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Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

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Bibliographic data

fullscreen: Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

Monograph

Identifikator:
1016274645
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-162307
Document type:
Monograph
Title:
Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Koehler
Year of publication:
1920
Scope:
VIII, 309 S
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens
  • Title page
  • Contents

Full text

296 — 
deut/de Dorf in Kongrek-Polen löfte id damals auf, und feine Ein- 
wohner wanderten füdojtwärts in die Ukraine, in das angrenzende 
MWolynien; der Bevölferungsüberfluß anderer Bauerndörfer folgte 
im Lauf jpäterer Jahre, und [jo entjtanden die meilten deut[hHen 
Bauernkolonien in Wolynien, die jidH bald bis in das Gou- 
vernement Kiew hinein vorjdhoben. 
Schon von früherer Zeit beftanden in Wolhynien ein paar deutfche 
Niederlajjungen, die von Mennoniten aus Wejtpreuken gegründet waren. 
Un der Strake von Rowno nad) Nowogradb-—Wolynjk liegen die bei: 
den ältejften Kolonien Wolhyniens: Annette und Yojephine. Die groke 
Einwanderung nad) Wolynien gejhah aber erjt in den fechziger, Jieb- 
ziger und achtziger Yahren des vorizen Jahrhunderts, und dieje Ein- 
wanderung kam aus Kongrek-Polen. In ein paar Jahrzehnten ent- 
jtanden auf Neuland, das durd) Rodung dem Walde abgewonnen wurde, 
gegen 500 deutfjhe Dörfer, und 1913 gab es in Wolynien und feinen 
Grenzgebieten 250000 Deutjdhe in gejHloljenen Bauernkolonien, d.h. 
5,7% der Landesbevölferung. Dieje Deutjdhen find zum allergrößten 
Teil evangelijden Glaubens; daneben haben jid) aber aud) einige 
Seiten ausgebreitet, von denen befonders die Baptijten zu nennen jind. 
Nur ein Teil der Kolonien war auf zu Eigentum erworbenem 
Lande gegründet; die Mehrzahl war auf Pachtland entjtanden, das 
erjt dur die AUrbeit der Kolonijten in Kulturland verwandelt wurde, 
und defjen Wert durd den Bau von jtrategijd wichtigen Cijenbahnen 
und Chaufjfeen bald einen weiteren Zuwachs erlebte. Die erjten Padt- 
verträge waren meift auf 36 Yahre abgejhloffen; die jährlide Pact- 
zahlung war gering und betrug oft night mehr als 50 Kopeken für die 
Dekjatine (= 1,0925 ha). Obwahl das rujfifdhe Recht (anders als 
das Landesredht Kongrek-Polens) keine‘ Erbpacdt Kennt, enthielten die 
meilten Pacdhtverträge die Beftimmung, da nad) AWblauf der 36jährigen 
PachHtzeit die Verträge immer wieder auf je 36 Jahre unter den alten 
Bedingungen zu erneuern wären. Diele GejeHesumgehung wurde aber 
in der Folge für die Koloniften verhängnisvoll. Um die JahHrhundert- 
wende begann der Wblauf der Pachtverträge. Die Zeiten Hatten jid 
geändert; die Obereigentümer Hatten vielfad) mehr Steuern zu zahlen, 
als der Pacdhtzins ihHnek eintrug; aud) andere Gründe, die [id weniger 
rechtfertigen lieben, führten fie (meijlt waren es Ihon die NRedhtsnad- 
jolger der erften Verpächter) zur Weigerung, die alten Pachtverträge 
zu erneuern. Es fam zu vielen geridtliden Prozeffen. Statt einen 
modus vivendi zu jOh)affen, benußte die rulfijdhe Staatsregierung die 
Lage, um unter dem Schein des Rechts das Überhandnehmen deut/dher 
Siedlungen im „Grenzgouvernement‘“ Wolynien einzudämmen. Die 
Brutalität diejer rullijden Staatsraijon führte zu einem Zuijtand der 
Rechtlofiakeit eines ehr aroken Teils der deutidhen Bauern Molpniens.
	        

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Die Wirtschaftliche Zukunft Des Ostens. Koehler, 1920.
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