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Leitfaden durch die Sozialpolitik

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Bibliographic data

fullscreen: Leitfaden durch die Sozialpolitik

Monograph

Identifikator:
1016716656
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-162582
Document type:
Monograph
Author:
Altmann-Gottheiner, Elisabeth http://d-nb.info/gnd/116295279
Title:
Leitfaden durch die Sozialpolitik
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlagsbuchhandlung
Year of publication:
1923
Scope:
107 Seiten
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

25 
daß die erhöhten Steuern bezahlt werden können. Das Ausland erhält das Oeld 
zurückerstattet, ohne daß irgendeine Mehrproduktion stattfindet. Die Dinge 
liegen keineswegs immer so einfach; diese Extremfälle sollen nur zeigen welch 
verschiedene ÄUderungen im Wirtschaftsmechanismus die gleiche Vorkehrung 
wie Aufnahme und Rückzahlung einer Anleihe, mit sich bringen kann. Man 
könnte als extreme Fälle die Oüteranleihe und die Anleihe an Zirkulations 
mitteln unterscheiden. Gewöhnlich sind beide Typen miteinander verbunden. 
Die Verschiedenheiten sind noch größer, wenn man die Verschiebungen inner 
halb der Gesellschaft ins Auge faßt. Es handelt sich darum, wie die Gelder, 
die aus der Anleihe stammen, sich wieder verteilen; sie können in mehrfacher 
Hinsicht die Güterverteilung noch ungleicher gestalten, als dies ohnedies sclion 
der Fall ist, erstens dadurch, daß die Steuerlast zur Aufbringung der Zinsen 
die Armen drückt, dann aber dadurch, daß bei Bestellungen aus den Anleihe 
geldern oft die Realeinkommen der reichen Unternehmer sich rascher ver 
größern als die der Arbeiter. Nur selten werden die Gelder aus Anleihen zur 
Vermehrung der Realeinkommen der ärmeren Schichten verwendet, was ge 
wissermaßen eine Ausgleichung gegenüber der Bereicherung der Obligationen 
besitzer bewirken würde. 
Die Anleihe kann entweder einem Schatz, oder der Zirkulation ent 
nommen werden. Je nachdem, ob das eine oder das andere der Fall ist, ist 
die Wirkung eine verschiedene. Die Aufsaugung von Horten durch Anleihen 
kann vielfach belebend wirken, indem Gelder flüssig werden, die sonst ruhten. 
Es kann so die Produktion gesteigert werden, wenn Umlaufsmittel fehlten. 
Ähnlich wie die Geldbeschaffung aus Horten günstig wirken kann, kann dies 
auch bei einer Aufsaugung von Geldern der Fall sein, die sonst eine Über 
spekulation gefördert hätten. Geht dies Geld ins Ausland, so ändert sich im 
Inland eventuell nichts. Es ist aber keineswegs gleichgültig, in welcher Weise 
die Gelder weiter verwendet werden. Benützt sie der Staat, um Eisenbahnen 
zu bauen, indem er ikn Auslände Schienen beschafft, so steigert er eventuell die 
Steuerfähigkeit ebenso wie das Realeinkommen der Bevölkerung. Das Ziel der 
Anleihepolitik ist häufig ebenso wie das der Steuerpolitik, die Realeinkommen 
der Bevölkerung zu erhöhen, eventuell in ihrer Zusammensetzung zu ändern und 
gleichzeitig das Geldeinkommen zu steigern. Diese verschiedenen Ziele können 
aber nur schwer gleichzeitig erreicht werden. 
Namentlich in Kriegszeiten greifen die Staaten besonders gern zu aus 
wärtigen Anleihen, da sie den inländischen Markt am wenigsten stören und vor 
allem der ohnehin geldbedürftigen Industrie nicht noch mehr Geld entziehen. Auch 
kann eine Anleihe von erheblichem Umfange den Zinsfuß steigern, was eben 
falls nicht im Interesse des Marktes liegt, der in Kriegszeiten, besonders anfangs, 
erheblich unter der Schwierigkeit leidet, Kredit zu erlangen. Die äußere Anleihe 
kann dazu dienen, im Inlande Waren zu beschaffen, sie vermehrt dann den Um 
lauf im Inlande, sie kann aber auch dazu verwendet werden, im Auslande Waren 
zu beschaffen. Selbst wohlhabende Staaten pflegen sich nicht auf das Inland 
zu beschränken, sondern Ausländsanleihen aufzunehmen, wie dies z. B. England 
1900 in Amerika getan hat. Die Aufnahme einer Anleihe ersetzt in vielen Fällen 
gewissermaßen die Emission von Aktien. Die Gelder, welche so außer Landes 
fließen, entsprechen den Dividenden, die an auswärtige Aktionäre gezahlt werden. 
Die Aufnahme von Anleihen hat zuweilen dieselbe Bedeutung wie die Erhöhung 
des Aktienkapitals für eine Aktiengesellschaft. Staaten können nicht gut an 
deren Anteile an den Reinerträgen des Staatswesens gewähren, weil das Staats 
wesen nicht die Aufgabe hat, ein Maximum an Reinertrag zu erzielen, ganz abge 
sehen davon, daß man den Aktionären in diesem Falle keinen Einfluß auf die 
Geschäftsführung gewähren könnte. Schon bei den Notenbanken, die Privat 
aktiengesellschaften sind, muß man fremde Aktionäre ausschalten. Da der 
Staat selbst dann keine Aktien emittieren könnte, wenn er diese Absicht hätte, 
dienen ihm als Ersatz die Staatsschulden, in erster Reihe die langfristigen oder 
ewigen Renten. Können die Obligationenbesitzer den Schuldnerstaat auch nicht 
offiziell beeinflussen, so geschieht dies doch indirekt. Der Staat, dem die Gläu 
biger angehören, pflegt sich sehr viel um den Schuldner zu kümmern und sudit
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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