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Lebenserinnerungen

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Bibliographic data

fullscreen: Lebenserinnerungen

Monograph

Identifikator:
1011918013
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-21195
Document type:
Monograph
Author:
Eucken, Rudolf http://d-nb.info/gnd/118682555
Title:
Lebenserinnerungen
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von K. F. Koehler
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (V, 127 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Lebenserinnerungen
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil
  • Zweiter Teil. Die Weiterentwicklung meines Lebens und Strebens
  • Schluß
  • Index

Full text

19 OOOOOOOÖOOOOOOOOOOOOO 
jeden Ougenblicf bereit, auf die Interessen jedes Schülers einzu 
gehen und auch ein sprödes Material unverdrossen zu bilden. 
Namentlich in der Behandlung der Oufsätze hat er unermüdlich 
gewirkt. £r hat nicht selten verschiedene Aufsatzthemen je nach der 
Ort und Fassungskraft der Schüler gestellt. Oft hat er mir allein 
ein besonderes Thema aufgegeben, um meinen philosophischen 
Interessen entgegenzukommen. Dabei stand ich bei höchster Hoch 
achtung für Keuter in einem gewissen gegensatz zu ihm. £r war, 
wenn auch in keiner Weise fanatisch, so doch ein strenggläubiger 
Lutheraner. Ich aber war sowohl durch die Zusammenhänge 
meiner Tamilie als durch meine eigenen £indrü^e freigestnnt. 
Nun suchte er alles in mir zu erwecken, was mich nach seiner Über 
zeugung auf den rechten Weg führen könnte. £r hat oft mit mir 
über diese Tragen gesprochen und dabei nie die Qukorikät des Lehrers, 
sondern das Necht der Sache eingesetzt. Der blosten Oufklärung 
war ich bei aller freien gesinnung von früh an fremd, aber ich 
verdnnke Neuter, dast ich die schroffen Zegensätze des Lebens und 
des geistigen Bestandes der Seele von Jugend auf durchschauen 
konnte und dadurch in der Hauptrichtung meines eigenen Strebens 
bestärkt wurde. Natürlich blieb ich Neuter dauernd verbunden, 
wir haben regelmästig miteinander korrespondiert*. Ols ich ihn 
zuletzt sah, hat er bitterlich geweint. 
Sehr bedauerlich, ja empörend war es, dast der tiefinnerliche 
und ganz und gar auf feine seelenbildende Orbeit gerichtete Lehrer 
zum Schlust seines Lebens in politische Konflikte geriet und dabei 
eine Behandlung erfuhr, die uns Ostfriesen empörte. Neuter 
stammte aus Hildesheim und fühlte sich als Olthannoveraner. 
Nun kam die Onnexion 1866; diese Onnexion mit der £ntthronung 
des Königs widersprach seinem moralischen £mpfinden, und wie 
er nie aus seiner Überzeugung Hehl machte, so hat er wahrscheinlich 
auch zu den Schülern darüber gesprochen. Nun müssen irgend 
welche nichtostfriesische Schüler ihren Litern davon erzählt haben, 
wahrscheinlich hat sich auch Klatsch daran geknüpft; kurz es wurde 
* Veröffentlicht hat meines Wissens Reuter nur eine kleine Schrift „Lcfstngs 
Erziehung des Menschengeschlechts. Darlegung des geholtes und des Zweckes" 
(x88i, 80 Seiten). 
Bemerkenswert ist die enge Beziehung Reuters mit unserem grasten Juristen 
Zhering. Wie sehr dieser Reuter schätzte, zeigt ein Zugendbriefvom 17. Dezember 
1840, in welchem Zhering schreibt: „Zch werde es stets anerkennen, welch' einen 
wohltätigen stinflust Sie auf mein Leben gehabt haben, indem Sie nicht nur 
den Sinn für Wissenschaft in mir erweckten, sondern mir auch die Verfolgung 
meiner jetzigen Laufbahn so sehr erleichterten". 
Zch selbst habe in den Dstfricsischen Monatsblättern 1881 meiner dankbaren 
Schätzung Reuters in kurzen Worten llusdruck gegeben (S. 193—198).
	        

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Lebenserinnerungen. Verlag von K. F. Koehler, 1921.
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