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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel III. Die Pessimisten. 
gerecht werden können: nämlich der Pflicht, die dem Geschlechtstriebe 
und dem Bedürfnis nach Liebe die uneingeschränkte Freiheit verbürgen 
muß, wie sie die physiologischen und psychologischen Gesetze des Menschen 
fordern; und der anderen, die vorschreibt, daß eine so grundwichtige 
Handlung, wie die der Fortpflanzung, nicht dem Zufall überlassen werden 
soll, und daß keinem Weibe eine so aufreibende Last, wie die der Mutter 
schaft, ohne ihr freiwilliges und vorüberlegtes Wollen auferlegt werden 
darf. Im Gegensatz zu der Lehre des Meisters erklären die Neomalthusianer 
die „moralische Enthaltsamkeit“ für durchaus unmoralisch; weil sie 
antiphysiologisch, durch christlichen Asketismus verseucht und schlimmer 
sei, als das Übel, das sie heilen soll. Denn, sagen sie, die Entziehung der 
Befriedigung des Geschlechtstriebes ist eine größere Qual, als die Ent 
ziehung der Nahrung. Weiterhin wirkt sie durch die Vorschrift eines 
obligatorischen Zölibats oder einer späten Heirat auf die Ausbreitung 
der Prostitution, der Unzuchtsverbrechen, der unnatürlichen Laster 
und der illegitimen Geburten hin. Die Neomalthusianer geben sich 
jedoch als die Schüler Malthus’ aus und behalten seinen Namen bei 1 ), 
weil sie ihm dafür dankbar sind, nachgewiesen zu haben, daß der 
blinde Fortpflanzungstrieb notwendigerweise eine Menschheit erzeugt, 
die der Krankheit, dem Elend, einem frühen Tode und sogar dem 
Laster verfallen ist, und daß infolgedessen das einzige Mittel, diesen 
beklagenswerten Ausgang zu verhindern, in der Regelung dieses In 
stinktes liegt. 
Die Annahme ist aber berechtigt, daß Malthus, wenn er heute 
auferstände, nicht Neomalthusianer sein würde. Am wenigsten würde 
er seinen Schülern verzeihen, den Präventivverkehr weniger zur Be 
kämpfung der Gefahren einer Überbevölkerung anzuwenden, als um 
Ausschweifungen zu begünstigen und den Geschlechtstrieb von Ver 
pflichtungen zu befreien, die die Natur mit ihm so eng verbunden hat. 
Dennoch könnte er sich nicht ganz von der Schuld entlasten, daß er ihnen 
durch die Zugeständnisse, von denen wir schon gesprochen haben, den 
Weg geebnet hat. 
Ebensowenig scheint Malthus einen der leidigsten Punkte seiner 
Lehre gefühlt zu haben, einen Punkt, der am stärksten d(jzu beigetragen 
bat, sie zu diskreditieren: die Pflicht der Ehelosigkeit nämlich, die nicht 
y on der der Keuschheit zu trennen ist, die Entbehrung der Freuden des 
Familienlebens legt er nur dem Armen auf, — nicht dem Reichen 2 ), 
l ) Das Datum des Entstehens des Neomalthusianismus kann man auf das Buch 
des kürzlich verstorbenen (1909) Dr. Dkysdale (Elements of social Science, 
1854) zurückführen. Aber erst im Jahre 1877 wurde in England die Malthusian 
Jea gue gegründet. In den letzten Jahren hat die Bewegung so ziemlich überall — 
besonders aber in Frankreich, wo sie wirklich überflüssig ist • 
breitung gefunden. 
2 ) Er sagt das ganz kategorisch: „Bei dem Armen muß man Gewohnheiten 
Gide und Rist, Gesell, der Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 2. Aufl. 10 
Iand 
Hilfs- 
Tat 
lung 
ung, 
rzen 
ver- 
ate, 
tige 
eme unerwartete Ver
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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