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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

586 
5. Buch. Der Staatskredit. 
Steuerquellen vollkommen versagen würden, nicht immer den Tat 
sachen entspricht. Im nordamerikanischen Bürgerkriege stiegen 
die ordentlichen Einnahmen des Staates von 41,5 Millionen Dollar 
(1861) auf 558 Millionen Dollar (1866), in so bedeutendem Maße 
also, daß im letzteren Jahre durch Anlehen bloß 97,6 Millionen 
Dollar zu decken waren, im vorerwähnten Jahre dagegen 864,8 
Millionen Dollar. Im gegenwärtigen Weltkriege haben alle Staaten 
ihre Steuereingänge bedeutend erhöht, so z. B. Großbritannien von 
189 Mill. £ (1914/15) auf 769,6 Mill. £ (1918/19); als auf das 
Dreifache. Trotzdem freilich spielt der Kredit die Hauptrolle. 
Die Einkommensteuer, die im Jahre 1914/15 auf 56,5 Mill. £ 
veranschlagt war, wurde 1917/18 auf 225 Mill. £ veranschlagt. 
In Österreich präliminiert das Budget für das Jahr 1918/19 
2300 Mül. mehr Einnahmen als im letzten Friedens jähre. Es ist 
also durchaus nicht vollständig ausgeschlossen, daß durch Steuern 
die Einnahmen einen solchen Zuwachs erhalten, welcher mit den 
größeren Bedürfnissen im Einklang steht. Freilich kann auch der 
Fall eintreten, daß infolge des Krieges die Steuereingänge eine 
Abnahme erleiden, aber auch das kann nicht als notwendige Folge 
betrachtet werden, da jeder danach streben wird, seine Produktion 
auf der bisherigen Höhe zu erhalten. Der Umstand muß aber gewiß im 
Auge behalten werden, daß die Erhöhung der Steuern einem größeren 
Widerstreben begegnet, als Anlehen, da die Letztem jene in An 
spruch nehmen die ihre Kapitalien nutzbringend anlegen wollen. 
Die bezahlte Steuer betrachtet jeder für sich als verlorenes Gut, 
den erworbenen Anlehentitre als Vermögenszuwachs. Freilich ver 
ursacht auch das Anlehen in Zukunft Kosten, doch ist es eine 
psychologische Wahrheit, daß wir die zukünftigen Lasten momentan 
nicht so sehr fühlen als die gegenwärtigen. Für die Inanspruch 
nahme der Steuerquellen spricht überdies der Umstand, daß hier 
durch die Regierung mehr unter die Kontrolle des Volkes kommt. 
Anlehen können auch für solche Kriege aufgenommen werden, die 
nicht populär sind. Aber mit Steuergeldern kann ein Krieg nur 
geführt werden, wenn das Volk denselben billigt. Und da in demo 
kratischen Zeiten ein Krieg nicht begonnen werden kann, den das 
Volk nicht billigt, so kann der Fall gar nicht vorkommen, daß das 
Volk die mit dem Krieg verbundenen Kosten nicht tragen wollte. 
„Das Maß der Steuer bildet die Begeisterung des Volkes“ sagt ein 
Schriftsteller. 
Auf die Frage *) der Deckung durch Steuern oder Anlehen 
1 ) Neuere Literatur: Diehl, Kriegssteuer oder Kriegsanleihe (1912), Lans- 
burgh, usw.
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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