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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

70 
„So viel ich weiß," entgegnete Karl, „werden aber unsere Schrauben 
jetzt nicht billiger berechnet und verkauft als früher. Da macht also der 
Fabrikant doch den Gewinn." 
„Nun also," triumphierte Wilhelm, „da siehst du klar, jjafe euer 
Wertgesetz falsch ist. Wenn es richtig wäre, müßte ja der Wert der schrauben 
um so viel heruntergehen, wenn statt der vielen Arbeiter jetzt nur noch 
einer zur Bedienung der Maschine verwendet wird." 
„Halt!" rief ich nun dazwischen, „nur nicht gar so rasch! Wenn du 
dich recht erinnerst, hat unser Wertgesetz gesagt, daß der Wert der Waren 
von der Arbeitszeit abhängt, die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich not 
wendig ist. Das darf man dabei eben nicht vergessen. Nun werden ja außer 
in der Fabrik, wo Karl beschäftigt ist, auch in vielen anderen Schrauben 
angefertigt. Als nun die erste automatische Drehbank dieser Art in irgend 
einer Fabrik eingeführt wurde, da änderte sich dadurch der Wert der dort 
hergestellten Schrauben nicht sofort- denn gesellschaftlich notwendig war 
auch die Arbeit in allen jenen Werken, wo noch ohne die neue Maschine 
gearbeitet wurde. Erst allmählich, wie sich die neue Erfindung ausbreitete 
und allgemeine Verwendung fand, sank der Wert der Schrauben, weil jetzt 
die Arbeit in den rückständigen Betrieben nicht mehr notwendig ist, um^den 
gesellschaftlichen Bedarf zu decken. Zuerst hatten jene Werke einen beträkch- 
lichen Vorteil, welche die neue Drehbank eingeführt hatten, da der gesell 
schaftliche Wert der Schrauben damals viel höher stand, als die Arbeits 
menge ausmachte, die in jenen fortgeschrittenen Betrieben aufgewendet 
wurde. Allmählich aber sank nun der Wert der Schrauben, und nun waren 
die anderen Betriebe geradezu gezwungen, auch diese Erfindung bei sich 
einzuführen, denn nun war die Arbeit so vieler Arbeiter statt eines einzigen 
nicht mehr gesellschaftlich nötig, der Bedarf der Gesellschaft konnte allen 
falls auch von den Werken, die die neue Erfindung 'eingeführt hatten, allein 
gedeckt werden. Wollten also die noch rückständigen Fabriken konkurrenz 
fähig bleiben, wollten sie nicht so teuer produzieren, daß sich die Produktion 
überhaupt nicht mehr rentierte, dann mußten sie die neue Maschine ein 
führen. In diesem Falle war jedenfalls deine Fabrik, Karl. Denn so viel 
ich weiß, sind diese Revolverdrehbänke in den großen Werken schon ziemlich 
allgemein eingeführt." 
„Ja, jetzt erinnere ich mich auch," ergänzte Karl, „daß vor der Ein 
stellung der neuen Maschine gerade bei der Schraubenfabrikation am meisten 
gehetzt und am meisten an den Löhnen abgeknapst wurde, und daß es dann 
immer hieß, der Preis der Schrauben stehe so schlecht. Deshalb ist jedenbMs 
endlich die neue Drehbank aufgestellt worden." 
II. 
Eine Weile waren meine beiden jungen Freunde ganz still geworden 
und ich sah an ihrem Gesichtsausdruck, wie ihr Gehirn arbeitete. Endlich 
sagte Wilhelm: 
„Ja, das ist aber eine recht sonderbare Geschichte. Sobald eine Ma 
schine allgemein ist, hat kein Fabrikant mehr etwas von ihr, vielmehr kostet 
sie ihn nur schweres Geld. Und trotzdem suchen doch alle Fabrikanten um die 
Wette, neue Maschinen in ihren Betrieben einzuführen. / 
„Nun ja," ergänzte Karl, „weil sie doch nur so lange etwas von den 
Maschinen haben, als sie den anderen damit voraus sind. Natürlich müssen 
dann die anderen wieder schauen, möglichst, rasch auch in den Besitz solcher
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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