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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

13 
5er Herrendienst ging vor. Dann mußte er aus den hoch oben im Gebirge 
gelegenen Schafstellen den Dung herabführen und im Winter mußte er 
zweimal zwei Klafter Holz und aus den herrschaftlichen Teichen das Eis 
nach Jägerndorß in die Stadt fahren, wo es für den Gutsherrn verkauft 
wurde. Zu den Erntearbeiten im Herbst mußte der Onkel noch einen Ge 
hilfen aus eigenem mitbringen, zum Fischfang sogar zwei: und wenn herr 
schaftliche Jagd war, mußte er einen Treiber stellen und zu diesem Ver 
gnügen war oft ich ausersehen. Auch bares Geld wanderte oft in die schier 
unergründlichen Taschen des Gutsherrn. Beim Besitzwechsel mußte oft ein 
Zehntel vom Werte an den Gutsherrn gezahlt werden. Für die Erlaubnis 
zum Heiraten oder den Sohn was lernen zu lassen, mußte gezahlt werden, 
und dann gab es noch allerhand Abgaben, Me alle schöne Titel hatten, wie 
Eisenhammer, Robotgeld, Jürge-,^Michaeli-, Hühner-, Kälber- und Garn- 
zins. Wurde im Gutsbezirk eine Straße gebaut, dann mußten die Bauern 
nicht nur Fuhren umsonst leisten, oft wurden ihnen statt dessen Geldbeiträge 
auferlegt. 
Da war einmal, erinnere ich mich, eine sonderbare Geschichte. Da wurde 
unserem ganzen Dorfe eine Geldsteuer für eine neue Straße auferlegt und 
die mußte vier Jahre lang bezahlt werden. Zum Schluß stellte sich heraus, 
daß die Straße nur geplant gewesen war: gebaut wurde sie nie, aber das 
Geld war hin. 
War aber schließlich wirklich schon alles an den Gutsherrn abgezahlt, 
dann kam noch der Herr Pfarrer daher und verlangte im Namen Gottes 
und des Gesetzes, daß ihm der Bauer seinen Zehent, die Kirchensteuer, in 
die Scheuer lieferte. Der Schnaps, mit dem er dann die Bauern bewirtete, 
war ein recht schmaler Ersatz. 
Zu all dem kam aber noch, daß wir zum Beispiel unser Getreide nicht 
dort mahlen lassen durften, wo wir wollten und wo es billig war, sondern wir 
mußten es zur herrschaftlichen Mühle bringen, die schlecht und teuer 
arbeitete. Dafür aber mußten wir das schlechte herrschaftliche Bier trinken, 
, und da wurde der Bauer nicht lange gefragt, wieviel er wolle: er mußte 
Jahr für Jahr seine bestimmten Fässer abnehmen und gut bezahlen. 
Das war schon so Rechtens; aber was alles konnte sich die Herrschaft 
noch darüber erlauben, wenn sie wollte! Mein Onkel war mit seiner Herr 
schaft noch gut dran, aber anderen Bauern ging es gar schlimm. Bei wem 
wollten sie sich auch beschweren? Der Gutsherr war in Oesterreich geradeso 
wie in Preußen die Obrigkeit. Freilich gab es noch die Kreisämter, bei 
denen man sich beschweren konnte, aber das kostete Geld. Und dann kam eines 
schönen Tages der Herr Kreiskommissär. Natürlich wohnte er im herrschaft 
lichen Schloß oder gewöhnlich beim Herrn herrschaftlichen Amtmann und 
dem tat er dann nicht weh. Und so blieb es fast immer bei dem, was der 
Herr Amtmann selber verfügt hatte. Freilich konnte der Bauer dann noch 
ans Gericht gehen, wenn er sich arm prozessieren wollte. Denn so ein 
Prozeß dauerte damals seine hübsche Zeit. Im Dorfe, wo der Onkel wohnte, 
hatte die Herrschaft einem Bauern ein Stück Feld weggenommen. Sie 
behauptete, das habe einmal zum Gutshof gehört, der Bauer habe es nur 
in Pacht gehabt. Das war nicht wahr und der Bauer wollte es sich nicht 
gefallen lassen. AIs ich im Jahre 46 hinkam, dauerte der Prozeß schon drei 
Jahre und im Jahre 48 war er noch nicht beendet; aber der Bauer hatte 
schon sein ganzes Geld verprozessiert.
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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