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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

116 
♦ 
Was sollen wir lesen? 
„Wilhelm!" rief Kcirl erfreut, als er feinen Freund so sprechen hörte. 
„Du kannst es doch nicht mehr leugnen, du bist endlich ein Sozialdemokrat 
geworden. Wer so denkt und spricht wie du jetzt, der ist unser Genosse." 
„Nun ja," gab Wilhelm zögernd Bit, „manchmal glaube ich es selber, 
manchmal zweifle ich wieder, ob ich es bin. Was wir drei jetzt in dieser 
langen Zeit miteinander besprochen haben, hat mir viel zu denken gegeben 
und mich auch überzeugt, daß die Sozialdemokraten mit ihren Theorien und 
ihren Forderungen recht haben. Mer dann höre ich wieder meinen Vater, 
wie er die Treue gegen Kaiser und Reich preist und den Sozialdemokraten 
vorwirft, daß sie das Vaterland wehrlos machen und verraten: ich spreche mit 
meinen Kollegen im Geschäft und höre sie von der Herrlichkeit der deutschen 
Nation reden und wie die internationalen Roten dafür kein Verständnis 
haben. Neulich spielte auch unser Lehrer in der Handelsschule darauf an, 
daß die Arbeiter doch viele Interessen mit ihren Chefs gemeinsam haben. 
Bei all dem weiß ich dann nicht jedesmal gleich eine Antwort, und so werde 
ich immer wieder schwankend, und deshalb kann ich eigentlich nicht sagen, 
daß ich ein wirklicher Sozialdemokrat bin." 
„Nun, gegen dieses Leiden gibt es ein einfaches Mittel," entgegnete 
ich Wilhelm, „du mußt dich eben mit den Dingen besser vertraut machen, 
sie genauer studieren, alle Einwände prüfen. Da wirst du mit der Zeit zu 
einer selbstgebildeten Ueberzeugung gelangen, die hieb^ und sttchfest ist." 
„Ja, das ist ganz schön," meinte Wilhelm ,„aber wie soll ich denn das 
machen? Du wirst wohl auch nicht immer Zeit haben, uns bei jedem Be 
denken Rede und Antwort zu stehen." 
„Was glaubst du denn eigentlich, wozu der Herr Gutenberg, oder 
wer es sonst war, die schwarze Kunst der Buchdruckerei erfunden hat?" 
fräste ich lachend. . _ „ „ 
„Du hast gut spotten," warf Karl ein. „Neulich hast du uns ein Stuck 
aus dem „Kapital" von Marx zu lesen gegeben, aber wenn das ganze Buch 
so schwer ist, da traue ich mich nicht daran." 
', Mit dem „Kapital" kann man freilich nicht den Anfang machen," 
antwortete ich. „Aber wenn man vorher leichter verständliche Schriften 
gelesen hat, darf man sich nachher schon auch an die großen Hauptwerke 
heranmachen." 
„Also aut," unterbrach mich Wilhelm, „dann sage uns, womit wir den 
Anfang machen sollen. Ich glaube, vor allem müssen wir doch genauer 
wissen, was die Sozialdemokraten wollen und verlangen, wir müssen doch 
ihr Programm einmal vornehmen. Wenigstens für mich ist das sehr wichtig, 
damit ich doch endlich weiß, ob ich ein Sozialdemokrat bin oder nicht." 
„Da hast du ganz recht," erwiderte ich. „Darum ist es gewiß am besten, 
wenn ihr zunächst das Buch von Kautsky lest: Das ist „Das Erfurter 
Programm"^). 
„Ist das aber auch wirklich leicht verständlich?" fragte Karl zweifelnd. 
Dieses Buch hat mir schon einmal der „rote Max" zu lesen gegeben, ein 
Arbeiter in unserer Fabrik, von dem ich schon öfters gesprochen habe, und 
da fand ich die Lektüre doch nicht gar leicht." 
i) Stuttgart, I. H. W. Dieh Nachs. Preis 2 Mk.
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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