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Die Konsumtion

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Bibliographic data

fullscreen: Die Konsumtion

Monograph

Identifikator:
1011553732
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-36206
Document type:
Monograph
Author:
Oldenberg, Karl http://d-nb.info/gnd/117116246
Title:
Die Konsumtion
Edition:
Separatabdruck aus Grundriß der Sozialökonomik Abteilung II
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
J. C. B. Mohr
Year of publication:
1914
Scope:
1 Online-Ressource (Seiten 103-164)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
§ 8. Zukunftsfragen der Konsumtion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Konsumtion
  • Title page
  • Contents
  • § 1. Die Literatur
  • § 2. Der Begriff
  • § 3. Wirtschaftlichkeit in der Konsumtion
  • § 4. Wertmaßstäbe der Konsumtion
  • § 5. Allgemeine Statistik der Konsumtion
  • § 6. Haushaltsrechnungen
  • § 7. Moderne Wandlungen der Konsumation
  • § 8. Zukunftsfragen der Konsumtion
  • § 9. Konsumtionspolitik
  • § 10. Speziell Einfluß der Steuer auf die Konsumtion
  • Index

Full text

158 I. Buch B III: K. Oldenberg, Wirtschaft, Bedarf u. Konsum. 
§ 8 
gfea—MH—« 
§ 8. Zukunftsfragen der Konsumtion. 
Ueber die Zukunft der Konsumtion läßt sich natürlich nur in vagen Ver 
mutungen sprechen. Ob mit einer sozialen Hebung der Massen zu rechnen 
sein wird, ob der ostasiatische, westeuropäische oder amerikanische Konsum 
tionstypus die Oberhand gewinnen wird, ob Kriege, Seuchen, Naturereignisse 
die Existenzbedingungen verschlechtern oder verbessern werden, wie bald es 
der chemischen Forschung gelingen mag, die natürliche Produktion der Nah 
rungs- und Bekleidungsmittel zu ergänzen: von all diesen Fragen hängt die 
Wandlung des Konsumtionstypus und die Grenze der künftigen Konsumtions 
möglichkeit wie der Bevölkerungszunahme ab; andererseits würde ein starker Rück 
gang der Bevölkerungszunahme, wie er sich in den Ländern westeuropäischer Kultur 
anzubahnen scheint, den Konsumtionsspielraum auskömmlicher erscheinen lassen. 
Man hat öfter berechnet, daß die Fortdauer und Verallgemeinerung eines Geburten 
überschusses von jährlich 1—1%%, wie in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahr 
hunderts in vielen europäischen Staaten, bald zu einer phantastischen Bevölkerungs 
dichte führen müßte, ohne zu berücksichtigen, daß schon die Annäherung an einen 
solchen Dichtigkeitsgrad hemmende Konsumtionsschwierigkeiten schaffen würde. 
Die oft angekündigte Chance einer künstlichen Herstellung von Nahrungsstoffen 
hat konkretere Gestalt gewonnen, seit EmilFischer 1907 in der Berliner Aka 
demie der Wissenschaften auf Grund seiner Proteinforschungen in der Darstellung 
künstlicher Fermente den Weg wies, der in absehbarer Zeit die Nutzbarmachung 
des Holzes für die tierische Ernährung in Aussicht stellt. Ohne diese Möglichkeit 
zusätzlicher Nahrungsmengen zu berücksichtigen, hat man die maximale Ernährungs 
kraft der Erde mit sehr verschiedenen Schätzungen zu begrenzen versucht ’). 
Nimmt man eine überwiegend vegetabilische Nahrung an, mit sehr wenig Nutz 
vieh und Zugvieh, so daß die Bodenfläche fast restlos unmittelbar dem menschlichen 
Unterhalte dient, wie in Ostasien, und legt man vollends den mäßigen Nahrungs 
bedarf des durchschnittlich kleinen Ostasiaten zugrunde, so kommt man zu hohen 
Maximalzahlen. Der englische Geograph Ravenstein berechnete 1890, daß 
6 Milliarden Menschen auf der Erde leben können, der deutsche Statistiker v. Fircks 
(1898) über 9 Milliarden, um von phantastischen Schätzungen bis zu 250 Milliarden 
zu schweigen. Die heutige Erdbevölkerung bleibt wahrscheinlich hinter 2 Milliarden 
erheblich zurück. Ballod berechnete 1912, unter Berücksichtigung der für Textil 
stoffe erforderlichen Fläche und bei der Annahme einer Steigerung der Ernten pro 
Hektar auf das 1 y 2 —2 fache der heutigen amerikanischen Menge, entweder 6,8—7 
Milliarden nach deutschem oder 22,4 Milliarden nach ostasiatischem Typus lebende 
Menschen als Höchstzahl; bei gehobener Lebenshaltung wären diese Zahlen zu redu 
zieren, bei Entdeckung großer Lager von Phosphorsäure, dem für die künstliche 
Düngung der Nahrungsfläche künftig knappen Bestandteil, zu erhöhen. 
Daß der künftige Nahrungsbedarf auch von dem Maße der Stadtbildung und 
Industrialisierung abhängt, ergibt sich aus den Ausführungen des vorigen Paragraphen. 
Unter Umständen kann aber das Gesetz vom abnehmenden Bodenerträge die Mensch 
heit nötigen, wieder mehr zur landwirtschaftlichen Arbeit zurückzukehren, um dem 
Boden durch arbeitsintensivste Bewirtschaftung maximale Erträge abzugewinnen; 
während umgekehrt die wahrscheinlich dicht bevorstehende oder schon beginnende 
Abnahme des relativen Ertrages im Bergbau geeignet ist, teils mehr Arbeitskräfte 
dem Bergbau zuzuführen, teils den Verbrauch industrieller Waren und den Güter 
verkehr zu vermindern. Ballod vermutet, daß die Menschheit, um den Standard ihrer 
Bedürfnisbefriedigung aufrecht zu halten, schließlich versuchen werde, sich den 
subtropischen Gebieten zu akklimatisieren, die bei reichlichen Ernten eine Ersparnis 
J ) Vgl. zum Folgenden Ballod, Wieviel Menschen kann die Erde ernähren ? Jahr 
buch für Gesetzgebung 1912, S. 81 f.
	        

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Die Konsumtion. J. C. B. Mohr, 1914.
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