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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1746729937
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-119900
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Edition:
2., neubearbeitete Auflage
Place of publication:
Jena
Publisher:
G. Fischer
Year of publication:
1927
Scope:
XIV, 683 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Staatseinnahmen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents
  • Erstes Buch. Einleitende Lehren
  • Zweites Buch. Die verfassungsmäßige Ordnung des Staatshaushaltes und das Budget
  • Drittes Buch. Die Staatsausgaben
  • Viertes Buch. Die Staatseinnahmen
  • Fünftes Buch. Der Staatskredit
  • Sechstes Buch. Die Verwaltung des Staatshaushaltes
  • Namenverzeichnis

Full text

zZ 4. Buch. V. Teil. Die Steuern. 
beruhte darauf, daß der Adel durch persönliche Leistungen in 
Heer und Amt dem Staate Opfer brachte. Mit dem Aufhören 
dieses Verhältnisses!) infolge der neueren Entwicklung war auch 
die Steuerfreiheit nicht mehr berechtigt. Hierzu kommt noch, daß 
lange Zeit hindurch Steuerleistungen nur ausnahmsweise und nur 
in geringem Maße in Anspruch genommen wurden; das Privilegium 
des Adels hatte daher keine übergroße Bedeutung. „Unter Karl VIL. 
— sagt Tocqueville?) — betrug die Taille 1,2 Millionen Livres, 
das Privilegium, hiervon befreit zu sein, war unbedeutend, gewann 
aber an Bedeutung, als die Taille unter Ludwig XVI. 80 Millionen 
Livres betrug.“ Unter solchen Umständen war die Steuerfreiheit 
des Adels unerträglich. „Es ist kein frivoles Wort — sagt Kos- 
suth — sondern ernsteste Wirklichkeit, daß die ungarische Be- 
steuerung nichts anderes ist, als das systemisierte Handwerk, dort 
zu nehmen, wo nichts ist.“ 
Das Prinzip der Allgemeinheit der Steuer hat die große poli- 
tische und soziale Bedeutung, daß nur auf dieser. Basis die Ver- 
schmelzung aller Klassen der Gesellschaft möglich ist und überall 
nur im Gefolge dieses Prinzipes zur Wirklichkeit wird. 
Gegen das Prinzip der Allgemeinheit der Steuer wurde nicht 
nur dadurch gesündigt, daß eine eigentlich auf die Gesamtheit der 
Staatsbürger ausgeworfene Steuer von den privilegierten Ständen 
nicht getragen wurde, sondern auch dadurch, daß überdies spezielle 
Steuern für einzelne Schichten der Staatsbürger eingeführt wurden, 
gewissermaßen konfessionelle und Nationalitätensteuern. Eine solche 
Steuer war die den Juden auferlegte Toleranzsteuer, die in Galizien 
von den Juden bezahlte Kerzensteuer (für jede am Samstag an- 
gezündete Kerze fünf Kreuzer), der in Wien eingeführte Judenzoll, 
welchen jeder jüdische Reisende bezahlte, ehe er das Gebiet der 
Stadt betrat. So waren in Ungarn nach Acsädy Steuern, die 
bloß die Anabaptisten bezahlten, in den ungarischen Städten Taxen, 
die die griechischen und serbischen Kaufleute zu zahlen hatten usw. 
29. Verletzung des Prinzipes. Kine Verletzung des 
Prinzipes der Allgemeinheit erfolgt aber auch durch viele Vor- 
gänge, die gerade in neuerer Zeit auf dem Gebiete der Besteuerung 
1) Im Jahre 1696 sagt der ungarische König Leopold I., der Adel und 
die Geistlichkeit sind schon deshalb verpflichtet Steuern zu zahlen, da die adelige 
Insurrektion nicht mehr einberufen wird. Im Jahre 1751 figuriert die Besteue- 
rung des Adels unter den königlichen Propositionen; später im Jahre 1764. 
Es handelte sich um eine Steuer von drei Gulden für jeden Adeligen. Auch 
diese Proposition mußte zurückgezogen werden, ein solcher Sturm brach im 
Landtag aus. N 
2) Ancien regime (Deutsche Übersetzung), S. 101. 
289
	        

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Finanzwissenschaft. G. Fischer, 1927.
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