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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

102 
liefern sie keine brauchbare Ernte mehr. Plötzlich werden wieder viel 
weniger Kaffeebohnen auf den Markt gebracht als früher, und so steigt 
wieder ihr Preis, und die Geschichte kann von vorn beginnen. Uebrigens 
habe ich dieses Beispiel nicht erfunden-, sondern die Sache hat sich tatsächlich 
oft so abgespielt." 
II. 
„Aber gilt denn das, was du da von den Kaffeebäumen erzählst, nicht 
ebenso auch für Fabrikanlagen, große Maschinen u. s. to.?" fragte Karl nach 
einigem Nachdenken. „Der Bau unserer Fabrik zum Beispiel und die Kon 
struktion der Maschinen würde ein paar hübsche Jahre dauern. Wenn also 
zum Beispiel der Preis all der Eisenwaren, die bei uns erzeugt werden, steigt 
und ein Kapitalist jetzt eine neue Fabrik errichten will, braucht er, wenn 
er die Maschinen fertig kauft, mindestens ein paar Monate, bis er Waren 
liefern kann, und unterdessen können die Preise sich schon längst wieder 
geändert haben." 
„Ganz richtig," bestätigte ich, „aber wenn viele Kapitalisten das zugleich 
tun wollen, dann können sie nicht alle die Maschinen fertig kaufen, dann 
müssen diese erst bestellt und gebaut werden. Das kann Jahre dauern. Man 
muß ja auch rechnen, daß bei starker Steigerung des Bedarfes an Maschinen 
erst der Stahl, aus dem sie gebaut werden sollen, bereitet werden muß. 
Es müssen also vielleicht erst Hochöfen und Stahlwerke gebaut, am Ende 
gar neue Bergwerke angelegt werden. Darüber werden gewiß Jahre ver 
gehen." 
„Ja, aber können da nicht ein ganze Menge Kapitalisten zugleich solche 
Werke anlegen," meinte Wilhelm, „weil sie die hohen Preise ausnützen 
wollen? Einer weiß nichts vom anderen, alle bauen drauf los. Und wenn 
es dann dazu kommt, daß einer fertig ist und feine Waren zum Verkauf 
bringt, sind die anderen auch geradeso weit, und dann stehen sie alle mit 
langen Gesichtern da." 
„Das kann nicht nur geschehen," bestätigte ich, „das geschieht tat 
sächlich oft genug. Nehmen wir als Beispiel den Bau einer neuen Eisenbahn 
linie. Da werden Eisenbahnschienen gebraucht und Schwellen, aber auch 
neues „rollendes Material", also Wagen und Lokomotiven. Für die Stations 
gebäude werden Ziegel gebraucht, für die Brücken Eisenkonstruktionen. 
Zugleich werden aber eine Menge Arbeiter in die Gegend gezogen. Die 
brauchen Kleider, Lebensmittel u. s. w. Jetzt fängt unter den Kapitalisten 
ein Wettlauf an. Wer zuerst imstande ist, die großen Aufträge auszuführen, 
der ist im Vorteil. Hals über Kopf wird gearbeitet. Hochöfen werden errichtet, 
Walzwerke angelegt, Sägewerke, Ziegelöfen errichtet, Bäckereien, Fleische 
reien erweitert u. s. f. Handelt es sich nur um eine neue Linie, so läßt sich 
vielleicht noch halbwegs überblicken, wieviel gebraucht werden wird und 
welche Vorbereitungen zu treffen sind. Aber oft treffen viele solche 
Anlagen in einer Zeit zusammen, und dann ist es fast unmöglich, Nachfrage 
und Angebot zu überblicken; denn unsere ganze Produktion wird ja nicht 
einheitlich geleitet, sondern jeder einzelne Produzent wird nur von dem 
Verlangen getrieben, möglichst viel Profit zu machen." 
„Da ist es aber doch gar nicht zu vermeiden, daß manchmal zu viel 
und dann wieder zu wenig produziert wird", meinte nun Wilhelm nach 
denklich. „Solange es sich um Waren handelte, die mit geringem Kapital, 
mit Handbetrieb oder mit nur wenigen Maschinen erzeugt wurden, da 
konnten die Preise ganz gut die Erzeugung regeln; stiegen die Preise, dann
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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