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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

120 
Erstes Buch. Die Begründer. 
mehr der Physik als der Naturgeschichte. Auch hierin weicht er von 
Smith ab, für den der Wirtschaftskörper wesentlich ein lebendes Wesen 
ist. Ohne noch das Wort soziale Physik anzuwenden, erinnert Say durch 
seine wiederholten Vergleiche mit der Physik Newton’s beständig an 
diesen Gedanken. Wie die Gesetze der Physik „sind ihre Grundsätze 
keineswegs Menschenwerk ... Sie stammen aus dem Urgründe der Dinge; 
man stellt sie nicht auf; man findet sie. Sie beherrschen die Gesetzgeber 
und die Fürsten, und niemals verletzt man sie ungestraft“ 1 ). Wie die 
Gesetze der Schwere sind sie nicht auf die Grenzen eines Landes beschränkt: 
„Die Grenzen der Staatsverwaltung, die vom Gesichtspunkt der Politik 
aus alles sind, sind für den Nationalökonomen nur Zufälligkeiten“ 2 ). — 
So baut er die Nationalökonomie nach dem Bilde einer exakten Wissen 
schaft auf, deren Gesetze allgemein gültig sind. Wie in der Physik, ist 
es von geringerer Bedeutung, viele einzelne Tatsachen zu sammeln, als 
eine kleine Anzahl allgemeiner Grundsätze zu gewinnen, aus denen man 
dann je nach den Umständen eine mehr oder weniger lange Kette von 
Schlußfolgerungen zieht. 
Leidenschaftslosigkeit 3 ), ein auf das Gesetz gerichteter Blick und 
Mißtrauen gegenüber jeder Verallgemeinerung einzelner Tatsachen, 
sind zweifellos Eigenschaften des echten Gelehrten, aber Eigenschaften, 
die bei weniger umfassender Begabung als der J.-B. Say’s, sich leicht 
verändern, sich zu Fehlern ausbilden können, und dann zu Gleichgültig 
keit, Dogmatismus und Tatsachenverachtung werden. Ist nicht gerade 
das eingetreten? Hat Say, indem er diese Grundsätze auf stellte, die 
Nationalökonomie nicht auf den Weg gebracht, wo sie sehr bald auf die 
oft sehr berechtigte Feindschaft eines Sismondi, eines List, der histo 
rischen Schule und der Christlich-Sozialen treffen mußte? Indem er 
die Politik radikal von der Volkswirtschaftslehre trennte, indem er die 
Sorge um die Praxis, die Smith noch so stark beschäftigt hatte, aus dieser 
Wissenschaft ausschied, gibt er ihr wohl eine größere Harmonie, aber 
auch eine gewisse Nüchternheit, die bei seinen wenigen hochstehenden 
Nachfolgern der Langenweile oder der Banalität zum Verwechseln ähnlich 
sieht. Mit Recht oder Unrecht hat man die Verantwortung hierfür Say 
zugeschoben. 
*) Traite, Vorrede, 1. Ausg., S. IX, und 6. Ausg., S. 13. 
2 ) Traite, 1. Ausg., I, S. 404. 
3 ) Man darf nicht übertreiben und Say als gleichgültig gegen das Leiden des 
Elendes ansehen. Er stellt z. B. fest, daß „für viele Haushaltungen, in den Städten, 
wie auf dem Lande, das ganze Leben aus Entbehrungen besteht“, und daß die Spar 
samkeit „im Allgemeinen nicht mit Hinsicht auf unnötigen Verbrauch, wie es die Politik 
und die Humanität haben möchten, geübt wird, sondern daß wirkliche Bedürfnisse 
darunter zu leiden haben, wodurch das volkswirtschaftliche System vieler 
Regierungen verurteilt wird- 1 . — Traite, 1. Ausg., Bd. I, S. 97/98 und 6. Ausg., 
S. 116. — Vgl. auch, was wir oben, S. 101, Anm. 4 sagen.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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