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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

554 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
in deren eifriger Propaganda das Evangelium und der Sozialismus eng 
vereinigt sind 1 ). 
In den Vereinigten Staaten trat der christliche Sozialismus noch 
viel schärfer gegen den Kapitalismus auf, den er in biblischer Sprache 
„Mammonismus“ nennt. Die erste Gesellschaft von Christian So- 
cialists scheint in Boston im Jahre 1889 gegründet worden zu sein. 
Seitdem sind viele gefolgt. Die letzte definiert in ihren Statuten ihr Ziel 
wie folgt: „die soziale Botschaft Christi in die Kirchen eindringen zu lassen, 
und zu zeigen, daß der Sozialismus notwendigerweise der wirtschaftliche 
Ausdruck des christlichen Lebens ist“; und ein wenig weiter: „überzeugt, 
daß das Ideal des Sozialismus mit dem der Kirche übereinstimmt, und 
daß das Evangelium von der kooperativen Republik (cooperative Common 
wealth) nichts Anderes ist als das Evangelium vom Reiche Gottes wirt 
schaftlich ausgedrückt . . .“ 2 ). 
Die äußerste Rechte des sozialen Protestantismus muß man im 
Gegenteil in Deutschland suchen. Im Jahre 1878 gründeten die Pastoren 
Stöcker und Todt die „christlich-soziale Arbeiterpartei“, deren An 
hänger jedoch trotz ihres Namens hauptsächlich aus dem Mittelstände 
stammten, und die in der Arbeiterklasse keinen Fuß fassen konnte, so 
1 ) E. Gounelle, Le Mouvement des Fraternitfis (Broschüre). 
2 ) Jos iah Strong, Direktor des Instituts für soziale Dienste (des sozialen Museums) 
in New York gibt eine Zeitschrift heraus: The Gospel of the Kingdom (Das Evan 
gelium Vom Reiche Gottes), in der erklärt wird: „daß es selbstverständlich ist, daß 
die Welt nicht eher christianisiert werden kann, bevor nicht die Industrie christlich 
geworden ist“, und deren Programm in der Untersuchung der wirtschaftlichen Tat 
sachen im Lichte des Evangeliums besteht. So findet man z. B. über die Frage der 
Arbeitslosigkeit die Stelle: Matth. 20, 6, und über die noch technischere Frage der 
Berechtigung des „openor closed shop“ (d. h. über die Frage, ob die Fabrik nicht- 
organisierte Arbeiter beschäftigen soll oder nicht) den 133. Psalm, Vers 1 und im 
1. Brief an die Korinther, Kap. 12, Vers 16 und 26 angeführt. 
Zu erwähnen ist auch das beredt geschriebene Buch von Rauschenbusch: 
Christianity and the social crisis. 
Der extremste leader dieser Bewegung in den Vereinigten Staaten war Herroto 
dessen Auftreten einigen Lärm und Aufsehen verursachte; er predigte, daß man weit 
über den Kollektivismus hinausgehen müsse, den er für „viel zu konservativ und sogar 
für reaktionär halte“ — Und erklärte sogar, daß neben Christo Karl Marx nur ein ver 
knöcherter Konservativer sei, denn: „die Annahme der Berechtigung des Eigentums 
in irgendeiner Form, sei es auch nur für die Gebrauchsgegenstände, ist eine Verwerfung 
Christi“. Indessen hat Herr Herron inzwischen dem christlichen Kommunismus den 
Rücken gewandt; er hat während des Krieges eine kräftige Propaganda für das be 
waffnete Eingreifen der Union entfaltet. 
[Die Protestant Episcopal American Church hat eine großartige Organisation 
für soziale Studien und Soziale Praxis ausgebaut; örtliche und provinziale Komitees, 
ein Nationalkomitee, Kongresse, Publikationen usw. Ihr Programm ist nicht eigent 
lich sozialistisch, sondern hat vielmehr die Absicht, „die sympathischen Beziehungen 
zwischen Kapital und Arbeit“ zu ermutigen.] (Zusatz des Verf. zur 2. deutschen 
Auflage.)
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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