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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die Gegner
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

214 
Zweites Buch. Die Gegner. 
Was zunächst die Methode anlangt, so nimmt er die Anschauungen 
der historischen Schule vorweg. Seine Definition der National 
ökonomik als einer „Geschichtsphilosophie“ 1 ) gelangte erst zur Herr 
schaft, als Roschek, Knies und Hildebrand sie wieder aufgegriffen hat. 
Sein Hinweis auf die Notwendigkeit der Beobachtung der Tatsachen, 
seine Kritik der deduktiven Methode und vorschneller Verallgemeine 
rungen werden von Le Play in Frankreich, Schm oll er in Deutsch 
land, Cliffe Leslie und Toynbee in England wieder aufgenommen. 
Die Gründer der deutschen historischen Schule, die über ausländische 
Schriftsteller ziemlich schlecht unterrichtet gewesen sind, haben ihn 
als einen Sozialisten angesprochen 2 ). Aber die heutige historische 
Schule wird seinen Gedanken gerechter und sieht in ihm einen ihren 
ersten Vertreter. 
Seine Betonung des Gefühls, seine Sympathie für die Arbeiter 
klassen und seine Kritik der industriellen Ordnung, des Maschinen 
wesens, der Konkurrenz und des als alleinigen wirtschaftlichen 
Faktors betrachteten persönlichen Interesses läßt schon die heftige, 
gefühlsmäßige Reaktion ahnen, die gegen den kalten Gleichmut der 
orthodoxen Nationalökonomie einsetzen sollte. Man glaubt in ihm die 
Stimme eines Ruskin, eines Carlyle und aller jener Christlich- 
Sozialen zu hören, die im Namen der christlichen Liebe und der mensch 
lichen Gemeinbürgschaft gegen die sozialen Folgen der großen Industrie 
Protest erhebt. Wie Sismondi so lehnt sich auch der christliche Sozialis 
mus nicht gegen die Nationalökonomie selbst auf, sondern vielmehr 
gegen die satten, bürgerlichen Tendenzen und gegen die zu leicht zu 
friedengestellte Gleichgültigkeit jener, die ihr anhängen. Er erhebt einen 
Tendenzprozeß, weniger gegen die Wissenschaft als gegen ihre offiziellen 
Vertreter und gegen die Gesellschaft, die sich ihrer bedient, um ihren 
Egoismus zu rechtfertigen. 
Weiterhin eröffnet Sismondi mit seinem Ruf nach der Einmischung 
des Staates die Reaktion gegen den absoluten Liberalismus, eine Re 
aktion, die im Laufe des 19. Jahrhunderts beständig größer wird, und 
die ihren entschiedensten Ausdruck in dem Kathecfersozialismus und 
dem Staatssozialismus findet. Als erster in Frankreich verlangt 
er eine Arbeitergesetzgebung und sucht der Regierung einen Platz in 
der Leitung der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Landes zu ver 
schaffen. Nach ihm tritt die Unmöglichkeit einer vollständigen Abdankung 
des Staates von Tag zu Tag klarer hervor. Aber Sismondi drückt hier 
mehr eine Hoffnung, einen Wunsch aus, als daß er einen wirklichen Aktions 
plan entwirft. 
In drei verschiedenen Richtungen lösen daher die Vorschläge Sis- 
1 ) Siehe oben, S. 191, Anm. •$. 
2 ) Eigentümlicherweise reiht ihn Knies unter die Sozialisten ein.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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