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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

98 
die Marine kannst du doch dann auch unsere übrigen militärischen 
Rilstnngen heranziehen. Die verschlingen doch Jahr für Jahr noch viel 
größere Summen, für die nie etwas zurückkommt. Daran dachte ich frei 
lich noch nie, daß der Militarismus ja eine ungeheure Erleichterung auf den 
Warenmarkt schaffen muß. Da wird uns immer erzählt, daß das Vater 
land in Gefahr ist und daß wir deshalb rüsten und hohe Steuern zahlen 
müssen. Dabei hat aber die ganze Geschichte den Zweck, den Kapitalisten 
Absatz zu verschaffen." 
„Halt", rief Wilhelm dazwischen. „Ihr wollt mich t>a beschummeln. 
Werden denn die Kriegsschiffe, Kanonen, Munition, Lebensmittel und Aus 
rüstungsstücke für die Soldaten u. s. w. nicht ebenso bezahlt, als ob sie ins 
Ausland gingen? Wenn also der Export keine Erleichterung schasst, dann 
tun es doch die Militärausgaben auch nicht." 
„Freilich werden diese schönen Dinge alle bezahlt, und zwar recht gut", 
antwortete ich; „aber wo kommt das Geld dazu her? Aus den Steuern 
und Zöllen. Die Sache ist also so, daß die großen Massen des Volkes das 
Geld zusammenschießen müssen, um den großen Fabrikanten Panzerplatten, 
Kanonen, Uniformen u. s. w. abzukaufen und diese schönen Dinge dann 
wegzuwerfen oder vielmehr mit ihnen Jahr für Jahr ein paar hundert 
tausend junge, arbeitskräftige Männer mit anstrengendem Nichtstun zu be 
schäftigen. Würde man alle diese jungen Leute in der Produktion beschäftigen, 
statt sie durch zwei Jahre in geschäftigem und anstrengendem Müßiggang 
zu erhalten, dann würde die Produktion noch viel rascher wachsen, als sie es 
schon tut. Dann würde die Gesellschaft noch mehr in ihrem Warenüberfluß 
ersticken." 
„Das wäre aber auch ein Unglück!" rief Karl ganz grimmig dazwischen. 
„Es können doch gar nicht zuviel Waren da sein. Es gibt noch so viele 
Leute, die hungern und frieren, die kein Dach über dem Kopfe haben und 
in Lumpen gehen. Und da soll es eine Ueberproduktion geben? Sollen nur 
die Kapitalisten die Löhne erhöhen, dann werden sic gleich Absatz für ihre 
Waren haben! Dann brauchen wir den ganzen Militarismus nicht mehr." 
„Ja, seht ihr," erwiderte ich, „wenn es wirklich das Ziel und der 
Zweck unserer Wirtschaft wäre, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, 
dann wäre die Sache sehr einfach, dann gäbe es die Frage der Ueber 
produktion überhaupt nicht. Dann ginge es allen Menschen um so besser, 
je mehr Güter erzeugt würden; denn um so mehr entfiele dann auf den ein 
zelnen. So wäre es in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Heute aber 
wird die ganze Produktion nur von dem Streben nach Profit beherrscht. 
Es fragt sich nicht, ob die Produkte nützlich sind, sondern, ob sie mit großem 
Nutzen verkauft werden können. Darum wird zum Beispiel riesig viel 
Kapital und unmittelbare Arbeit auf die Schnapsbrennerei verwendet, ob 
gleich der Schnaps gar nichts Nützliches, sondern ein gefährliches und schäd 
liches Gift ist, während zugleich eine Menge Menschen hungern, die von dem 
Getreide und den Kartoffeln, die jetzt gebrannt werden, ganz gut leben 
könnten. 
Da nun aber die Höhe des Profits in unserer Wirtschaft das Aus 
schlaggebende ist, rönnen sich die Kapitalisten natürlich mit einer Maßregel 
nicht befreunden, die diesen Profit schmälert. Eine Erhöhung der Löhne tut 
das aber, wie wir gesehen haben. Daher ist es den Kapitalisten viel lieber, 
Jahr für Jahr Hunderte von .Millionen ins Meer zu werfen oder in 
Kanonen, Festungen u. s. to. zu stecken, die ja doch.fast ganz von der großen 
Masse des armen Volkes bezahlt werden müssen, als die Arbeitslöhne zu
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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