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Fortschritt und Armut

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Bibliographic data

fullscreen: Fortschritt und Armut

Monograph

Identifikator:
1027863817
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-43741
Document type:
Monograph
Author:
George, Henry http://d-nb.info/gnd/118716948
Title:
Fortschritt und Armut
Edition:
Sechste, unveränderte Auflage
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 407 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Buch VI. Das Heilmittel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Fortschritt und Armut
  • Title page
  • Contents
  • Buch I. Arbeitslohn und Kapital
  • Buch II. Bevölkerung und Unterhaltsmittel
  • Buch III. Die Gesetze der Verteilung
  • Buch IV. Die Wirkung des materiellen Fortschnitts auf die Güterverteilung
  • Buch V. Das Problem gelöst
  • Buch VI. Das Heilmittel
  • Buch VII. Die Gerechtigkeit des Heilmittels
  • Buch VIII. Die Anwendung des Heilmittels
  • Buch IX. Die Wirkungen des Heilmittels
  • Buch X. Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes
  • Schluß. Das Problem des individuellen Lebens

Full text

Kap. I. 
Die Unzulänglichkeit der gewöhnlich empfohlenen Heilmittel. 
227 
an Fleiß, Mäßigkeit und Intelligenz zuzuschreiben seien. Dieser Glaube 
welcher das Gefühl der Verantwortlichkeit beruhigt und zugleich durch 
die Vorspiegelung einer Überlegenheit schmeichelt, ist wahrscheinlich 
in Ländern wie die vereinigten Staaten, wo alle Menschen politisch 
gleich sind, und wo infolge der Neuheit der Gesellschaft die Scheidung 
in Klassen mehr die einzelnen als ganze Familien betraf, noch verbreiteter 
als in älteren Ländern, wo die Trennungslinien länger und schärfer 
gezogen sind. Ls ist nur natürlich, wenn diejenigen, welche ihre besseren 
Verhältnisse auf die größere Betriebsamkeit und Genügsamkeit, die 
ihnen einen Vorteil gab, und auf die höhere Intelligenz zurückführen 
können, die sie in den Stand setzte, jeden Vorteil zu benutzen*), sich ein 
bilden, daß diejenigen, welche arm bleiben, dies nur dem Mangel dieser 
Eigenschaften beizumessen habeü. 
wer jedoch die Gesetze der Güterverteilung, wie sie in den vorher 
gehenden Kapiteln entwickelt wurden, erfaßt hat, wird den Irrtum dieser 
Ansicht einsehen. Derselbe ist ähnlich demjenigen, welcher in der Be 
hauptung liegen würde, daß jeder bei einem lvettlauf Beteiligte gewinnen 
müsse. Daß einer gewinnen muß, ist richtig; daß jeder gewinnen 
könne, ist unmöglich. 
Denn sobald der Grund und Boden wert erlangt, so hängt der 
Arbeitslohn, wie wir gesehen haben, nicht von dem wirklichen Ertrage 
oder Produkte der Arbeit ab, sondern von dem, was der Arbeit bleibt, 
nachdem die Grundrente vorweg genommen ist; sobald der Grund und 
Boden vollständig monopolisiert ist, wie es außer in den neuesten Ländern 
überall der Fall, muß die Rente den Lohn auf den Punkt drücken, bei 
welchem die ärmste Klasse gerade noch zu leben und sich fortzupflanzen 
imstande ist, und so wird der Lohn durch das Normalmaß des Auskommens 
(stanclarck ot comtort), d. h. durch die Summe der notwendigen und 
gewohnheitsmäßigen Bedürfnisse, welche die arbeitenden Klassen als 
das wenigste beanspruchen, um sich nsch fortzupflanzen, auf ein Minimum 
festgestellt. Daher können Fleiß, Geschick, Genügsamkeit und Intelligenz 
dem einzelnen nur so weit von Nutzen sein, als sie sich über das all 
gemeine Niveau erheben — gerade wie in einem lvettlauf die Schnellig 
keit dem Laufenden nur insoweit nutzt, als sie diejenige seiner Mitbewerber 
übertrifft. Arbeitet ein Mann mehr oder mit höherem Geschick und 
verstand als gewöhnlich, so wird er vorankommen; erhebt sich aber der 
Durchschnitt des Fleißes, der Geschicklichkeit und Intelligenz auf denselben 
Punkt, so wird das erhöhte Leistungsvermögen der Arbeit nur den 
früheren Lohnsatz erzielen, und wer vorankommen will, muß dann noch 
härter arbeiten. 
Lin einzelner mag von seinem Lohn Geld ersparen, wenn er so 
*) Um nichts von der größeren Gewissenlosigkeit zu sagen, die oft die entscheidende 
Eigenschaft ist, welche einen Millionär aus jemandem macht, der sonst ein armer Teufel 
geblieben wäre. 
\5*
	        

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Fortschritt Und Armut. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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