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Wirtschaft als Leben

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Bibliographic data

fullscreen: Wirtschaft als Leben

Monograph

Identifikator:
1027869556
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-48255
Document type:
Monograph
Author:
Gottl-Ottlilienfeld, Friedrich von http://d-nb.info/gnd/118809040
Title:
Wirtschaft als Leben
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1925
Scope:
1 Online-Ressource (XXXII, 763 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 1906-1909
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Wirtschaft als Leben
  • Title page
  • Contents
  • Der Wertgedanke ein verhülltes Dogma der Nationalölonomie
  • Die Herrschaft des Wortes
  • Die Grenzen der Geschichte 1903
  • Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 1906-1909
  • Freiheit vom Worte. Über das Verhältnis einer Allwirtschaftslehre zur Soziologie 1923
  • Die Wirtschaftliche Dimension. Eine Abrechnung mit der sterbender Wertlehre 1923
  • Vom Wirtschaftsleben und seiner Theorie 1924
  • Index

Full text

Der Stoff der Sozialwissenschaft, I, A. 
529 
Hypothese sinnesmäßig schlecht fundiert war. Die Sache liegt also 
so, daß die Beobachter das Sehbare des Vorganges übersehen, 
etwas ganz anderes aber förmlich gewaltsam hineingesehen haben 1 
Wie reimt sich dies mit der herrschenden Meinung, daß stets der 
Sinnesausdruck als solcher den Ausschlag gibt? Nun könnte man die 
Lösung dieses Widerspruches darin suchen, daß man dem Histörchen 
die „innere Wahrheit“ abspricht. Aber dies wäre grundfalsch; es 
mutet uns durchaus plausibel an, daß die Indianer diesem Miß 
verständnis verfallen sind — ein Beweis, daß uns das eigene Gebaren 
als Beobachter den Schlüssel für diesen Fehler darbietet. 
In der Tat, nicht der Sinneseindruck ist das Primäre dabei, was 
immer wir beobachten. Das Erste, was wir dem Erlebnis denkend 
entnehmen, solange es nach Sinneseindrücken absolut 
noch nicht differenzierbar ist, das Erste also, womit wir die 
volle Anschaulichkeit des Erlebnisses durch Denken quittieren, 
ist die Anerkennung eines tätigen oder leidenden Ver 
haltens, einer Subj ektbeku n du ng. So waren sich auch in 
unserem Histörchen die Indianer zuerst klar, daß ihnen der Missionar 
etwas wiedererzählt, was ihm selber mit geteilt wird; soweit 
schöpften sie aus der vollen, ungebrochenen Anschaulichkeit ihres Er 
lebnisses! Und erst vom Boden dieser Anerkennung aus, die hier 
das wahrhaft Primäre vorstellt, gingen sie dazu über, Sinnesdaten 
zu registrieren. Gerade dabei aber vergriffen sie sich; denn das von 
ihnen nunmehr differenziert „Gesehene“ entsprach nicht dem 
Marionettenspiel eines Sehenden, sondern dem Marionettenspiel eines 
Horchenden. Warum dies? Weil die Indianer selbst jetzt noch, wo 
nur mehr das nähere Wie der Subjektbekundung in Frage blieb — 
also die Alternative: „Kenntnisnahme durch den Blick“ oder 
«Kenntnisnahme durch Horchen“ — nicht dem „Gesehenen“ die 
Vorhand ließen, sondern sich erst wieder über das Subjekt 
verhalten eine speziellere Hypothese bildeten. Natürlich bilde 
ten sie sich jene, die für ihre Lebenserfahrung die nächstliegende 
w ar: sie rieten einfach auf eine „Kenntnisnahme von Mitgeteiltem 
durch das Horchen“; und unter dem Vorurteil dieser Annahme 
differenzierte sich ihnen ihr Erlebnis nach Sinneseindrücken „irrtüm 
lich“ so, daß sie das Marionettenspiel des Horchenden zu sehen 
glaubten 1 Nur waren sie vorsichtig genug, um gleich die Probe dar 
auf abzulegen. Als diese natürlich fehlschlug, mag auch für die 
Indianer die andere Subjektbekundung als leitende Hypothese an 
die Reihe gekommen sein, so daß sie nachträglich wohl auch die 
spezifische Augenbewegung des Missionars zu registrieren wußten. 
v. Gottl-Ottlilienfeld, Wirtschaft als Leben. 34
	        

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Wirtschaft Als Leben. Verlag von Gustav Fischer, 1925.
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