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Das Ich und der Staat

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Bibliographic data

fullscreen: Das Ich und der Staat

Monograph

Identifikator:
1689849630
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-100544
Document type:
Monograph
Author:
Harms, Paul http://d-nb.info/gnd/116483091
Title:
Das Ich und der Staat
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag Quelle & Meyer
Year of publication:
1926
Scope:
XII, 128 Seiten
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
V. Überstaatliche Bindungen des Ichs
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Ich und der Staat
  • Title page
  • Contents
  • I. Das staatlose Ich
  • II. Das Ich in staatlicher Erziehung
  • III. Zwischen Schulpflicht und Bürgerpflicht
  • IV. Das Ich als Massenteichen
  • V. Überstaatliche Bindungen des Ichs
  • VI. Deutsche Diesseits-Religion

Full text

V. Überstaatliche Bindungen des Jchs 
täuschende Rückschläge empfindlicher als die deutschen Volksge- 
nossen. 
Damals erhob sich vor ihnen, den Neulingen im deutschen Ge- 
meinschaftsleben, in ehrfurchtgebietender Größe und Würde die 
Gestalt des alten, des weltbürgerlichen Goethe. Der junge Goethe 
hatte dem Judentum gegenübergestanden mit den Gefühlen des 
18. Jahrhunderts, also hochmütig ablehnend. Jetzt stand er fast 
schon wie ein Fremdling im eigenen Volk: er verstand das neue Ge- 
schlecht nicht, und das neue Geschlecht verstand ihn nicht. Dem eige- 
nen Sohn hatte er das völkische Rückgrat gebrochen, indem er ihn 
verhinderte, mit den Weimarer Freiwilligen ins Feld zu ziehen und 
vielleicht etwas zu erleben, was seinem künftigen Erdendasein 
Haltung und Gehalt hätte geben können; oder aber, wenn er fiele, 
den glänzendsten Namen deutscher Zunge zum Pfande zu setzen 
für Freiheit und Zukunft des eigenen Volkes. Besser, als sich zu 
Tode zu saufen, wäre das immerhin gewesen. 
Aber der Herr Geheimbde Rat von Goethe hatte für den Sol- 
datenstand zeitlebens nur die Empfindungen des 18. Jahrhunderts. 
Für die „Revolution von oben““, die hohe Militärs mit einem Trop- 
fen Abenteurerblut in den Adern, die die York, Scharnhorst, 
Blücher, Gneisenau und andere im Winter und Frühjahr 1813 
machten und durch die sie dem Schwächling auf dem Hohenzollern- 
thron die Krone erhielten, hatte er wenig oder gar kein Verständnis. 
Zwischen ihm und dem werdenden Staatsvolk der Deutschen, das 
sich erstmals zu fühlen begann, tat sich eine Kluft auf, die sich lange 
Zeit nicht schließen wollte. Er selbst flüchtete damals und in den 
Folgejahren vor den Händeln dieser Welt gern in die böhmischen 
Bäder. Dort ließ er sich denn auch die Verhimmelung und Ver- 
hätschelung durch reiche und gebildete Jüdinnen nicht ungern ge- 
fallen, die dann seine ersten Prophetinnen wurden. 
Dadurch kamen die Juden der geistig führenden Oberschicht zu 
Goethe in ein besonderes Verhältnis. Sie, die im 18. Jahrhundert 
noch außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft gelebt hatten, traten 
dem alten Goethe unbefangener gegenüber als seine deutschen 
Landsleute. Wie die Juden aus der Enge des Ghettos in die Weite 
der deutschen Volksgemeinschaft vorgeschritten waren, so war Goethe 
vor ihnen aus der Enge der bürgerlichen Schicht zur freieren Höhe 
O 5
	        

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Das Ich Und Der Staat. Verlag Quelle & Meyer, 1926.
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