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Die Konsumtion

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Bibliographic data

fullscreen: Die Konsumtion

Monograph

Identifikator:
1014415187
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-22842
Document type:
Monograph
Author:
Landwehr, Ottokar
Title:
Übervölkertes Land
Place of publication:
Wien
Publisher:
Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung
Year of publication:
1923
Scope:
1 Online-Ressource (59 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Title page

Document type:
Monograph
Structure type:
Title page
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Konsumtion
  • Title page
  • Contents
  • § 1. Die Literatur
  • § 2. Der Begriff
  • § 3. Wirtschaftlichkeit in der Konsumtion
  • § 4. Wertmaßstäbe der Konsumtion
  • § 5. Allgemeine Statistik der Konsumtion
  • § 6. Haushaltsrechnungen
  • § 7. Moderne Wandlungen der Konsumation
  • § 8. Zukunftsfragen der Konsumtion
  • § 9. Konsumtionspolitik
  • § 10. Speziell Einfluß der Steuer auf die Konsumtion
  • Index

Full text

Wertmaßstäbe der Konsumtion. 
115 
§ 4 
solchem Demonstrationsaufwande *) ist der ganze Umkreis unserer Lebenshaltung 
mehr durchsetzt, als wir uns bewußt sind; von den verschwenderischen Gesellschafts 
ausgaben und der „guten kalten“ Stube, die dem Mittelstände die Wohnung in so 
unverantwortlicher Weise verteuert, bis zu den Launen der Sonntagskleidung und 
unter Umständen selbst manchen Bestandteilen der täglichen Nahrung. Unzählige 
Renommiergüter teilen dieses Schicksal der Konventionsheirat mit einem zahlungs 
fähigen, aber sonst wenig interessierten Konsumenten; ihr Hauptzweck ist die Do- 
kumentierung der Zahlungsfähigkeit, und die moderne Uniformierung der Preise 
erleichtert die Kontrolle. Natürlich kann die erstrebte Nutzwirkung dieser sozialen 
Opferwilligkeit in den Schornstein fahren in dem Maße, wie die Lebenshaltung einer 
sozialen Gruppe schließlich auf der ganzen Linie gesteigert wird, der Rivalitätsauf 
wand Einzelner zum konventionellen Aufwande Aller wird; eine Schraube ohne 
Ende. Wo dagegen die alte ständische Sitte sich in Resten noch erhält, wie etwa in 
der kleidsamen und billigen, aber auch anspruchslosen Blousentracht des franzö 
sischen Arbeiters, spart die Volkswirtschaft an Rivalitätskosten * 2 ). Der Auszeich 
nungstrieb strebt beständig den Kreis der konventionellen Bedürfnisse zu erweitern. 
Wir kommen damit zu dem viel erörterten Begriffe des Luxus. 
Im strengsten Sinne ist jede Konsumtion Luxus, die über den Existenzbedarf 
hinausgeht. Allein die soziale Rivalität hat längst die physiologischen Mindest 
bedürfnisse durch konventionelle Anforderungen gesteigert, die das Existenzmini 
mum für jede soziale Gruppe differenzieren. Nennen wir Luxus nur denjenigen 
Konsum, der dieses soziale Mindestmaß jeder Gruppe überschreitet, so erscheint 
natürlich der einen sozialen Gruppe von ihrem Standpunkte als („relativer“) Luxus, 
was zum sozialen Notbedarfe der andern gehört. „Absoluter“ Luxus ist dann nur, 
was über den traditionellen Bedarf der jeweilig anspruchsvollsten sozialen Konsu 
mentenschicht hinausgeht; „individueller“ und „relativer“ Luxus, was den her 
kömmlichen Bedarf der eigenen sozialen Gruppe des Konsumenten überschreitet, 
was nicht dem sozialen Anerkennungstriebe, sondern dem weitergehenden Aus 
zeichnungstriebe dient. Aber weniger dieser Doppelsinn des Begriffs, als die Ver 
schiedenheit der Standpunkte hat das Werturteil über den Luxus schwanken lassen. 
Auch den relativen Luxus mag der mittelalterliche Moralist oder der Vertreter des 
Naturalismus (16.—18. Jahrhundert) unter ethischen Gesichtspunkten, der mo 
dernere Volkswirt als Hemmnis der Kapitalbildung und als faux frais der sozialen 
Rivalität, zeitweise auch als eine Gefahr für die Handelsbilanz des Landes schelten; 
während andererseits jeder noch so maßlose „absolute“ oder „relative“ Luxus Gnade 
finden kann sowohl in den Augen des grundsätzlichen Verehrers äußerlich meß 
barer Kultur, wie des rationalistischen Volkswirts, der mit scharfer aber schiefer 
Logik jeden Luxus preist, der „Geld unter die Leute bringt“; als ob das Geld bei 
produktiver statt luxuriös konsumtiver Verwendung nicht ebenso unter die Leute 
käme und wahrscheinlich sogar eine beständigere Verdienstgelegenheit böte, als die 
launische Luxusnachfrage vermag. Nur dem Sonderinteresse des Kapitalgewinns 
ist die Luxuskonsumtion günstig, weil sie die jährliche Ersparnis verkleinert und da 
mit das Angebot von Leihkapital vermindert 3 ). 
Eine besonders scharfe Ausprägung findet die konventionelle Bedürfnissteigerung 
in der Mode 4 ). Mode ist eine Zeitströmung, die massenpsychologisch bestimmte 
x ) Von diesem ehrgeizigen Aufwande ist zu unterscheiden der auch der Demonstration 
dienende spekulative Aufwand des kreditbedürftigen Geschäftsmanns und des Vaters 
heiratsfähiger Töchter. 
! ) Lexis in Schönbergs Handbuch I 4 795, Anm. 14. 
3 ) Lexis, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 1910, S. 220. 
") Vgl. u. a. S o m b a r t 1902, II 327 f. Rasch, Das Eibenstocker Stickereigewerbe 
unter der Einwirkung der Mode, 35. Ergänzungsheft der Zeitschrift für die gesamte Staats 
wissenschaft, Tübingen 1910. Tröltsch, Volkswirtschaftliche Betrachtungen über die 
Mode, Marburg 1912. Weitere Literatur bei A. Elster, Wirtschaft und Mode, Jahrbücher 
für Nationalökonomie und Statistik, August 1913. 
8*
	        

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Die Konsumtion. J. C. B. Mohr, 1914.
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