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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

\ 
V- 
i 
Was ist Sozialismus? 
„Und es ist doch ein Unsinn, was dn da sagst. Die Menschen sind nun 
einmal nicht gleich, und es ist darum auch ein Unsinn, sie gleich behandeln j 
zu wollen." 
„Gar so ungleich sind die Menschen nicht, wie man immer sagt. Iln- 
gleich ist, was sie lernen, wie sie auswachsen, und deshalb sind auch die er 
wachsenen Leute so verschieden. Gib das Kind einer Gräfin zu einer Ar 
beiterin und umgekehrt, und kein Mensch wird es später bemerken." 
Dieses Gespräch hörte ich unlängst, als ich an einem schönen Sonntag- 
vormittag auf einer Bank im Tiergarten saß. Zwei junge Leute waren im 
eifrigsten Gespräch die Allee herabgekommen und hatten, ohne mich irgend 
wie zu beachten, auf der Bank neben mir Platz genommen. Sie waren beide 
nett, aber einfach gekleidet. Ihre jugendlichen Gesichter, die auf ein Alter 
von etwa 16 bis 17 Jahren schließen ließen, sahen intelligent und durch das 
Gespräch angeregt aus. Der Gegenstand ihres Streites schien für beide großes 
Interesse zu besitzen. 
„Erinnere dich nur", begann jetzt wieder der Kleinere van den beiden, 
der zuletzt gesprochen hatte, „an die Geschichte, die unlängst m der Zeitung 
stand. Da war eine lange Gerichtsverhandlung darüber, ob das Kind einer 
Gräfin nicht in Wirklichkeit ein unterschobenes Bauernkind war. Was haben 
sie da nicht alles ausprobiert, um die Wahrheit herauszukriegen, und zum 
Schluß wußte keiner viel mehr als zu Anfang. Und überhaupt, ist denn das 
ein Grund, warum der eine arm sein soll und der andere reich? £>Tt_ sind 
doch gerade die gescheiten Leute arm und die Dummen sind reich. Die dicken, 
starken Kerls können oft faulenzen und unsere Martha zum Beispiel muß in 
die Fabrik gehen, wenn sie noch so sehr hustet. Ist das gerecht? Muß das so! 
sein?" Er hatte sich ordentlich in Eifer geredet und sah jetzt fast zornig drein. 
„Ja, schön sieht das nicht aus", sagte der Größere nach einer kurzen 
Pause. „Aber was kann man dagegen machen? Es hat immer Reiche und 
Arme gegeben. Und ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich eingesegnet 
wurde, sagte auch der Herr Pastor, daß Gott es so eingerichtet habe, damit 
die Armen sich in Demut üben und die Reichen in Barmherzigkeit. Wenn 
keiner mehr den anderen brauchte, sagte er, da würden sich die Menschen 
ganz fremd werden, jeder würde nur für sich sorgen und eigensüchtig 
werden." 
„Und du glaubst das?" platzte ratn der andere heraus. „Der Pastor 
hat doch auch gesagt, daß Gott allgerecht und allgütig ist. Und da soll die 
schöne Einrichtung von ihm sein, daß der arme Teufel demütig bitten muß, 
damit der Reiche seine Barmherzigkeit zeigen kann. Neulich ist unsere Martha 
heulend nach Hause gekommen und hat erzählt, daß sie in der Fabrik, wo sie 
früher gearbeitet hat, entlassen worden ist. Na, die Mutter hat sie schön aus 
gescholten. Zuerst wollte die Martha gar nicht sagen, was denn auf einmal 
i* 
(
	        

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The Socialism of To-Day. Field & Tuer, 1884.
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