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Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

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Bibliographic data

fullscreen: Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

Monograph

Identifikator:
1016274645
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-162307
Document type:
Monograph
Title:
Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Koehler
Year of publication:
1920
Scope:
VIII, 309 S
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens
  • Title page
  • Contents

Full text

— 177 — 
1 
., 
Bolen Hat die Naturalwirtjhaft zum größten Teil bereits übers 
yunden und it in VBolkswirtjhaft eingetreten. Trogdem befindet ji 
Polen noch auf einer gewijlen Entwidlungsitufe und ijt no nidht voll- 
fommen Indultriejltaat im Sinne der weiteuropäi[den Verhältnijje ge- 
worden. Das „Zeitalter des Übergewidhts geiftiger YUrbeit‘“, wie es 
der Nationalöfonom Conrad nennt, ijt alfo erft angebrochen. Dieljes 
zeigt ih aud im Handwerk und in der Hausindulfjtrie. In 
Polen Hat fidH in den Städten frühzeitig ein jtäbtijdes Handwerk 
gebildet, aber wvielfad) gleichzeitig ein ländlihes Gewerbe, ein 
Handwerk der Bauern, das teils den eigenen Bedarf an Kleidungs- 
jtüden heritellte, (befannt [ind die bunten Lowiczer Bauernitoffe), teils 
über den eigenen Bedarf hinaus Waren erzeugte; der ungenügende 
Ertrag des ländlihen Bejiges war die VBeranlaffung dazu. Diele Haus- 
indujtrie, befonders die Weberei, war falt durdhweg von den Iuden 
für ihre Zwede dienjthar gemadt. Sie erteilten, von Dorf zu Dorf 
wandernd, ihre Aufträge und nüßten infolge des Mangels an Berkehrs- 
gelegenheiten die Notlage der bäuerlidhen Hausweber nad Möglichkeit 
aus. Soweit die Hausinduftrie, vor allem das Handwerk, nidht an 
den Herftellungsort gefejfelt war, führte fie zu einem Wander» 
gewerbe. Nod) heute wandern allerlei Leute, zumeijt Juden, im Lande 
herum und üben ihr Handwerk als Tilhler, Glafer, Schneider, Schujter 
u. dal. aus. Früher fpielte das Handwerk in Bolen eine erheblich 
größere Molle als in anderen Staaten; infolge der [päten Entitehung 
der Kndultrie war es die einzige Quelle für die Heritelung tednijdher 
Erzeugnijfe. Nu heute noch find mande Gegenjtände, die in Deut[d- 
[and längit von der Fabrikindujtrie erfakt find, noch. dem Handwerk 
bzw. der Hausindujtrie vorbehalten, wie 3.3. Sdouhwaren und 
Herrenfleider. So leben 3. B. in MWarfhau gegen 10000 Schulter, 
die ihre Erzeugnijfe im Handbetrieb heritellen, und zwar ftellt id) die 
Fertigware meriwürdigerweife billiger als diejenige der wenigen DOI- 
Handenen Schuhfabrifen. In Brzeziny wiederum, 20 km von Lodz ent- 
fernt, ijft der Hauptjig der Hausinduftrie für Herftelung von Herren- 
Heidern und des Kleiderhandels. Etwa 2000 Schneidermeijter werden 
bier befcdhäftigt. 150 Unternehmer — Magazinäre genannt — geben 
die zugefÄnittenen Kleidungsftüde an die Schneidermeijter weiter, die 
mittels Gejellen und Lehrlingen auf Nähmajdinen die Waren fertig- 
jtellen. Der Wert diejer Konfektion wird auf 7 Millionen Rubel 
ge[häßt. Die Arbeiter erhielten früher einen äußerjt geringen Lohn, 
täglid) 1—1,50 Rubel Arbeitslohn, es ij daher alles aud nur Schund- 
ware. Die Stoffe Kamen aus Lodz, Tomalzow und Zgierz, die Arbeiter 
waren falt aus[Hließlig Juden. 
Ein merfwürdiges Bindeglied zwijden Handwerk, Hausindufjtrie 
und eigentlider Indujtrie waren in .Polen die fogenannten Mietse 
"Die wirtichaftlihe Zukunft des Oftens >
	        

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Die Wirtschaftliche Zukunft Des Ostens. Koehler, 1920.
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