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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1690625112
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-103086
Document type:
Monograph
Title:
Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes
Year of publication:
1926
Scope:
256 S., [1] Bl.
Ill., Kt., Graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

Kuriosum dadurch, dass es gegen die auf Grund derseiben ge- 
fällten Urteile erster Instanz keine Berufung, sondern nur eine 
Begnadigung durch den Staatsgouverneur gibt. Letzterer aber 
soll recht selten Lust haben, die Gefahr eines solchen Aktes auf 
sich zu nehmen. Wir erstaunten über die Gelassenheit, mit der 
uns von diesen Zuständen berichtet wurde. Michael Kohlhaas 
hat in Amerika keine Heimat. Die bürgerliche Rechtfertigung be- 
steht darin, zu sagen, dass solche Schärfe sich im Prinzip nur gegen 
eine Art landiremden Bolschewismus und nicht gegen „loyale 
Bürger“ richtet, was bei einer solchen Klassenjustiz natürlich nicht 
zutrifft. Der geringe Sinn für abstraktes Recht ist uns drüben 
gerade im Bereich der sozialen Kämpfe aufgefallen. Wir können 
die historischen und sonstigen Ursachen dafür hier nicht ent- 
wickeln. Wer aber das soziale Kapitel in diesem Buch aufmerksam 
liest, wird sie sich leicht erklären können. 
5. Lohnpolitik und Tarifvertrag. 
In dem Buche eines deutschen Amerika-Entdeckers aus dem 
Jahre 1925 steht unter dem Kapitel „Lohnhöhe“ zu lesen: „In den 
Vereinigten Staaten herrscht noch freies Angebot und Nachfrage. 
Nur 8 Prozent der Lohnfestsetzungen geschehen durch Tarif- 
vereinbarung. Die Lohnhöhe richtet sich nach der Konkurrenz- 
fähigkeit, sie steigt und fällt mit der Konjunktur. Tüchtige, ge- 
rw Facharbeiter sind sehr gesucht. Im Akkord wird gut ver- 
ient.‘“ 
Die monumentale Wucht dieser Lapidarsätze, die an die Ger- 
mania des alten Tacitus erinnern, darf nicht darüber hinweg- 
täuschen, dass ihre Offenbarungen nur sehr bedingt richtig sind. 
Man mag zuvörderst sogar die These als richtig hinnehmen, dass 
nur 8 Prozent der Lohnabmachungen durch Tarifvertrag erfolgen, 
so hat diese Feststellung doch nur sehr wenig praktische soziale 
Bedeutung. Tarifliche Lohnfestsetzungen existieren in der Haupt- 
sache für einen Teil der organisierten Facharbeiter. Dass diese 
im allgemeinen „sehr gesucht“ sind, ist ausser Zweifel — dass sie 
nicht alle organisiert sind, ebenfalls. Weil man also mit gelernten 
Kräften nicht freigiebig wirtschaften kann, wie vielfach bei uns, 
so ist die natürliche Folge, dass der Lohn nichtorganisierter Fach- 
arbeiter der gesuchten Kategorien sich ganz notwendigerweise auf 
der annähernden Höhe des durch die Gewerkschaften vereinbarten 
Tariflohnes halten muss. Soweit sind es also die Gewerkschaften, 
welche die Lohnhöhe durch den Tarifvertrag bestimmen — auch 
für diejenigen, deren Einzelarbeitsverhältnis sich ausserhalb des 
Vertrages bewegt. Daneben gibt es allerdings auch Fälle, wo das 
141 
A“
	        

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L’ Allemagne Économique Ou Histoire Du Zollverein Allemand. Ainé, 1874.
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