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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

530 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
sehen, das darin besteht, in den Lehren der Religion die Lösung der volks 
wirtschaftlichen Probleme und den Plan einer Erneuerung der Gesellschaft 
zu suchen 1 ). 
Die Ursachen, die ihre Entstehung bestimmten, sind leicht genug 
nachzuweisen. Es war zunächst eine Reaktion gegen den Sozialismus, 
eine Reaktion, die in dem Maße, wie der Sozialismus sich immer mehr 
materialistisch und antichristlich gebärdete, immer stärker zum Ausdruck 
kam; es war die Pflicht der Kirche, mit dieser neuen Religion um die Seele 
der Völker zu ringen: es war die Furcht, das Volk, ihr Volk, sich um das 
rote Banner des Antichrist scharen zu sehen 2 ). Doch wäre es kindisch 
und ungenau, hierin nur eine Konkurrenzfrage erblicken zu wollen. Man 
muß hierbei vielmehr ein Erwachen des christlichen Gewissens verstehen, 
das sich prüft, ob die Kirche nicht Christum verraten habe, ob sie über 
ihrer göttlichen Aufgabe die irdische, die sie ebenfalls zu erfüllen hat, 
nicht mißverstanden habe; ob sie, wenn sie die Bitten des Vaterunser 
wiederholt: „Dein Reich komme!“ und „Unser täglich Brot gib uns 
heute!“ nicht aus dem Auge verloren habe, daß dies Reich sich schon 
auf dieser Erde verwirklichen solle, und daß das tägliche Brot, um das zu 
bitten ist, nicht nur das des Almosen, sondern der Lohn der Arbeit sei! 
Übrigens unterscheiden sich diese Lehren und diese Schulen sehr 
bedeutend voneinander, und wir werden sehen, wie sie vom autoritärsten 
Konservatismus bis zum revolutionärsten Anarchismus reichen. Kur 
indem wir ihnen etwas Gewalt antun, ist es uns möglich, sie in den Rahmen 
eines Kapitels zu bringen. Man kann jedoch gewisse positive und vor 
Allem gewisse negative Charakterzüge herausarbeiten, die ihnen allen 
gemeinsam sind und sie zu einer einzigen Familie machen. 
In negativer Hinsicht verwerfen alle diese Lehren den LiberaliS' 
mus der klassischen Schule. Nicht, daß sie Alle nun bereit wären, di® 
Hilfe des Staates anzurufen, da, wie wir sehen werden, Einige von ihnen 
antistaatlich sind. Nicht, daß sie die Existenz einer natürlichen Ordnung 
leugnen, die sie gerade als Ausdruck des Willens Gottes unter dem Namen 
der Vorsehung verehren. Aber der freigeschaffene Mensch hat sich gegen 
diese Ordnung aufgelehnt, — die Worte Sündenfall und Sünde bezeichnen 
*) Im Jahre 1832 schrieb ein heute vergessener katholischer Professor, de CoüX, 
in einem Essai dUlconomie Politique betitelten Buche: „In seinen praktischen 
Konsequenzen schließt der Katholizismus das bewunderungswürdigste sozialökonomische 
System ein, das jemals auf Erden gegeben worden ist“. 
2 ) „Gegenüber dem Sozialismus, der sich auf den Ruinen des liberalen System 8 
erhebt, bleibt nur der Katholizismus bestehen, der allein stark genug ist, um ihm 
Stand zu halten“ (Comte de Mun, La question sociale au XIX e siede, 1900). 
„Man darf nicht zu dem Glauben Anlaß geben, als ob die Kirche ein Uolizis 
im Priesterrock wäre, der sich im Interesse des Kapitals dem Volke entgegenWJri • 
man muß im Gegenteil stets darauf hinweisen, daß sie im Interesse und für die * er ' 
teidigung der Schwachen handelt“ (Derselbe, Discours, April, 1893).
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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