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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel II. Der Staatssozialismus. 
459 
auch „sozial und konservativ“ 1 ). Zur gleichen Zeit hat er aber auch kein 
Bedenken zu schreiben: „Soweit der Kern der Sozialdemokratie ein rein 
wirtschaftlicher ist, gehöre ich ihr mit ganzer Seele an 2 ).“ 
Wenn er auch imstande war, die monarchische Politik mit dem so 
zialistischen Programm zu vereinigen, so weigerte er sich doch, soweit die 
wirtschaftliche Lehre in Betracht kommt, irgendein Kompromiß einzu 
gehen. Dazu war er doch zu scharfsinnig. Der gleichen Ursache liegt auch 
seine Feindschaft gegen die Kathedersozialisten zugrunde. Er ist der erste, 
anzuerkennen, daß in der Praxis der Sozialismus sich heute mit Über 
gangsmitteln begnügen muß, aber er gibt niemals zu, daß der Kompromiß 
zum Schluß selbst Doktrin werde. Er nennt die Kathedersozialisten 
„Zuckerwassersozialisten“ 3 ). Er lehnt es ab, an dem Kongreß von Eisenach 
1872 teilzunehmen, den er „den Eisenacher Sumpf“ und „äußerst komisch“ 
nennt. Die Arbeitergesetzgebung nennt er „human-soziale Kapriolen“ 4 ). 
Wenn er sein Programm in einigen tönenden Formeln zusammenfaßt, wie: 
„Staat gegen Staatslosigkeit“ 5 ) muß man sich daher hüten, hierin auch 
nur eine entfernte Zustimmung zu den nach seiner Ansicht viel zu ver 
schwommenen Doktrinen des Staatssozialismus zu sehen 6 ). Trotzdem 
war er, gegen seinen Willen, einer seiner einflußreichsten Vorläufer. Und 
hierin liegt gerade das Besondere seiner Rolle. 
Die ganze Theorie Rodbertus’ beruht auf der Idee, daß die Gesell 
schaft ein durch die Arbeitsteilung geschaffener Organismus ist. Diese 
große Tatsache, deren Tragweite nach seiner Ansicht Adam Smith kaum 
e ist in ihren Umrissen gesehen hat, ist es, die alle Menschen in einer natur- 
Qotwendigen Solidarität verbindet, sie aus der Vereinzelung heraushebt 
u ad sie aus einer bunt zusammen gewürfelten Menge zu einer wirklichen 
Gemeinschaft umbildet, — einer Gemeinschaft, deren Ausdehnung nicht 
durch nationale Grenzen beschränkt wird, sondern keine anderen Grenzen 
Ze igt, als die Arbeitsteilung selbst, die ihrerseits darauf hinstrebt, die 
ganze Welt zu umfassen 7 )! Mit dem Tage, an dem jedes Individuum auf 
b Brief an R. Meyer, vom 12. März 1872. — Vgl. auch die Briefe vom 23. Januar 
u nd 3. Februar 1871. 
b Brief an denselben vom 30. Nov. 1871, Brief Nr. 61, S. 141. 1874 denkt er 
«an, sich als sozialistischen Reichstagskandidaten aufstellen zu lassen. „Aber , 
schreibt er, ,,erst muß der Staat im Militäretat und in dem Kirchengesetz stärkei 
werden“ (an denselben, vom 14. Januar 1874, Brief Nr. 140, S. 352). 
3 ) Brief an dens. v. 17. Okt. 1872. 
b Brief an dens. v. 6. Januar 1873, Brief Nr. 117, S. 290. . 
*) Brief an dens. v. 10. März 1872, und Physiokratie und Anthropokratie, 
m de n Briefen und Sozialpolitischen Aufsätzen, S. 621 und 522. 
6 ) In einem Briefe v. 26. August 1872, weist er energisch den Namen „Katheder- 
Sozialist“ zurück. In dem: „Emanzipationskampf des vierten Standes“ 
Berlin 1874, S. 60—63 zitiert" Rudolf Meyer ausführlich eine nachdrückliche Kritik 
Kathedersozialismus, die in einem Privatbrief Rodbertus enthalten ist. 
7 ) „Die Teilung der Arbeit sollte gerade Gemeinschaft der Arbeit heißen . .
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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