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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

136 
Erstes Bach. Die Begründer. 
höheren Ertrages, gezwungen sind, vom Ausland einen großen Teil des 
Brotkornes, von dem sie leben, einzuführen. Kann wenigstens in Frank 
reich diese Steigerung endlos während dieses und der folgenden Jahr 
hunderte fortgesetzt werden? Das ist sehr unwahrscheinlich; die Er 
tragsfähigkeit eines jeden Bodens muß eine physische Grenze haben, 
die durch die Menge der in ihm enthaltenen Bestandteile bestimmt wird. 
— und noch viel eher muß eine wirtschaftliche Grenze erreicht werden. 
Diese Grenze ergibt sich aus den wachsenden Kosten, die jede bis zu 
ihren äußersten Schranken getriebene Nutzbarmachung bedingt. So 
erscheint das Gesetz vom ,,sinkenden Bodenertrag“, auf das wir zurück 
kommen werden, schon als die wirkliche Grundlage der MAXTHUs’schen 
Gesetze, obgleich er nicht ausdrücklich darauf hinweist. 
Übrigens ist dieser Hinweis auch überflüssig, denn es liegt auf der 
Hand, daß in der Tat an einem gegebenen Ort sich nicht mehr lebende 
Wesen befinden können, als dort ihren Lebensunterhalt finden: das ist 
ein Truismus. Denn wenn mehr vorhanden sind, müssen selbstverständ 
lich die Zuvielen Hungers sterben 1 ). Dies tritt in der Tier- und Pflanzen 
welt stets ein: die ungeheuerliche Vermehrung der Keime der Lebewesen 
wird durch den Tod unerbittlich auf das zulässige Verhältnis zurück 
geführt, und das von der Notwendigkeit bestimmte Niveau steigt und fällt 
ebensowenig, wie der Wasserstand in einem gut regulierten Behälter 
schwankt. Denn die furchtbaren Verheerungen des Todes werden ständig 
durch unerschöpflichen Lebensdrang wieder ersetzt. Bei den wilden 
Völkern stirbt nun ebenso wie bei wilden Tieren ein großer Bevölkerungs 
teil buchstäblich Hungers. Malthus weist eingehend auf den Zustand 
dieser primitiven Gemeinschaften hin; diese Schilderungen füllen sogar den 
größten Teil seines Buches. Hierin war er ein Vorläufer jener prähistori 
schen Soziologie, die seit ihm bedeutende Fortschritte gemacht hat. 
Er zeigt sehr klar, wie dieser Mangel an Nahrungsmitteln hundert 
Übel nach sich zieht, nämlich nicht nur die große Sterblichkeit und die 
Epidemien, sondern auch die Menschenfresserei, den Kinder- und 
Greisenmord und besonders den Krieg, der, auch wenn sein Ziel nicht 
mehr darin besteht, die Besiegten aufzufressen, doch wenigstens den 
Zweck hat, ihnen ihr Land und die Lebensmittel, die es hervorbringen 
kann, zu nehmen. Das nennt er positive oder repressive Hem 
mungen. 
x ) Mit Bezug hierauf schrieb Malthus den bekannten, stets wiederholten Satz, 
den man ihm beständig zum Vorwurf gemacht hat, obgleich er von ihm schon in der 
2. Ausgabe gestrichen wurde: „der in die . . . schon mit Beschlag belegte Welt Ge 
borene . . . findet an der großen Tafel der Natur keinen für ihn gedeckten Platz. Die 
Natur befiehlt ihm, wieder zu verschwinden und zögert nicht, ihrem Befehl nachzu 
helfen.“ Hierbei darf aber nicht vergessen werden, daß Malthus an der Reorganisation 
der öffentlichen Wohlfahrtsbehörde, wie sie vor 1832 in England bestand, mitgewirkt hat.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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