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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

146 
Erstes Buch. Die Begründer. 
denn dieser befindet sich stets in der von Malthus vorgeschriebenen 
Lage, die laut seiner Definition allein die Zeugung von Kindern recht 
fertigt. Ich weiß wohl, daß Malthus jenes harte Gesetz, „keine Kinder 
in die Welt zu setzen, die man nicht ernähren kann“, gerade im Interesse 
der Armen selbst aufstellt. Dies hindert aber nicht, daß hierdurch die 
Ungleichheit ihrer Lage in der grausamsten Weise, die man sich denken 
kann, hervorgehoben und unterstrichen wird. Er stellt sie vor die Wahl, 
entweder Hunger zu leiden, oder auf die Befriedigung des natürlichen 
Liebesbedürfnisses zu verzichten. Malthus räumt mit dem alten Lied: 
„Raum ist in der kleinsten Hütte“ . . . gründlich auf! Hervorzuheben 
ist aber, daß er jede gesetzliche Heiratsbeschränkung für Arme, wie sie 
in einigen Ländern besteht, verwirft. Hier bleibt der liberale Volkswirt 
schaftler sich selbst treu 1 ). Er sieht wohl, daß, auch unter Außeracht 
lassung aller humanitären Rücksichten, dieses Verbot — ein Heilmittel, 
schlimmer als das zu bekämpfende Übel — nur erreicht, daß an Stelle 
der ehelichen Kinder die unehelichen zunehmen. 
Wenn er den Armen zuruft, daß sie ihr Elend nur sich selbst ver 
danken 2 ), weil sie keine Voraussicht geübt hätten, weil sie zu früh ge 
heiratet und zu viele Kinder haben, und wenn er noch dazu ausführt, 
daß kein geschriebenes Gesetz, keine Vorkehrung und keine Einrichtung 
der Wohltätigkeit irgendwelche Hilfe bringen kann, so scheint ihm nicht 
bewußt geworden zu sein, welchen bequemen Vorwand zur vollständigen 
Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Arbeiter er damit den Be 
sitzenden lieferte 3 ). Während des ganzen 19. Jahrhunderts versperrte 
der Klugheit voraussetzen, die ihn davon abhalten, sich eher zu verheiraten, als bis 
der Lohn seiner Arbeit genügt, ihn selbst, eine Frau und sechs Kinder ohne Unte'- 
stützung zu ernähren.“ Damit ist die Ehe jedem Arbeiter untersagt, dessen Lohn 
nicht ausreicht, eine Familie von acht Köpfen zu erhalten! In Anbetracht der er 
bärmlichen Löhne, die die Arbeiter zur Zeit Malthus’ erhielten, verurteilte er damit 
die ganze Arbeiterklasse entweder zur Ehelosigkeit oder zur Keuschheit! 
q „Man hat mir vorgeworfen, ein Gesetz anregen zu wollen, das dem Armen 
die Ehe verbietet. Das ist nicht wahr . . . Tatsächlich bin ich in der entschiedensten 
Weise der Meinung, daß jedes positive Gesetz, durch das das Heiratsalter begrenzt 
wird, ungerecht und unmoralisch ist.“ 
2 ) Wir wiederholen die Stelle, die wir schon angeführt haben, denn sie verdient 
ganz besonders hervorgehoben zu werden: „Das Volk muß sich selbst als die Haupt 
ursache seines Elendes betrachten“ (S. 500). 
3 ) Die Thesen Malthus’ über die Wohltätigkeit sind sehr interessant und stehen 
zu seiner Bevölkerungstheorie in direkter Beziehung. Er hat sich hauptsächlich mi 
der praktischen Seite der Frage befaßt, auf die er großen Einfluß ausgeübt hat. H‘ IS 
damals in England seit den Zeiten der Königin Elisabeth bestehende Gesetz über obli 
gatorische Unterstützung hat er auf das heftigste angegriffen: „Besitzt es die Macht, 
überall dort zwei Ähren hervorzubringen, wo der Boden nur eine trägt? Nein. Also gut 
Als vor Zeiten Kanut der Große den Wogen befahl, vor seinen königlichen Füßen Hu 
zu machen, maßte er sich keine größere Macht über die Naturgesetze an“ (S. 3b°h 
Da die Unterstützung kein einziges Gut erzeugt, kann sie keinen einzigen Armen er
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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