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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

53 
uiehr zu unterziehen. Er trägt sein Geld in die Bank und bezieht die Zinsen 
davon. ^ Du hast unlängst selbst erwähnt, daß dein Vater einige hundert 
Mark in einer Sparkasse liegen hat und regelmäßig die Zinsen abhebt." 
„Auf diese Art", ^unterbrach mich Wilhelm, „wären dann eigentlich die 
Einleger des Geldes die Herren der Bank; denn von ihnen rührt das Geld, 
mit dem die Geschäfte gemacht werden." 
„Ja hat denn dein Vater etwas dreinzureden, wie das Geld verwendet 
wird, das er eingelegt hat?" fragte Karl ironisch. 
„Aber wer bestimmt denn dann eigentlich, was die Bank zu tun hat?" 
fragte Wilhelm. 
„Ihr dürft euch", entgegnete ich, „die Sache nicht so vorstellen, als 
ob das Kapital der Bank nur durch die Einlagen der kleinen und großen 
Leute zustande käme. Vor allem sind die Aktionäre der Bank da, die sie 
gegründet und ihr Kapital eingebracht haben. Die sollen in der General 
versammlung beschließen, was die Bank zu tun hat, sie ernennen auch die 
Beamten. In Wirklichkeit aber regieren meist ein paar große Kapitalisten, 
die die anderen überstimmen und dann tun können, was sie wollen, und oft 
sind es noch dazu dieselben Leute, die in verschiedenen Banken maßgebend 
sind." 
„Da müssen die aber dann eine riesige Macht haben", meinte Wilhelm, 
„wenn sie die mächtigen Banken unter sich haben, die doch wieder die In 
dustrie beherrschen." 
„Ja, das sind heute die ungekrönten Könige", antwortete ich, „und 
mancher wirkliche König könnte sich gratulieren, wenn er eine solche Macht 
hätte; denn oft herrschen sie nicht nur in einem Lande, sondern ihr Bereich 
geht über ganze Erdteile, und ihre Macht wächst noch immer fort, denn sie 
dringen auch immer tiefer in das Erwerbsleben ein. 
Früher haben sich die großen Betriebe gegenseitig bekämpft und unter 
boten. Heute tun sie das sehr oft nicht mehr, sondern sie schließen sich zu 
sammen und beuten gemeinsam das Publikum, ihre Arbeiter und ihre 
Lieferanten aus, und dabei leisten ihnen die Banken die beste Hilfe. Denn 
wenn eine große Bank mehreren großen Unternehmungen Geld geborgt hat, 
dann will sie natürlich nicht, daß sie sich gegenseitig schaden, sondern sie 
veranlaßt sie, sich zu verabreden, die Preise und Löhne festzusetzen und sich. 
nicht mehr zu unterbieten. Ein Konkurrent kann dann schwer aufkommen, 
weil ihm die Banken kein Geld borgen, und so bleiben die großen, unter 
einander verbundenen Firmen unbehelligt und beschützt. 
Da waren zum Beispiel auf einem amerikanischen Fluß zwei Dampfer 
linien, die sich wütend bekämpften. Jede suchte die andere zu unterbieten, 
jede versprach den Passagieren alles Mögliche an Geschwindigkeit und An 
nehmlichkeit der Fahrt. Das Publikum freute sich, denn man konnte billig 
und angenehm reisen, die Gesellschaften gingen aber beide fast zugrunde. 
Da besannen sie sich endlich doch eines Besseren und einigten sich. Jetzt 
wurden die Preise hinaufgeschraubt, daß den Passagieren ganz angst und 
bange wurde; aber was konnten sie machen? Ein Konkurrent war nicht da, 
zu dem man hätte gehen können. So mußte man zahlen, was jene ver 
langten, und die Inhaber der beiden Gesellschaften teilten sich schmunzelnd 
den Raub. 
^ Solche Vereinbarungen und Vereinigungen sind aber heute nichts 
Seltenes mehr. Sie beherrschen immer mehr die Industrie. So haben sich 
die großen Kohlengruben und die Eisenwerke, die Zuckerfabriken und die
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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