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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die Gegner
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

246 
Zweites Buch. Die Gegner. 
Wirtschaftsleben ausüben sollten, vorausgesehen. In der Tat, und ohne 
daß man an das Eigentumsrecht gerührt hätte, sind die Depositenbanken 
die großen Kapitalbehälter geworden, aus denen der Kredit sich in die 
tausend Kanäle des Handels verteilt. Noch heute werfen Schriftsteller, 
die nichts Sozialistisches an sich haben, den Banken (hauptsächlich in 
Frankreich) vor, diese Aufgabe des Regulierens und der Anregung der 
Industrie nicht mit genügender Kraft zu pflegen, Aufgaben, die die Saint- 
Simonisten schon für die Banken voraussahen, und die die Natur der 
Dinge ihnen zuweist 1 ). Sie hatten viele persönliche und verwandtschaft 
liche Beziehungen zu Bankiers, und die Bedeutung der internationalen 
Finanzherren war während der Restauration in den europäischen Staaten 
außerordentlich gestiegen. Dies wirkte darauf hin, sie die Rolle voraus 
fühlen zu lassen, die der Kredit später in unserem modernen Wirtschafts 
leben einnehmen sollte. 
Nicht weniger richtig war ihr Gefühl für die Notwendigkeit einer 
stärkeren Zentralisation der leitenden Faktoren des Wirtschaftslebens, 
um die Produktion dem Verbrauch besser anzupassen, als es die Kon 
kurrenz vermag. Der Staat kann weder, noch will er diese Aufgabe über 
nehmen; wir sehen aber, wie unter unseren Augen sich die Konventionen, 
Kartelle und Syndikate der Industriellen vermehren, deren Zweck stets 
derselbe ist: nämlich durch eine intelligente Voraussicht und Zentrali 
sation die Nachteile der Konkurrenz zu vermeiden. Hierin liegt eben 
falls eine teilweise und praktische Anwendung des Saint-Simonismus. 
Wenn ihr persönlicher Einfluß auf unsere wirtschaftliche Geschichte 
bedeutend gewesen ist, so muß man ebenfalls in ihrer Lehre die Keime 
fast aller kritischen und konstruktiven Ideen wiedererkennen, die den 
Sozialismus im Laufe des 19. Jahrhunderts charakterisieren. Der Saint- 
Simonismus ist gleichsam das Vorwort oder das Inhaltsverzeichnis dazu. 
Zunächst ist es bezeichnend, daß sich bei ihnen eine Menge von 
Formeln finden, die später in der sozialistischen Literatur klassisch 
werden sollten. „Ausbeutung des Menschen durch den Menschen“ war bis 
1848 eine sehr volkstümliche Formel. Das Wort vom „Klassenkampf“, 
das seit Marx an seine Stelle getreten ist, bedeutet nichts anderes. 
Vor Loüis Blano sprechen sie von der „Organisation der Arbeit“. I n 
gleicher Weise wenden sie vor Marx das Wort „Arbeitsmittel“ (Instru 
ments de travail) an, um Grund und Boden sowie Kapital zu bezeichnen. 
') „Der Kredit bezweckt“ sagt Enfantin (ißconomio politique et Poli- 
tique, S. 53) „in einer Gesellschaft, in der die einen die Industriemittel besitzen, 
ohne die Fähigkeit oder den Willen, sie in Gang zu setzen, und in der andere, die fleißig 
sind, keine Arbeitsmittel besitzen, diese Mittel so leicht, wie irgend möglich aus 
den Händen der ersteren, die sie besitzen, in die der zweiten, die sie nützlich anzu 
wenden verstehen, gelangen zu lassen.“ Bis heute hat man noch keine bessere De 
finition gefunden.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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