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Geburtenrückgang u. Sozialreform

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Bibliographic data

fullscreen: Geburtenrückgang u. Sozialreform

Monograph

Identifikator:
1015153682
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-160573
Document type:
Monograph
Author:
Hitze, Franz http://d-nb.info/gnd/118705288
Title:
Geburtenrückgang u. Sozialreform
Place of publication:
M.-Gladbach
Publisher:
Volksvereins-Verl.
Year of publication:
1922
Scope:
244 S
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Geburtenrückgang u. Sozialreform
  • Title page
  • Contents

Full text

D, Bekämpfung des Geburtenrüdganges 20% 
ıögefchieden werden follten, würde fich ein allgemeiner Proteit erheben. Gewicht, 
Bruftweite und Muskelkraft und auch die rafliidhe Erbmaffe beitimmen nun einmal 
nicht allein den Wert und die Dafjeinsberecdhtigung des Menfchenfindes, {ondern der 
Beift oder, wie wir Chriften fagen: die unfterblide Seele, Dement{prechend Können 
wir auch nicht denen recht geben, die jedem Menfchen vorfchreiben wollen, wieviel 
Rinder er Haben darf und 3. 3. bei einer HEH{tzahl von fechs Schluß machen wollen. 
Wo bleibt da die Würde der Che! Gewiß, auch der RafjfenhHygiene [ol ihr Recht bleiben, 
und gern anerfennen wir ihre Verdienjte. Wir folgen aud) gern den raffenhygienildhen 
Studien und ihren Refultaten und erhoffen davon noch reichen Gewinn für unfere 
‚ufünftige Lebensgeftaltung; aber mit der Raffenhygiene und Eugenitk ijt des Menfdhen 
BWürde und Recht nicht er[höpft. RaffenhHygiene und hohe ethifdhe Auffajfung in treuen: 
Bunde, wie fie 3. B. Profejfor Gruber vertritt, Kann ung allein Höher führen, 
Weitgreifender al der Einfluß diejer falichen Theorien ift die Wirkung einer ver 
berblidgen Ziteratur und Kun ft. Vor allem find e8& Romane einer gewilfen: 
Ridhtung und das moderne ThHeater, die den deutfhen Familienjinn, bie Heilig: 
Jaltung bräutlicher Liebe und ehelidher Treue vielfach Iyftematifcdh untergraden. Die 
jranzöfiiden Chebruchsdramen find ja, gottlob, feit dem Kriege von unfern Bühnen. 
verfchivunden. Immerhin pries man ihren „Eiprit“, der alz Dedung für diefe Pro- 
yukte des Landes der Kinderlofigieit diente. Wenn man jekt aber mandıe Theaterzettel 
der Großfjtabt lHieft, fo Könnte auch der Ausruf gerechtfertigt erjdheinen: der Spiritus 
‚it verflogen, bie — tierijdhe Sinnlichfeit ift geblieben, ES ijt unbegreiflidh, wie unjere 
Hriftlichen Väter und Mütter nicht in gemeinjamer Entrüftung ihre Stimmen erheben, 
aß man ihren Söhnen und Töchtern foldhes zu bieten wagt! Und das in den hHeroifchen 
Tagen des Krieges, angeficht? der Not der Zeit! Mögen doch diejenigen, die [oldher 
„Kunftgenüffe“, SHauftellungen, Nadttänze ufw. bedürfen, fich als würdige Genoffen 
ner „veredelten“ Kultur und Ethik vereinigen und in gefhloffener Gefeilfdhaft folcdhe 
Aufführungen veranftalten, aber man verfhone doch unfere Jugend, deren ungebrochener 
ittliden und phyfiflchen Kraft wir noch fo dringend für unfere Zukunft bedürfen. — 
Mehr Unheil richtet noch vielfach die Preffe an, weil fie in die weiteften Kreife dringt. 
Neben den Inferaten und dem Feuilleton find e8 vor allem die eingehenden Berichte 
iber Verbrechen und Gerichtsverhandlungen, die verwüftend wirken. Wenn die Sitten 
oolizei fchläft, follte wenigjtens die Gefundheitspolizet eingreifen, damit nicht die ver 
peftenden Miasmen der Grofftadt über das ganze Land Hinausziehen. Und wenn 
bie fittliden Gefichtspunkte vielleicht weniger gelten follten al8 die wirtfHaftlidhen, 
dann [Hüße man menigiteng die anftändige reife vor joldh unlauterer Konkurrenz! 
Endlich müffen al3 der Familie feindlidH — wenn auch vielleicht unbewußt — alle 
»tejenigen Beftrebungen bezeichnet werden, die auf eine Gleidftellung der 
»heligenundunehelidgen Wödhnerinnen und Kinder hinausgehen. 
Sewiß, wer möchte lektern Nachficht und Mitleid — nach gefldHehenem Falle — verfagen 
and nicht gern mithelfen, fie möglichjt wieder zu vollwertigen Gliedern der men[Hlichen 
Sefelljchaft zu erheben, aber dabei muß doch der ethifhHen Würdigung ihr Recht bleiben 
and fann die uneheliche Mutter nicht der eheliden gleichgejtellt werden. Aber mande 
‚Mutterfhug“ beftrebungen proflamieren den „Schrei nach dem Kinde“ auch al8 außer. 
»hHeliches heilige Menfjdhenrecht, und dementiprechend Haben die Kinder der freien 
Siebe mehr Anziehung für fie als die der altfränkijdhHen Che. — In dem an fich berech. 
Hgten Beftreben, die Seburtenzahl zu vermehren, ift fogar der Vorfchlag gemacht 
worden: ?) aus Sffentliden Mitteln im ganzen Lande KinderhHeime zu errichten 
und zu unterhalten, denen jede Mutter ohne weiteres ihr Kind oder ihre 
Rinder, ob ehHelich oder unehelich, diskret oder offen übergeben kann, mit denrz 
') May, N. E in Schmoller8s Sahrbuch 1916, S, 1675
	        

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Geburtenrückgang U. Sozialreform. Volksvereins-Verl., 1922.
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