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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

138 
Erstes Buch. Die Begründer. 
aus nicht. Niemals hat Malthus die geschlechtliche Enthaltsamkeit 
in der Ehe befürwortet. Wir haben schon gesagt, daß er sechs Kinder 
(was wenigstens die Verdoppelung jeder Generation bedeutet) als den 
Typus einer normalen Familie bezeichnet. Und dabei stellt er diese 
Zahl keineswegs als ein Maximum hin, denn er fügt hinzu: „Vielleicht 
wird man mir entgegenhalten, daß niemand, der sich verheiratet, die 
Zahl seiner Kinder Voraussagen kann, und ob er nicht mehr als sechs 
haben wird. Das ist unbestreitbar“ (S. 570). 
Worin soll nun diese moralische Enthaltsamkeit bestehen? Hierauf 
antwortet er: „Enthaltung von der Ehe, zusammen mit keuschem Lebens 
wandel, nenne ich moralische Enthaltsamkeit“ (S. 14). In einer Anmerkung 
bemerkt er noch, um jedes Mißverständnis auszuschließen: „Ich verstehe 
unter moralischer Enthaltsamkeit die, welche jemand hinsichtlich der 
Heirat aus einem Klugheitsgrunde übt, solange sein Lebenswandel während 
dieser Zeit durchaus moralisch ist. Ich habe mich in diesem Werke be 
müht, nie von dieser Auslegung abzuweichen.“ Es ist also klar: es handelt 
sich um völlige Enthaltsamkeit von jedem geschlechtlichen Verkehr 
außer der Ehe, um das Hinausschieben der Ehe selbst bis zu einem Zeit 
punkt, wo der Mann imstande ist, die Verantwortlichkeit für eine Familie 
auf sich zunehmen, oder sogar um vollständigen Verzicht auf die Ehe, 
wenn dieser Zeitpunkt nie eintritt. 
Man sieht hieraus, daß Malthus durchaus die Mittel verwirft, deren 
Verbreitung heute von denen angestrebt wird, die sich auf ihn berufen: 
er verurteilt die, welche die freie Ausübung des geschlechtlichen Ver 
kehrs, sei es außer, sei es in der Ehe befürworten, indem sie ihn absicht 
lich steril gestalten. Die Anwendung jedes Präventivmittels bezeichnet 
er als Laster, im Gegensatz zur moralischen Enthaltsamkeit. Malthus 
ist in diesem Punkte sehr kategorisch: „Ich weise jedes künstliche und 
den Naturgesetzen zuwiderlaufende Mittel zurück, durch das man die 
Bevölkerung beschränken möchte. Die Hemmungen, die ich befürworte, 
sind mit der Vernunft in Übereinstimmung und vor der Religion gerecht 
fertigt“ (S. 616). Und er fügt die für Frankreich wahrhaft prophetischen 
Worte hinzu: „Es wäre zu leicht und zu einfach, das Wachstum der Be 
völkerung sogar völlig aufzuhalten, und damit würde man in den ent 
gegengesetzten Fehler verfallen.“ 
Es ist kaum nötig darauf hinzuweisen, daß, wenn Malthus den 
ehelichen Präventivverkehr verwirft, er mit noch größerem Nachdruck 
gegen jenes andere Präventivmittel auftritt, das in der Einrichtung 
einer besonderen Klasse weiblicher, der Prostitution verfallener Wesen 
besteht 1 ). Mehr noch hätte er jene Mittel verworfen, von denen zu 
1 ) „Die Prostitution, die allerdings der Bevölkerungsvermehrung Abbruch tut, 
zieht gleichfalls eine Schwächung der edelsten Herzenseigenschaften und eine Er 
niedrigung des Charakters nach sich. Jeder andere ungesetzliche Geschlechtsverkehr
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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