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Fortschritt und Armut

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Bibliographic data

fullscreen: Fortschritt und Armut

Monograph

Identifikator:
1027863817
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-43741
Document type:
Monograph
Author:
George, Henry http://d-nb.info/gnd/118716948
Title:
Fortschritt und Armut
Edition:
Sechste, unveränderte Auflage
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 407 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Buch X. Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Fortschritt und Armut
  • Title page
  • Contents
  • Buch I. Arbeitslohn und Kapital
  • Buch II. Bevölkerung und Unterhaltsmittel
  • Buch III. Die Gesetze der Verteilung
  • Buch IV. Die Wirkung des materiellen Fortschnitts auf die Güterverteilung
  • Buch V. Das Problem gelöst
  • Buch VI. Das Heilmittel
  • Buch VII. Die Gerechtigkeit des Heilmittels
  • Buch VIII. Die Anwendung des Heilmittels
  • Buch IX. Die Wirkungen des Heilmittels
  • Buch X. Das Gesetz des menschlichen Fortschrittes
  • Schluß. Das Problem des individuellen Lebens

Full text

Aax. IV. Auf welche weise die moderne Zivilisation zurückgehen kann. 
50>\ 
Die mit dem verfall der römischen Zivilisation beständig zunehmende 
Anwendung der Tortur bei gerichtlichen Untersuchungen kann daher, 
wie hieraus leicht zu ersehen, als eine notwendige Verbesserung des 
Kriminalrechts gefordert werden, wenn die Sitten roher werden und die 
verbrechen sich vermehren. 
Ob in den gegenwärtigen Zügen der Meinungen und des Geschmacks 
bisher Anzeichen des Rückganges nachweisbar find, braucht nicht unter 
sucht zu werden; aber viele Dinge, über die kein Streit bestehen kann, 
deuten darauf hin, daß unsere Zivilisation einen kritischen Abschnitt 
erreicht hat, und daß, wenn nicht ein neuer Anlauf in der Richtung der 
sozialen Gleichheit genommen wird, das neunzehnte Jahrhundert leicht 
der Zukunft als ihr Höhepunkt erscheinen dürfte. Die industriellen Krisen, 
die ebensoviel Verheerung und Leiden verursachten wie Hungersnot 
oder Kriege, sind gleich den Schmerzen und Anfällen, die dem Schlägfluß 
vorangehen. Überall ist es klar, daß die Tendenz zur Ungleichheit, die 
sich notwendig aus dem materiellen Fortschritt ergibt, wo der Grund und 
Boden monopolisiert ist, nicht viel weiter gehen darf, ohne unsere Zivili 
sation auf jenen abschüssigen Pfad zu treiben, den zu betreten so leicht 
und zu verlassen so schwer ist. Überall leitet die steigende Härte des 
Kampfes ums Dasein, die zunehmende Notwendigkeit, jeden Nerv 
anzustrengen, um nicht umgeworfen und in dem Geraffe nach Reichtum 
unter die Füße getreten zu werden, die Kräfte ab, welche die Fortschritte 
gewinnen und erhalten. Zn allen zivilisierten Ländern sind Pauperismus, 
verbrechen, Wahnsinn und Selbstmorde im Zunehmen. Zn allen 
zivilisierten Ländern vermehren sich die Krankheiten, welche von Über 
anstrengung der Nerven, ungenügender Ernährung, schmutzigen Woh 
nungen, ungesunden und einförmigen Beschäftigungen, vorzeitiger 
Kinderarbeit sowie den Mühsalen und Verbrechen, welche die Armut 
den Frauen auferlegt, herrühren. Zn allen hoch zivilisierten Ländern 
scheint das durchschnittliche Lebensalter der Menschen, welches seit einigen 
Zahrhunderten allgemach stieg und ungefähr im ersten viertel dieses 
Zahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht zu haben scheint, jetzt wieder 
abzunehmen*). 
Solche Ziffern deuten auf keine vorschreitende Zivilisation. Ls 
ist eine Zivilisation, die in ihren unter der Oberfläche liegenden Strö 
mungen schon zurückzuschreiten begonnen hat. wenn die Flut in der 
Bucht oder im Fluß zur Ebbe wird, so geschieht dies nicht ganz plötzlich; 
sondern hier steigt sie noch, während sie dort schon zurückzutreten beginnt, 
wann die Sonne den Meridian überschreitet, kann man nur nach der 
Richtung des Schattens sagen, denn die Hitze des Tages nimmt noch zu. 
*) Statistische Angaben über diese Dinge sind in handlicher Form in dem Buche 
Samuel Royces „veterioration and race education“ zusammengestellt, das von dem 
ehrwürdigen Peter Looper von New Port weit verbreitet worden ist. Sonderbar genug 
ist das einzige Heilmittel, das Royce vorzuschlagen weiß, die Errichtung von Kindergärten.
	        

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Fortschritt Und Armut. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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