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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

„Freilich tun sie das," entgegnete ich. „Die Sparkasse könnte nicht fort 
gesetzt Zinsen zahlen, wenn sie nicht das eingelegte Kapital wieder an 
dustrielle ausleihen würde. Diese zahlen der Sparkasse einen Teil dessen, was 
ihnen ihre Arbeiter erworben haben, und einen Teil ihres Gewinnes zahlt 
die Sparkasse wieder den Einlegern. Ebenso könnte der Staat seinen Gläu- 
bigerw nicht immerfort Zinsen zählen, wenn er das Geld nicht von den 
Steuerträgern bekäme, die es entweder durch^eigene Arbeit oder durch die 
Ausbeutung fremder Arbeit erworben haben. So fließen also in Wirklichkeit 
auch diese Zinsen aus der Arbeit her." 
„Wenn das so ist," meinte nun Wilhelm, „dann muß ich wohl zugeben, 
daß auch zum ursprünglichen Erwerb des Kapitals keine besonderen Fährg- 
keilen nötig waren. Du hast uns gezeigt, daß es aus Raub, Gewalt, Er 
pressung und Ausbeutung herrührt. Also sollten wirklich die Kapitalisten 
von jeher so viel schlechtere Leuttz gewesen sein als alle anderen? Waren 
nicht zum Beispiel die Raubritter noch viel habsüchtiger und gewalttätiger 
als sie?" . 
„Das mag schon der Fall gewesen sein, und die ersten Kapitalisten 
brauchen durchaus nicht schlechtere Menschen gewesen zu sein als zum Bei 
spiel die Adeligen ihrer Zeit, sie hatten nur andere Methoden, sich zu be 
reichern, als diese. Auch will ich nicht sagen, daß zur Anhäufung und zur Ver 
mehrung des Kapitals nicht besondere Fähigkeiten erforderlich sind. Das ist 
oft der Fall; aber es sind nicht Fleiß und Sparsamkeit, sondern Schlauheit, 
Geistesgegenwart und vor allem brutale Rücksichtslosigkeit. Gewiß war das 
Gewerbe des Raubritters nicht sehr schön und edel, aber es war wenigstens 
so weit ehrlich, als sich der Räuber für nichts anderes ausgab als er war. 
Es fiel ihm nicht ein, sich noch als Wohltäter derjenigen Menschen aufzuspielen, 
die er ausraubte. Der Kapitalist tut das aber. Er plündert seine Arbeiter, 
indem er sagt, er gäbe ihnen Arbeit und ernähre sie. Er brandschatzt die Kon 
sumenten, indem er ihnen erzählt, daß er sie mit den Segnungen der Kultur 
versehe, und er verbreitet die Zivilisation unter den Wilden, indem er sie 
mit Schnaps vergiftet, sie zu Arbeitssklaven macht und ihre Naturschätze 
stiehlt." . . 
„Wenn ich schon die Wahl habe," meinte da Karl, „dann ist nur der 
ehrliche Räuber, der wenigstens seine Haut zu Markte trägt, doch noch lieber 
als der heuchlerische „Wohltäter", der von seinem Kontor aus tn voller 
Sicherheit die.Menschen ausplündert." 
Der Wert. 
i. 
„Du stellst alles so dar," meinte Karl nach einer Weile, „als ob es sich 
da um einen großen Kampf mit Waffen handeln würde. Da Ware es sofort 
klar, weshalb der Stärkere den Schwächeren, der besser Gerüstete den 
Waffenlosen überwältigt; aber in der Industrie muß doch mrt anderen 
Waffen gekämpft werden. Wenn ich dich recht verstanden habe, handelt es sich 
da meist darum, daß derjenige den anderen schlägt, der billigere Preiw macht. | 
Do hat der Möbelhändler den Tischler, die große Fabrik die kleine Werkstatt ■ 
durch dieses Mittel aus dem Feld geschlagen. Aber wovon hangt es denn ab, 
wie hohe Preise einer verlangen kann? Wie werden denn die Preiw über- j 
Haupt bestimmt?"
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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