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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

118 
Erstes Buch. Die Begründer. 
der Kraft der Natur ziehen kann, worunter auch die Kraft des Windes 
und der Wasserströmungen fallen 1 ). Was die Ärzte, Rechtsanwälte, 
Künstler usw. anlangt, so kann man gar nicht leugnen, daß sie ebenfalls 
an der Gütererzeugung beteiligt sind. Schon Germain Garnier hatte 
gegen ihre Ausschließung protestiert. Zwar sind ihre Dienste immaterielle 
Erzeugnisse, aber trotzdem doch ebensogut Erzeugnisse, die, wie die 
anderen, einen tauschbaren Wert haben, und die sich aus dem Zusammen 
wirken von Industrie und Kapital ergeben 2 ). Sie sind genau dasselbe 
wie die Annehmlichkeit und der Nutzen, den uns materielle Gegenstände, 
wie z. B. ein Wohnhaus, ein Garten oder Silbergerät gewähren. In dieser 
Hinsicht stieß die Lehre Say’s zuerst auf einigen Widerstand, da die 
englischen Ökonomisten sich nur schwer entschließen konnten, eine ein 
fache Dienstleistung, die nichts Dauerhaftes an sich hat und daher nie 
dem Kapital Zuwachsen kann, als ein wirtschaftliches Gut und folglich 
als ein Erzeugnis anzusprechen. Trotzdem gelang es Say ziemlich schnell, 
die Mehrheit der in Betracht kommenden Schriftsteller zu bekehren 3 ). — 
Weiterhin findet er (nach Condillac) einen einschneidenden Beweis 
gegen die Physiokraten: „produzieren“ bedeutet keineswegs: materielle 
Gegenstände schaffen. (Schafft der Mensch überhaupt etwas, und 
tut er je etwas anderes, als die Materie umformen?) Produzieren be 
deutet einfach: Nützlichkeiten schaffen, die Eigenschaften der Sachen, 
unserem Bedürfnisse zu dienen und unseren Wünschen entgegenzu 
kommen, zu erhöhen. Daher sind alle Arbeiten, die zu diesem Resultate 
beitragen, die Industrie und der Handel, ebenso wie die Landwirtschaft 
produktiv 4 ). Auf diese Weise fallen die physiokratischen Unterschei 
dungen in sich zusammen. Damit vollendet Say eine Widerlegung, die 
Smith, der noch nicht genug Abstand von seinen Gegnern hatte, nicht 
hatte zu Ende führen können. 
2. Auch in einer anderen Hinsicht führt Say das Werk Smith’s fort 
x ) Ebenda, S. 21. Später gebraucht er den umfassenderen Ausdruek „agents 
naturels“. 
2 ) Ebenda, Ausg. v. 1803, B. I, Kap. 42 und 43. Unter „Industrie“ versteht 
Say alle Formen der Arbeit. Vgl. 6. Aifg., S. 70ff. 
3 ) Malthus scheint noch der Lehre von den immateriellen Erzeugnissen ab 
lehnend gegenüberzustehen, aber Lauderdale, Tooke, Mac Culloch und Senior nehmen 
sie an. und sie schien endgültig gesichert, als Stuart Mill von Neuem den Sinn des 
Wortes Produkt allein auf die materiellen Erzeugnisse beschränkte. Was Tooke an 
langt, vgl. seine Briefe an J.-B. Say in den „(Euvres diverses“ des Letzteren. 
4 ) Traitü, B. I, Kap. II. Ist es nicht eigentümlich, daß Say selbst nicht dazu 
gelangt, diesen Gedanken richtig auf den Handel anzuwenden ? Er nennt ihn produktiv, 
weil er tauschbare Werte schafft, kritisiert aber trotzdem Condillao, gerade we)' 
er gezeigt hat, daß die Tatsache des Austausches allein den Reichtum vermehrt, da sie 
die Nützlichkeit der Gegenstände erhöht! Für Say gehen nämlich Nützlichkeit nnd 
tauschbarer Wert beständig ineinander über, und diese Verwirrung läßt ihn in schwere 
Irrtümer verfallen.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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