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Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Bibliographic data

fullscreen: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

Monograph

Identifikator:
1033562599
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-54741
Document type:
Monograph
Author:
Kampffmeyer, Paul http://d-nb.info/gnd/116038365
Title:
Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Buchhandlung Vorwärts
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (122 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
4. Kapitel. Die staatliche Reglementierung der Prostitution
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
  • Title page
  • 1. Kapitel. Die Ehe und die Prostitution
  • 2. Kapitel. Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung der Stadt
  • 3. Kapitel. Der soziale Schuldbetrag der Prostitution
  • 4. Kapitel. Die staatliche Reglementierung der Prostitution
  • 5. Kapitel. Krankenkasseneinrichtungen zur unentgeltlichen Behandlung Venerischer
  • 6. Kapitel. Die wohnungsgesetzliche Bekämpfung der Mißstände der Prostituiertenwohnungen
  • 7. Kapitel. Die Zerrüttung der Familie und die Prostitution Jugendlicher
  • 8. Kapitel. Fürsorge-Einrichtungen für Minderjährige als Schutzwehren gegen die Prostitution derselben
  • 9. Kapitel. Staatliche und kommunale Zufluchts- und Erziehungsstätten für erwachsene Prostituierte
  • 10. Kapitel. Die Prostitution der dienenden Klasse und ihre Eindämmung
  • 11. Kapitel. Die Prostitution als Klassenerscheinung und ihre Ueberwindung
  • Contents

Full text

46 
Heiken verbreitet werden, dürfte sich aus der Tatsache erhellen, daß 
von den wegen Gewerbsunzucht aufgegriffenen Kellnerinnen 
wenigstens 80 bis 90 Prozent geschlechtlich krank waren. Von 10 im 
hiesigen städtischen Krankenhause an Geschlechtskrankheiten be 
handelten Weibspersonen sind durchschnittlich 9 Kellnerinnen. Das 
Kellnerinnenwesen ist sonach die verderblichste Einrichtung zur Ver 
breitung der Geschlechtskrankheiten." 
In allen größeren Bordcllstädten, wie in Nürnberg, Mainz, 
Leipzig, Hamburg, Magdeburg tummelt sich außerhalb der Bordelle 
ein reglementiertes und nicht reglementiertes Dirnentum. Woran 
die gesetzlose Zerstörungswut der interessierten zünftigen Pro 
stitution des Mittelalters in den damaligen wenig köpfereichen 
Städten scheiterte: an der Beseitigung der Winkelhurennester, an 
ihr wird ebenfalls die sich in gesetzlichen Bahnen bewegende Sitten 
polizei unserer verkehrsreichen Riesenstädte Schiffbruch erleiden. 
Kein mit drakonischer Strenge aufgeherrschtcr Bordellzwang für 
alle Dirnen würde heute die geheime Prostitution der Großstädte 
vernichten können. 
In Hamburg besteht nach Dr. Blaschko eigentlich ein Bordell 
zwang, da die Prostitution nur innerhalb der Bordcllstraßen ge 
duldet werden soll. In der Tat breitet sich aber in Hamburg eine 
riesige geheime Prostitution ziemlich ungeniert aus. Schon in den 
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fanden sich allein in 
einem Tanzlokale bei Gelegenheit einer Razzia 30 syphilitische un 
kontrollierte Mädchen. 
Die Bordelle entziehen den Prostitutionsverkehr Hamburgs 
durchaus nicht der Oeffentlichkeit. Ja, die Augen von Schulkindern 
schauen buchstäblich auf diesen Verkehr. Nach dem zweiten Jahres 
bericht des Hamburger „Vereins zur Hebung der öffentlichen Sittlich 
keit" für das Jahr 1882 wohnten in 13 unsittlichen Straßen Ham 
burgs 459 schulpflichtige Kinder, 243 Knaben und 216 Mädchen, 
davon allein 155 Kinder im berüchtigten „Specksgang". 
Die Bordelle, anstatt nur als Abzugskanäle für den heißen, 
unbezähmbaren Geschlechtstrieb zu dienen, erwecken erst vielfach 
künstlich die Geschlechtslust. Die Adressen der Bordelle sind durch 
weg stadtbekannt. Die Bordelle werden eine Sehenswürdigkeit für 
Fremde, und Tausende von Fremden, die nie einer einzelnen Pro 
stituierten einen Besuch abstatten würden, betreten die Bordelle aus 
Neugierde. Bordelle werden zu öffentlichen Vergnügungslokalen. 
Der Verkehr in diesen Bordellen steht in gar keinem Verhältnis zu 
der wirklichen Nachfrage nach käuflicher Liebe. Die Mädchen ver 
dienen sich durch Ausführung der derbsten Schamlosigkeiten hohe 
Trinkgelder, und die Wirte der Freudenhäuser bereichern sich aus 
der Darreichung geistiger Getränke an Gästen, die gar nicht nach den 
Umarmungen der öffentlichen Mädchen verlangen. Das Bordell 
provozierte zu allen Zeiten die tollsten Verschwendungen. Nach dem 
vorher erwähnten Bericht des Hamburger' „Vereins zur Hebung
	        

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Die Prostitution Als Soziale Klassenerscheinung Und Ihre Sozialpolitische Bekämpfung. Buchhandlung Vorwärts, 1905.
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