige Fleischzufuhr voll und ganz zu ernähren, ist bis 
jetzt nicht geglückt. Es liegt der Grund nicht etwa an der ungenügenden Resorption des 
Eiweißes, als vielmehr an dem Unvermögen, die notwendige Fleischmenge zu kauen.“ (Er 
nährung mit Hackfleisch müßte danach doch möglich sein.) 
®) Jahrbücher für Nationalökonomie, Bd. 39, S. 366. 
3 ) Fleischversorgung, S. 242 f. 
4 ) In der Kriegszeit 1802—16 war aber die Fleischproduktion gesunken: in Preußen von 
155 auf 144 Millionen kg. Ferner ist für 1816 die Schlachtung von Pferde- und Ziegenfleisch, 
sowie ein etwaiger Ueberschuß der Fleischeinfuhr über die Ausfuhr nicht berücksichtigt; für 
1911 machen aber diese drei Posten zusammen nicht viel über 1 kg aus. 
5 ) Nach B a 11 o d , Grundriß der Statistik, 1913, S. 125 nur 67 kg. 
*) Nach B a 11 o d a. a. O. S. 126 würde auch in Argentinien (und Südbrasilien) nicht 
weniger als in Australien pro Kopf verzehrt. 
7 ) Vgl. Zahns Sammelwerk: Die Statistik in Deutschland, II 614. (Auch desselben 
Verfassers Aufsatz in der Zeitschrift „Verwaltung und Statistik“, Dezember 1912, S. 360 f.)
	        

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Die Konsumtion. J. C. B. Mohr, 1914.
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