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Fortschritt und Armut

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Bibliographic data

fullscreen: Fortschritt und Armut

Monograph

Identifikator:
1027863817
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-43741
Document type:
Monograph
Author:
George, Henry http://d-nb.info/gnd/118716948
Title:
Fortschritt und Armut
Edition:
Sechste, unveränderte Auflage
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 407 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Buch IX. Die Wirkungen des Heilmittels
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Fortschritt und Armut
  • Title page
  • Contents
  • Buch I. Arbeitslohn und Kapital
  • Buch II. Bevölkerung und Unterhaltsmittel
  • Buch III. Die Gesetze der Verteilung
  • Buch IV. Die Wirkung des materiellen Fortschnitts auf die Güterverteilung
  • Buch V. Das Problem gelöst
  • Buch VI. Das Heilmittel
  • Buch VII. Die Gerechtigkeit des Heilmittels
  • Buch VIII. Die Anwendung des Heilmittels
  • Buch IX. Die Wirkungen des Heilmittels
  • Buch X. Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes
  • Schluß. Das Problem des individuellen Lebens

Full text

Kap. IV. Einfluß auf die soziale Organisation. ZZZ 
lichen Beweggründe, und politische Systeme könnten nur auf den 
Gedanken begründet werden, daß nur durch die Furcht vor Strafe 
die Ehrlichkeit unter den Menschen aufrecht zu erhalten — daß selbst 
süchtige Interessen immer stärker seien als allgemeine. Nichts kann 
weiter von der Wahrheit entfernt sein. 
Woher kommt diese Gier nach Gewinn, in deren Befriedigung 
die Menschen alles, was rein und edel ist, unter die Füße treten, der sie 
die höhere Entwicklung des Lebens opfern, die die Höflichkeit in hohlen 
Schein, den Patriotismus zu einem bloßen Worte und die Religion 
in Heuchelei verwandelt, die einen so großen Teil des zivilisierten Daseins 
zu einer ismaelitischen Kriegführung macht, deren Waffen die Hinterlist 
und der Betrug sind? 
Entspringt sie nicht aus dem Vorhandensein des Mangels? Larlyle 
sagt irgendwo, die Armut sei die moderne Hölle, vor der der Engländer 
am meisten Furcht habe. Und er hat Recht. Die Armut ist die erbar 
mungslose £?ölle, die mit weit aufgesperrtem Rachen unter der zivili 
sierten Gesellschaft gähnt. Und sie ist Hölle genug. Die Vedas enthalten 
kein wahreres Wort als das, wo die weise Krähe Bushanda dem Adler 
träger vishnus sagt, die schärfste Pein sei die Armut. Denn die Armut 
ist nicht bloß Entbehrung, sie bedeutet Schande, Entwürdigung, das 
versengen der empfindlichsten Teile unserer moralischen und geistigen 
Natur gleichsam wie mit glühendem Eisen, die Verneinung der stärksten 
Antriebe und der süßesten Gefühle, die Bloßlegung der stärksten Lebens 
nerven. Du liebst dein Weib, du liebst deine Kinder; würde es aber nicht 
leichter sein, sie sterben als zu der bitteren Not verdammt zu sehen, 
worin große Klassen aller hoch zivilisierten Staaten leben? Der stärkste 
der tierischen Triebe ist der, mit welchem wir am Leben hängen, aber 
es ist in zivilisierten Gesellschaften ein alltägliches Vorkommnis, daß 
Männer sich aus Furcht vor der Armut eine Kugel durch den Kopf 
schießen oder Gift nehmen, und auf einen, der dies tut, gibt es wahr 
scheinlich hundert, die denselben Wunsch haben, aber durch instinktiven 
Schauder, religiöse Rücksichten oder Familienbande zurückgehalten 
werden. 
Ls ist nur natürlich, daß die Menschen alle nur möglichen An 
strengungen machen, um dieser Hölle der Armut zu entrinnen. Mit 
dem Selbsterhaltungs- und Selbstbefriedigungstriebe verbinden sich 
edlere Gefühle, und Liebe sowohl wie Furcht drängt den Kampf auf. 
Mancher begeht etwas Schlechtes, Unehrliches, habsüchtiges und Un 
gerechtes in dem Bemühen, Mutter, Weib oder Kinder über den Mangel 
oder über die Furcht vor dem Mangel zu erheben. 
Und aus diesem Stande der Dinge entsteht eine öffentliche Mei 
nung, die eine der stärksten Triebfedern —bei vielen vielleicht die stärkste — 
der menschlichen Handlungen als treibende Kraft in dem Kampf um 
Ergreifen und Behalten anwirbt. Der Wunsch nach Anerkennung, das 
Eefühl, welches uns antreibt, die Achtung, Bewunderung, Sympathie
	        

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Fortschritt Und Armut. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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