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Lebenserinnerungen

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Bibliographic data

fullscreen: Lebenserinnerungen

Monograph

Identifikator:
1011918013
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-21195
Document type:
Monograph
Author:
Eucken, Rudolf http://d-nb.info/gnd/118682555
Title:
Lebenserinnerungen
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von K. F. Koehler
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (V, 127 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Die Weiterentwicklung meines Lebens und Strebens
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Lebenserinnerungen
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil
  • Zweiter Teil. Die Weiterentwicklung meines Lebens und Strebens
  • Schluß
  • Index

Full text

der Menschen, alle Ungleichheit wird von einem grasten Zuge der 
Menschheit als eine Ungerechtigkeit verpönt, es wird eine klassen 
lose gesellschaft als ein unbedingtes Nechk gefordert. Dieser 
Wendung widersteht aber dieTatsache,daß nicht nur die Natur die 
Menschen verschieden ausstattet, sondern dast auch die Kultur zu 
ihrer Entwicklung deutlicher Qbstände bedarf und eine Zerlegung 
des Zusammenlebens in eine höhere und eine niedere Lchicht ver 
langt; verwerflich ist eine solche Lcheidung nur, wenn sie blast be 
sonderen Klassen, nicht den Zwecken des ganzen dient. Jene Zer 
legung begründet sich aus der Notwendigkeit, einem begrenzten 
Lebenskrcife die Hauptsorge für die geistige Lelbsterhaltung der 
Menschheit zuzuweisen. Lin solcher Kreis kann nicht bestehen und 
gedeihen ohne ein gegenseitiges Ineinandergreifen und einen festen 
Zusammenhang des Wirkens über die Individuen hinaus, nicht 
ohne die Bildung einer Tradition, welche die Ürbeit der Menschheit 
in sich aufnimmt und sie fortführt, auch nicht ohne eine Befreiung 
von der dringendenNotdesphpsifchenVaseins; auch fordert er durch 
gebildete Denkweisen und Methoden, nicht nur einzelne Leistungen 
und Handgriffe. Unmöglich können wir das alles wegwerfen, um 
dem Trugbild einer klassenlosen gesellschaft anzuhangen, die sich 
bald als eine kulkur- und geistlose erweisen müstke. Zugleich aber ist 
eine eigentümliche Lebensgestalkung entstanden, welche alles ge 
deihen vom wirtschaftlichen Wohlergehen erwartet, damit alle 
selbständige und selbstwertige geistigkeit leugnet und alles 
Lchaffen auf den blosten Menschen stellt; daraus erwächst ein 
schroffer Konflikt zwischen Mensch und geist, eine Menlchbeits- 
vergötterung, bei welcher der Mensch in seiner eigenen Nkeinung 
zeitweilig vordringen mag, die aber in Wahrheit eine innere 
Zerstörung bedeutet. 
Die Lntwicklung, welche die Neuzeit und namentlich die neueste 
Zeit in dieser Nichtung nahm, sie ist nicht ohne Tragik. Die 
Menschheit der gegenwart will — wenigstens will das ein großer 
Ltrom — alle inneren Zusammenhänge aufgeben und lediglich der 
eigenen Kraft vertrauen. Durch eine engere Berbindung der Lle- 
mente glaubt sie allen Üufgaben gewachsen zu sein, sie möchte 
in unablässigem Lmporstreben einen Turm bis zum Himmel bauen. 
Über diese Denkweise must mit ihrer Llblösung des Menschen von 
allen inneren Zusammenhängen die Bedingungen echter größe 
zerstören, sie wird zugleich die Menschheit innerlich spalten und in 
eine volle Zerwerfung treiben, bis schließlich das Machtgebok eines 
Diktators alles unter sich zwingt. Lolche gefahren stehen vor 
Bugen; es gilt eine Lntfcheidung zu treffen, ob die in der gegen 
wärtigen Menschheit wirkenden Kräfte stark genug sind, diese 
Wendung zu verhüten, den unverkennbaren Wahrheitsgehalt der
	        

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Der Wirtschaftskrieg. Verlag der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer, 1915.
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