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Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Bibliographic data

fullscreen: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

Monograph

Identifikator:
1033562599
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-54741
Document type:
Monograph
Author:
Kampffmeyer, Paul http://d-nb.info/gnd/116038365
Title:
Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Buchhandlung Vorwärts
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (122 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
10. Kapitel. Die Prostitution der dienenden Klasse und ihre Eindämmung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
  • Title page
  • 1. Kapitel. Die Ehe und die Prostitution
  • 2. Kapitel. Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung der Stadt
  • 3. Kapitel. Der soziale Schuldbetrag der Prostitution
  • 4. Kapitel. Die staatliche Reglementierung der Prostitution
  • 5. Kapitel. Krankenkasseneinrichtungen zur unentgeltlichen Behandlung Venerischer
  • 6. Kapitel. Die wohnungsgesetzliche Bekämpfung der Mißstände der Prostituiertenwohnungen
  • 7. Kapitel. Die Zerrüttung der Familie und die Prostitution Jugendlicher
  • 8. Kapitel. Fürsorge-Einrichtungen für Minderjährige als Schutzwehren gegen die Prostitution derselben
  • 9. Kapitel. Staatliche und kommunale Zufluchts- und Erziehungsstätten für erwachsene Prostituierte
  • 10. Kapitel. Die Prostitution der dienenden Klasse und ihre Eindämmung
  • 11. Kapitel. Die Prostitution als Klassenerscheinung und ihre Ueberwindung
  • Contents

Full text

118 
trägt. „Die Mädchen für alles," so schreibt Dr. Stillich in seiner 
Arbeit: „Lage der weiblichen Dienstboten Berlins", „müssen mit 
dem geringsten Lohn vorlieb nehmen. Sie müssen, wie wir gesehen 
haben, zwar am längsten ärbeiten, werden aber dafür am schlechtesten 
bezahlt: 58,8 Proz. (im Durchschnitt der Angaben beider Parteien, 
der Dienstboten und „Herrschaften") erhalten weniger als 200 Mk. 
jährlich." Bei weitem günstiger als die Mädchen für alles sind die 
Hausmädchen gestellt; von ihnen erhalten 36,8 Proz. weniger als 
200 Mk. 
Die Mädchen, die ständig die Welt des bürgerlichen Luxus vor 
Augen haben, leben. sich in die Bedürfnisse dieser Welt ein. Sie 
können aber die in ihnen geweckten neuen Bedürfnisse nur befriedigen, 
wenn sie schmählichem Nebenverdienste nachgehen. 
Mit brutaler Rücksichtslosigkeit geben die Herrschaften den 
Dienstmädchen vielfach zu verstehen, daß sie nur eine Art dienender 
Haussklaven sind, die.zu arbeiten und zu gehorchen haben. Die 
Herrenanschauungen der „Herrschaften" äußern sich ohne jede Ab 
milderung meist in der Behandlung, die sie den Dienstboten zu- 
kommcn lassen. Ein Mädchen schrieb an Dr. Stillich: „Ich kannte 
ein junges, kräftiges Mädchen, das mit ganzer Liebe arbeitete und 
tüchtig arbeitete, dabei wurde ihm eine Behandlung zuteil — un 
beschreiblich. Die Dame, eine Geheimrätin, trieb das arme Ding 
um 6 Uhr morgens schon mit harten Worten aus dem Bett, und 
dann ging cs an ein Scheuern und Reinemachen bis abends 
10 Uhr . . . Als das Mädchen, das nicht einmal satt zu essen be 
kam, kündigte, gab ihr die Dame zur Antwort — ein paar schallende 
Ohrfeigen. . . ." „Das Mädchen wurde zwei Stunden lang in der 
Küche eingeschlossen und erhielt, als sie sich bei der Polizei über die 
Mißhandlung beschwerte, kein Recht. . . ." „Außerdem bekam das 
Mädchen ein schlechtes Zeugnis, worauf sie überhaupt keine an 
ständige Stelle mehr bekam, und jetzt soll sie, wie ich zu meiner 
größten Betrübnis hörte, schlecht geworden sein." 
Die sich in den Köpfen der „Herrschaften" ganz ungezügelt aus 
wirkenden Klassenanschaüungen schlagen mitunter in den unsitt 
lichen Zumutungen nieder, die sie an die weiblichen Dienstboten 
richten. Die werbliche Ehre der Dienstboten schätzen sie als eine 
quantite negligeable ein. Die weibliche Ehre der Dienenden hat 
für sie nur einen Marktwert — mitunter nur den Wert einer Mark. 
Ein bei einem Restaurateur dienendes Mädchen führte folgende 
Klage: „Ich mußte nun immer im Restaurant sein, und wenn ich 
nach dem Keller ging und dem-Herrn das Licht halten mußte, hat er 
mir unsittliche Sachen angeboten. Einmal wollte er mir inr Keller 
eine Mark geben und dann in der Wohnung einmal drei Mark, und 
weil ich das nicht wollte, hat er nur immer die gemeinsten Wörter 
gesagt. Die Frau, die davon erfuhr, hat mich öfters geschlagen." 
Ein neunzehnjähriges Dienstmädchen mußte ihren fast unbekleideten 
Herrn fortgesetzt bedienen. Eine Pensionsbesitzerin schrieb: „Da
	        

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Die Prostitution Als Soziale Klassenerscheinung Und Ihre Sozialpolitische Bekämpfung. Buchhandlung Vorwärts, 1905.
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