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Die Konsumtion

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Bibliographic data

fullscreen: Die Konsumtion

Monograph

Identifikator:
1011553732
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-36206
Document type:
Monograph
Author:
Oldenberg, Karl http://d-nb.info/gnd/117116246
Title:
Die Konsumtion
Edition:
Separatabdruck aus Grundriß der Sozialökonomik Abteilung II
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
J. C. B. Mohr
Year of publication:
1914
Scope:
1 Online-Ressource (Seiten 103-164)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
§ 7. Moderne Wandlungen der Konsumation
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Konsumtion
  • Title page
  • Contents
  • § 1. Die Literatur
  • § 2. Der Begriff
  • § 3. Wirtschaftlichkeit in der Konsumtion
  • § 4. Wertmaßstäbe der Konsumtion
  • § 5. Allgemeine Statistik der Konsumtion
  • § 6. Haushaltsrechnungen
  • § 7. Moderne Wandlungen der Konsumation
  • § 8. Zukunftsfragen der Konsumtion
  • § 9. Konsumtionspolitik
  • § 10. Speziell Einfluß der Steuer auf die Konsumtion
  • Index

Full text

142 I. Buch B III: K. Oldenberg, Wirtschaft, Bedarf u. Konsum. § 7 
1851 *). Ebenso fand er bei Bergleuten und Hüttenarbeitern verschiedener Länder 
eine unvergleichlich bessere Ernährung, wenn sie nebenher Landwirtschaft trieben, 
als wo sie nur auf Geldlohn angewiesen waren 3 ). Auch die bessere Ernährung von 
Arbeitnehmern mit freier Station gehört in diesen Zusammenhang 3 ). Fünftens kann 
in der Verkehrswirtschaft gewöhnlich nicht die Arbeitskraft der Fami 
lienglieder so ausgenutzt werden, wie in der bäuerlichen Eigenwirtschaft; 
daher schlechtere Ernährung großer Familien. 
3. Den Vorzügen der Eigenwirtschaft stand in Mißerntejahren das Risiko der 
Hungersnot gegenüber, dem, wie schon hervorgehoben wurde, die Verkehrs 
wirtschaft abhilft 4 ). Am günstigsten sind daher Bevölkerungen situiert, die mit 
ausgebreiteter Eigenwirtschaft den Anschluß an den Weltverkehr verbinden; es ist 
nicht ausgeschlossen, daß die Langlebigkeit skandinavischer Völker, deren landwirt 
schaftliche Eigenproduktion freilich leicht überschätzt wird, damit zusammen 
hängt 8 ). 
4. Aber andererseits wirkt der Anschluß an den Verkehr auch auf die Eigenwirt 
schaft des Landmanns auflösend, und gefährdet seine Ernährung noch in besonderer 
Weise, indem er ihm durch das Angebot lockender Preise erstens die Reservevorräte 
entzieht und zweitens gerade die wertvollsten, transportabelsten Produkte seiner 
Wirtschaft vom Munde nimmt; auch hier fängt das scharfe Rechnen an. Durch 
diese Mobilisierung und „M erkantilisierung“ der Bodenprodukte scheinen 
in Rußland und Indien die Hungersnöte vermehrt worden zu sein, weil die Korn 
vorräte aus früheren Jahren versilbert sind, um Schulden zu bezahlen 6 ). Der 
russische Bauer verkauft auch die Eier, die er früher seinen Kindern gab. In 
Deutschland wie in den Nachbarstaaten verkauft der Landwirt mehr als gut die 
Produkte seiner Viehwirtschaft und ersetzt sie durch verkehrswirtschaftliche Surro 
gate wie Margarine, Kaffee, Zichorienbrühe, Bier, Schnaps, Süßigkeiten; nament 
lich sollen die Molkereigenossenschaften in der bäuerlichen Ernährung Verwüstungen 
*) S. 37: „Sie verdanken dies dem Umstande, daß sie der noch in der Mitte des 19.?Jahr- 
hunderts in den Vororten englischer Großstädte üblichen Sitte huldigten, auch ohne eigenen 
Acker sich mit gekauften Kartoffeln ein Schwein zu mästen und für den Hausgebrauch zu 
schlachten. Ermöglicht wurde dieser Brauch dadurch, daß in England auch die Arbeiter 
weniger in Mietskasernen als in kleinen, einstöckigen Häusern wohnten und meist gegen 
wärtig noch wohnen. Die Hausschlachtungen in den englischen cottages hatten allerdings 
den Uebelstand, daß die engen Gäßchen durch Schmutz, Mist und Schlachtabfälle auf das 
gröblichste verunreinigt wurden. Die in den 60er Jahren in großartigem Maßstabe durchge 
führte Assanierung der englischen Städte beseitigte daher durch Verbote die Hausschlach 
tungen, wohl zum Vorteil der Reinlichkeit der Straßen, aber nicht zum Vorteil der Volksernäh 
rung.“ 
3 ) S. 35 f. 
3 ) Man hat gelegentlich beobachtet, daß ein Dienstmädchen in der Großstadt mit halber 
Naturalkost und halbem Kostgeld abmagert, weil sie das Kostgeld spart, dagegen in der näch 
sten Stellung mit voller Naturalkost die Fülle ihrer Formen alsbald wiedergewinnt. Auch 
hier entspricht der Naturalwirtschaft gute, der Geldwirtschaft schlechtere Ernährung, unab 
hängig von der gesamten Einkommenshöhe. Ebenso dürfte der Uebergang des Handwerks 
gesellen zur geldwirtschaftlichen Selbstbeköstigung die Ernährung im Durchschnitt ver 
schlechtert haben. Vgl. z. B. Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 
Bd. 63, S. 44. Der Vorzug naturalwirtschaftlicher Beköstigung zeigt sich übrigens auch im 
ländlichen Arbeitsverhältnis, wo überdies unter dem Einflüsse des Arbeitsmangels die Ge 
sindekost sich verbessert hat; nicht selten haben Bauern erklärt, sie würden ohne ihr Gesinde 
gern einfacher essen. Die Lebenshaltung des Gesindes färbt dann auch auf die Arbeiter mit 
eigenem Haushalt ab. 
4 ) Heute ist in Städten wie Berlin nicht einmal mehr ein Zusammenhang zwischen Lebens 
mittelpreisen und Sterblichkeit erkennbar; andere Einflüsse, wie die Konjunktur, überwiegen. 
Vgl. B a 11 o d , Die mittlere Lebensdauer in Stadt und Land, 1899, S. 54—56. 
*) Vgl. G r o t j a h n , S. 65. 
•) Angedeutet von S o m b a r t, Die deutsche Volkswirtschaft, S. 463.
	        

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Die Konsumtion. J. C. B. Mohr, 1914.
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