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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

Beispiel der Besitzer eines Hochofens das Roheisen nicht verkaufen will, 
sondern sich selbst ein Stahlwerk errichtet und erst den Stahl verkauft 
Solche Verbindungen gibt es in größter Mannigfaltigkeit. So haben sich 
zum Beispiel viele große landwirtschaftliche Betriebe Spiritusbrennereien 
oder Zuckerfabriken angegliedert. Das großartigste Beispiel solcher Kom 
bination bieten aber die Elektrizitätswerke, die sich nicht nur darauf ein 
gerichtet haben, die Kupferdrähte selbst zu erzeugen, die sie brauchen, son 
dern sich ganze Kabelwerke angegliedert haben: sie stellen aber auch zugleich 
elektrische Maschinen her und haben zu diesem Zweck große Maschinen 
fabriken errichtet: sie erzeugen aber auch Trambahnwagen, dadurch kommen 
sie in die Holzindustrie u. s. w. Um es aber den Gemeinden zu erleichtern, 
sich Elektrizitätswerke, elektrische Straßenbahnen u. s. w. anznschafsen 
strecken ihnen die großen Elektrizitätsfirmen Geld vor, und dazu haben sie 
wieder ihre eigenen Banken." 
„Aber das ist doch etwas ganz anderes als das Beispiel der amerika 
nischen Dampferlinien, das du vorhin angeführt hast", unterbrach mich hier 
Karl. „Du sprichst hier von Vereinigungen von Werken, die sich keine Kon 
kurrenz machen. Dort aber handelte es sich um die Verhinderung der Kon- 
knrrenz." 
„Ganz richtig," bestätigte ich, „aber wir sprachen ja über die Frage 
der Regelung der Produktion überhaupt; und diesem Zwecke dienen eben 
auch jene Verabredungen und Vereinigungen, von Lenen wir bisher ge 
sprochen haben. Aber noch wichtiger als sie sind jene Verträge zwischen 
selbständigen Unternehmern, welche die Konkurrenz verhindern oder doch ab 
schwächen und beschränken sollen. So schließen zum Beispiel die großen 
Stahlwerke unter sich einen Vertrag, daß sie nur eine bestimmte Produk 
tionsmenge erzeugen und ihre Produkte nicht unter einem bestimmten Preise 
verkaufen, oder daß sie Roheisen und Kohlen nicht über einen be 
stimmten Preis kaufen wollen. Aber so wie im früher besprochenen Falle 
können auch hier die Verabredungen viel weitergehen; demnach unterscheidet 
man auch die loseren Verbindungen, bei denen die einzelnen Unternehmer 
ihre geschäftliche Selbständigkeit noch größtenteils behalten, als sogenannte 
„Kartelle" von den engeren Verbindungen, bei denen die ganze Produktion 
von einer Zentralstelle geleitet wird, den Trusten". Das sind eigentlich 
Gesellschaften, welche die gesamte Erzeugung und den Verkauf bestimmter 
Waren einheitlich regeln und durchführen. Diese Vereinbarungen be 
schranken sich aber nicht auf die Festsetzung der Produktionsmengen und der 
Preise, sie besagen auch oft, daß die Löhne nicht über eine gewisse 
Grenze erhöht werden, oder daß von einem Werk entlassene Arbeiter 
oder Angestellte in keinem anderen angestellt werden dürfen." 
„Aber das ist ja eine Niederträchtigkeit", unterbrach mich hier Wil 
helm. „So ein Arbeiter, der zum Beispiel als Metallarbeiter einen hohen 
Lohn bekommt, findet dann überhaupt kein Brot mehr, wenn er von allen 
Metallfabriken ausgesperrt ist. Da sind ja die Arbeiter an Händen und 
Fußen gebunden ihren Zwingherren ausgeliefert." 
»Oho!" rief Karl dazwischen. „Du vergißt die Gewerkschaften. Wenn 
sich auf der einen Seite die Unternehmer organisieren, so auf der anderen 
Seite die Arbeiter. Gerade dadurch ist es um so notwendiger geworden, 
daß die Arbeiter fest zusammenhalten und einer für den anderen einsteht." 
^ »Das ist schon wahr," bestätigte ich, „aber der Kampf der Gewerk 
schaften um bessere Arbeitsbedingungen wird immer schwerer, und nur das
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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