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Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Bibliographic data

fullscreen: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

Monograph

Identifikator:
1033562599
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-54741
Document type:
Monograph
Author:
Kampffmeyer, Paul http://d-nb.info/gnd/116038365
Title:
Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Buchhandlung Vorwärts
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (122 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
4. Kapitel. Die staatliche Reglementierung der Prostitution
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
  • Title page
  • 1. Kapitel. Die Ehe und die Prostitution
  • 2. Kapitel. Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung der Stadt
  • 3. Kapitel. Der soziale Schuldbetrag der Prostitution
  • 4. Kapitel. Die staatliche Reglementierung der Prostitution
  • 5. Kapitel. Krankenkasseneinrichtungen zur unentgeltlichen Behandlung Venerischer
  • 6. Kapitel. Die wohnungsgesetzliche Bekämpfung der Mißstände der Prostituiertenwohnungen
  • 7. Kapitel. Die Zerrüttung der Familie und die Prostitution Jugendlicher
  • 8. Kapitel. Fürsorge-Einrichtungen für Minderjährige als Schutzwehren gegen die Prostitution derselben
  • 9. Kapitel. Staatliche und kommunale Zufluchts- und Erziehungsstätten für erwachsene Prostituierte
  • 10. Kapitel. Die Prostitution der dienenden Klasse und ihre Eindämmung
  • 11. Kapitel. Die Prostitution als Klassenerscheinung und ihre Ueberwindung
  • Contents

Full text

44 
Widerstand mit Schlägen, Hunger und Kerker bestraft, bis es nicht 
mehr geht und sie schließlich der Krankheit und den Mißhandlungen 
erliegen!" 
Es sind wahre Großschlächter in Menschenfleisch, diese entarteten 
Mädchenhändler! Henne am Rhyn erzählt von einem „Haus 
Langer", das mit seinen zahlreichen Agenten den Mädchenhandel^ 
auf großkapitalistischer Basis betrieb. Aus Rußland und Galizien 
k lief die Menschenware in die Zentralstelle Wien. Als endlich die 
Polizei nach dem Scheusal Langer und seiner Tochter griff, befanden 
sich gerade sieben junge Mädchen auf Lager. Zu gleicher Zeit lief 
an die Tochter Langers die Depesche ihres „Korrespondenten" in 
Warschau ein: „Waren in Warschau erhalten. Achtung! Verlange 
Unterstützung. Banrnwollc." 
In dem Prozeß gegen den berüchtigten Mädchenhändler Israel 
Meyerowitz erfuhr man, nach Dr. Henne am Rhyn, „daß der 
Mädchenhandel in Rußland straflos ist, und daß man von dort aus 
in einem einzigen Jahre acht- bis zehntausend junge Mädchen nach 
Südamerika befördert und dort die Person zu 750 bis 12 500 Fr. 
verkauft worden sind". 
In der denkwürdigen Reichstagssitzung vom 6. Februar 1894 
trat der Abgeordnete Bebel als öffentlicher Ankläger gegen den 
Mädchenhandel auf. „Der Mädchenhandel ist schlimmer als der 
Negersklavenhandel," schrieb damals die fromme „Evangelische 
Kirchenzcitung", „und es ist eine Schande für unser Volk, daß solche 
Dinge geschehen können, und demütigend, daß der Führer der sozial 
demokratischen Partei genötigt ist, mit der Hinweisung auf sie den 
Anfang zu machen." 
Der gedankenlosen Lobrcdner der Bordelle gibt es leider noch in 
Deutschland — namentlich unter den Medizinern — die Hülle und 
Fülle. Sie mögen sich endlich einmal in das so blut- und tränen 
reiche Kapitel der Geschichte: in die Geschichte des Mädchenhandels 
vertiefen. Dann werden sie Wohl endlich begreifen, welche schwere 
Verantwortung sie auf sich laden, wenn sic sich zu Verteidigern der 
Bordelle aufschwingen. Wer den Bordellen das Wort redet, der 
macht sich zum Anwalt der Scheußlichkeiten des Mädchenhandels! 
Die Bordelle entmenschen vollständig die Prostituierten und 
werfen sie den widernatürlichsten Lüsten in die Arme. Die Bordell 
dirnen sind durchweg rettungslos verloren, sic entarten körperlich 
und seelisch ganz. Schon der Statistiker Dr. S. Huppe bemerkte in 
seiner bekannten Arbeit über „Das soziale Defizit in Berlin", daß 
die Berliner Bordelldirnen auf den tiefsten Boden moralischer Ver 
wahrlosung hcrabglitten. „Während im Jahre 1868," so schreibt er 
in dieser Arbeit, „427 Dirnen wegen Eintritt in ein Dienst- oder 
Arbeitsverhältnis aus der Kontrolle entlassen werden konnten und 
1625 Dirnen am Schluffe des Jahres zurückblieben, im Jahre 1869 
aber 854 auf 1776 verbleibende kamen, fanden sich im Jahre 1854, 
wie ein Bericht vom 15. Februar 1855 meldet, nur drei Bordell-
	        

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Die Prostitution Als Soziale Klassenerscheinung Und Ihre Sozialpolitische Bekämpfung. Buchhandlung Vorwärts, 1905.
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