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Geburtenrückgang u. Sozialreform

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Bibliographic data

fullscreen: Geburtenrückgang u. Sozialreform

Monograph

Identifikator:
1015153682
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-160573
Document type:
Monograph
Author:
Hitze, Franz http://d-nb.info/gnd/118705288
Title:
Geburtenrückgang u. Sozialreform
Place of publication:
M.-Gladbach
Publisher:
Volksvereins-Verl.
Year of publication:
1922
Scope:
244 S
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Geburtenrückgang u. Sozialreform
  • Title page
  • Contents

Full text

D. Bekämpfung des SGeburtenrüdganges 207 
Reben8 in fcharfem Widerfprudh ftehen. Wenn gerade in den gebildeten 
und befibenden Kreijen der Geburtenrlidgang fo ftark ift, jo fällt vielleicht 
ein großer Teil der Verantwortung auf die Ärzte, die oft die Gefahren 
und Bedenken einer neuen Schwangerfchaft oder Niederkunft übertreiben 
und, ftatt der ernften Pflicht das Wort zu reden und Kraft und Mut zu 
heben, nur zu leicht bereit jind, den ftillen WünjdhHen der Frauen ent- 
gegenzufonımen. Mögen die ernjten Mahnungen angefehener Standes- 
genoffen aud) hier das Sewifjen fqhärfen. 
Endlich darf der Großmacht der Prefjfe nidht vergefjen werden. 
Stärfer als die individuelle Sittlidhkeit ift die Macht der Öffentlidhen Sitte, 
Sie wird beftimmt durch die SÖffentlide Meinung, die aber zum Ausdruck 
fommt und auch wieder maßgebend beeinflußt wird von der Prefje. 
Namentlich die Frauen, die berufenen Hüterinnen der guten Sitte, unter- 
itehen aucd) am meiften den Einflüfjen und Wandlungen der Zeitanfhau- 
ungen, der Macht der „Mode“. Darin ruht die große Verantwortung 
der Preife. Sie fpricht jeden Tag in jeder Familie vor. Jung und alt laufcht 
ihr. Die Borftellungen und Gedanken, Spott und Zweifel wie Sochfdhäßung 
und Empfehlung, wie fie in den Zeitungen und BZeitfchriften tagtäglich 
offen oder verftedt zum Ausdrud kommen, wirken nach in den Borftellungen,. 
Urteilen und SGemütsitimmungen, zum Suten wie zum Böfen, Diefem 
tagtäglichen Einfluß gegenüber Halten auch die tiefften Eindrüde aus Schule 
und Kirche auf die Dauer nicht jtand. Vor allem wird die Jugend demfelben 
zrliegen. Und wenn wir nun unter diejem Gefichtspunkt unjere Sroffjtadt- 
breife mit den Majlenauflagen, unjere Generalanzeiger, fo mande illu- 
itrierte ‚Beit]chriften uf. prüfen, dürfen wir ung da wundern, wenn €3. 
jo ralch mit unferm Familienleben und der Erfüllung der fittliHen Pflichten 
abwärts gegangen ijit? Dabei fehen wir noch von den groben Dingen, 
die fhon von der Sittenpolizei geahndet werden follten, ab (fiehe oben 
S,200$. € ift der SGeift, der aud) zwijlchen den Zeilen weht, der den 
Einfluß beftimmt. Meijltens entjHeidet der Hausvater, weldhe Zeitungen 
und Beitfchriften tagtäglich in die Jamilie Lommen, ohne zu bedenken, 
daß auch die Söhne und Töchter, die Dienjtboten u. a. fie lejen. Was. 
er vielleicht gar nicht beachtet, wird diefen gerade zum Verderben. Hier 
joßlten die Mütter, die eine feinere Empfindung auZzeichnet, ihr Haus 
und Schubrecht wahren. Vielleicht wird gelegentlid audh ein energifcher 
Nrotejt zufammen mit andern Frauen bei der Redaktion oder Öffentlich 
nicht ohne Wirkung bleiben. Die anftändige Preije aber und die pofitiv 
geridhteten Schriftfteller und Dichter follten ihren weitreidhenden Einfluß 
heute mehr wie je bewußt in den Dienft der Familie ftellen, Dasfjelbe gilt 
ir das Theater und die Kunft. Leider, daß diefe in unjerer großen Zeit 
bisher noch faft ganz verfagt Haben! 
Wer die Hochachtung und Stärkung der Familie erftrebt, darf aber nicht. 
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Geburtenrückgang U. Sozialreform. Volksvereins-Verl., 1922.
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