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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
1745593527
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-118611
Document type:
Monograph
Title:
Le Rapport du cout du Travail agricole au cout total de la production dans l'agriculture
Place of publication:
Genève
Publisher:
Bureau internat. du travail
Year of publication:
1926
Scope:
74 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
I. Introduction
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

64 Zweiter Teil. Kandel. III. Zur Geschichte von Kandel und Industrie. 
ab. Die Kriegs- und Kandelsflotte war größer als jemals die venetianische und nur 
der modernen englischen vergleichbar. Einer Kriegsflotte von 300 Dreiruderern 
folgten 3000 Lastschiffe mit Proviant und Beiwerk, und die Erhaltung der 60 000 
Ruderknechte und Matrosen auf jenen Dreiruderern kostete jährlich gegen 200 Milli 
onen Mark. Die Phönizier waren übrigens keine zu Schiff gestiegenen Landratten 
wie die Römer und keine bloßen Küstenfahrer wie die Griechen, sondern sie wagten 
sich aus die hohe See; das gefährliche Rote Meer und besonders die Atlantis 
waren ihre Schule. Ob sie nicht schon nach entfernten ostasiatischen Inseln, viel 
leicht sogar nach Amerika gelangten, mag hier ununtersucht bleiben. Bemerkenswert 
bleibt immerhin im Zusammenhalte mit anderen Nachrichten die Meldung Diodors: 
„die Phönizier hätten sich in den Ozean hinausgewagt und seien durch heftige Stürme 
an eine Insel, reich an Wasser und allen Früchten, verschlagen worden." Ohne 
Zweifel besaßen sie jene scharfgebauten Kielschiffe, welche später im Mittelmeere ver 
loren gingen und erst mit den kühnen Germanen wieder erschienen. Sie verstanden 
das Segeln gegen den Wind und richteten sich bei Nacht nach dem Polarsterne, 
während die Griechen nach dem unsicheren Großen Bären hielten. Katten sie die 
Orientierung dennoch verloren, so ließen sie Tauben fliegen und schlossen danach auf 
die einzuschlagende Richtung; Tauben waren deshalb heilige Vögel und wurden, wie 
heute noch in Venedig, auf den Plätzen der phönizischen Städte, frei umher 
schwärmend, ernährt. Durch all' diese Kilfsmittel erreichten die Schiffe der Phönizier 
eine bewundernswerte Schnelligkeit. Die Durchschnittsschnelle soll 25 Meilen in 
24 Stunden Tag und Nacht gewesen sein. Ein Dampfer fährt heute von Tunis 
nach Cadiz in 4 Vs—5 Tagen. Skylax rechnet von Karthago bis zu den Säulen des 
Kerkules (Tunis bis Cadiz) 7 Tag- und Nachtfahrten, macht also bei einer Ent 
fernung von 240 geographischen Meilen für einen Tag 31 Vs Meilen. Gutgebaute 
Dreiruderer gingen aber noch viel schneller, und es wird uns berichtet: eine 
solche Kriegsjacht mit dem Pferdekopfe als Sinnbild am Sterne habe an einem 
Sommertage (ohne Nachtfahrt) über 30 Meilen zurückgelegt. 
Neben diesen Schnellfahrern spielte auch das breitbäuchige Lastschiff, das an 
den Küsten herschlich, seine große Rolle. Zahlreich waren die Kaufleute, die mit 
solchen Schiffen, von Kafen zu Kafen und von Volk zu Volk fahrend, eine Art 
Kausierhandel trieben. Ein Trompetengeschmetter lud die biederen Landbewohner zur 
Besichtigung der mitgebrachten Kerrlichkeiten ein, die entweder auf dem Schiffe oder 
auf der Küste unter Zelten ausgestellt wurden. Die Ladung bestand meist aus 
Waffen, Kacken, Schaufeln, Keugabeln, Messern, Riemen, Röhren, Leuchtern, Wagen, 
Gewändern, Decken, Tapeten, Salben, Schmucksachen, Bernstein, Gold, Silber, 
Opium, Flötenspielerinnen und Götterbildern. An der afrikanischen Küste herfahrend, 
nahmen sie König und Wachs ein, deren griechische und lateinische Namen aus der 
Sprache der Berber stammen, ferner Datteln, Elfenbein, Ticrfelle und Straußfedern; 
in Spanien holten sie vorzugsweise Silber und in Gades die dort aufgestapelten 
nordischen Waren; über die italienischen und griechischen Küsten setzten sie mit Tausch 
und Krämerei ihre Rundfahrten fort, bis sie nach zwei- oder dreijähriger Reise, 
mächtig bereichert, in die Keimat zurückkehrten. 
Ohne Zweifel haben die Phönizier ihre bevorzugte Weltstellung rücksichtslos 
ausgenutzt. Es ist uns überliefert, daß sie für vier Degenklingen im Wert von einem 
Sekel in Italien Korallen im Wert von 400 Sekel eintauschten. Sie nahmen also 
400 °/o! Ferner wissen wir, daß sie gewisse Salben, die angeblich aus 25 ver 
schiedenen Bestandteilen zusammengesetzt waren, bis zu 90 Gulden das Pfund ver 
kauften. Am die Preise zu erhöhen, setzten sie die seltsamsten Übertreibungen in Amlauf 
über die Gefahren, die mit Beschaffung der Ware verbunden seien. Der Pfeffer 
sollte, von Schlangen bewacht, in unzugänglichen Wäldern wachsen, — eine Sage,
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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