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Wirtschaftspolitische Tagesfragen

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Bibliographic data

fullscreen: Wirtschaftspolitische Tagesfragen

Monograph

Identifikator:
1756296928
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-133687
Document type:
Monograph
Title:
Wirtschaftspolitische Tagesfragen
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Selbstverlag des Reichsverbandes der Deutschen Industrie
Year of publication:
1928
Scope:
39 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dr. August Weber : Welche Bedeutung hat die deutsche Landwirtschaft innerhalb unserer deutschen Wirtschaft ?
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Wirtschaftspolitische Tagesfragen
  • Title page
  • Contents
  • Professor Dr. Ernst Schultze, Leipzig, Direktor des Weltwirtschafts-Instituts der Handelshochschule Leipzig : Die Möglichkeit wirtschaftspolitischer Prophezeiungen
  • Dr. August Weber : Welche Bedeutung hat die deutsche Landwirtschaft innerhalb unserer deutschen Wirtschaft ?
  • Dr. Trendelenburg, Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium : Die Wirtschaftsarbeiten des Völkerbundes seit der Weltwirtschaftskonferenz

Full text

Dr. AUGUST WEBER: 
WELCHE BEDEUTUNG HAT DIE DEUTSCHE LANDWIRT- 
SCHAFT INNERHALB UNSERER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT? 
Meine sehr geehrten Herren! Aus dem 
sehr interessanten Gebiete der Prophezeiung 
und der Prognose muß ich Sie nun auf das 
Gebiet der realen Wirklichkeit hinunter: 
führen und mich mit Ihnen über Fragen 
unterhalten, die uns in der Industrie ebenso 
berühren wie den benachbarten Berufsstand 
der Landwirtschaft. Ich beabsichtige, mich 
in diesem Kreise nicht allein mit der Frage 
der Bedeutung der Landwirtschaft zu be: 
schäftigen, sondern auch damit, wie man 
dieser Bedeutung der Landwirtschaft in ihr 
selbst und in anderen Gewerben und Pro- 
duktionskreisen Rechnung zu tragen vermag 
und ob und in welcher Weise die Industrie 
mit oder in Harmonie mit der Landwirt: 
schaft oder im Gegensatz zu ihr die künftige 
Handelsvertrags- und Zollpolitik zu be: 
handeln hat. 
Daß die deutsche Landwirtschaft, dieser 
wichtige Produktionsstand, sich in außer: 
ordentlicher Not befindet, ist uns allen klar, 
das bedarf keines Nachweises. Ich möchte 
aber an dem Beginn meiner Betrachtungen 
zunächst einmal der Ansicht Ausdruck ver- 
leihen, daß man diese wirtschaftlichen 
Fragen, insbesondere die landwirtschaft- 
lichen, in der Öffentlichkeit etwas mehr als 
es bisher geschehen ist, von parteipolitischer 
Einstellung loslösen sollte (sehr richtig!), 
daß‘ man diesen Dingen rein vom Stand- 
punkte praktischer Erwägungen aus näher 
zu treten hat. (Sehr richtig!) Ich möchte 
dabei auch hervorheben — ich darf das in 
diesem Kreise tun, ohne mir von der anderen 
Seite zu starke Kritik zuzuziehen —, daß 
ich der Meinung bin, daß die Spitzenorgani- 
sation. der Landwirtschaft, der Landbund, 
sich auch mehr als seither mit diesen Dingen 
in geschäftlichem Sinne befassen sollte, an: 
statt in rein politischem. (Sehr richtig!) Ich 
führe auf diese Einstellung des Landbundes, 
meine Herren von der Industrie, einen 
großen Teil der Animosität der Öffentlich: 
keit gegenüber landwirtschaftlichen Fragen 
zurück; sie ist nach meinem Empfinden 
nicht die richtige... Ich hebe das ausdrück-; 
lich in diesem Kreise hervor, weil ich an 
anderen Stellen häufig die Erfahrung mache, 
daß rein praktische Fragen im Kampfe der 
politischen Parteien ganz falsch deshalb 
aufgefaßt werden, weil sie von interessierter 
Seite nicht geschäftlich, sondern agitatorisch 
dargestellt werden. 
Wir wissen in der Industrie, daß wir in 
der deutschen Landwirtschaft insgesamt 
‚eichlich 5 Millionen landwirtschaftlicher 
Betriebe in Deutschland haben, von denen 
— ich nenne nur runde Summen — etwa 
‚8 000 Betriebe eine Fläche von über 100 ha, 
las heißt 400 Morgen, haben und daß wir 
ın wirklichen Großbetrieben, also an Bez 
rieben von über 800 Morgen — und von 
lenen kann man eine große Zahl z. B. in 
ler Sandbüchse der Mark Brandenburg 
ıoch nicht als Großbetriebe ansprechen, in 
ınderen dürftigen Gegenden auch nicht —, 
nsgesamt noch nicht einmal 10000 in 
Jeutschland haben. Es besteht hierüber in 
ler Öffentlichkeit oft eine falsche Ansicht, 
ınd die Auffassung, als ob dieser Groß- 
;rundbesitz der ausschlaggebende Bestand: 
eil der Landwirtschaft in Deutschland sei, 
st eine irrige. Die wesentliche Kraft und 
acht unseres landwirtschaftlichen Besitz- 
ums beruht auf der einen Million von 
Ȋuerlichen Betrieben, die 40, 50 hinauf bis 
‚u 400 Morgen ihr eigen nennen. Diese Be- 
riebe, meine verehrten Anwesenden, sind 
ıach meiner Meinung in ihrer Bewirt- 
schaftung zum Teil noch etwas rückständig, 
sum anderen Teil noch nicht so organisiert, 
wie sie organisiert sein könnten. 
Die Industrie hat bei uns in Deutsch: 
and selbstverständlich in vollem Umfange 
lie Bedeutung der deutschen Landwirtschaft 
ür ihren eigenen Markt .erkannt. Wir 
wissen alle in der Industrie, daß für uns 
ine kaufkräftige Landwirtschaft von ganz 
jesonderer Bedeutung ist. Wenn wir auf 
3rund von Schätzungen nicht zu Unrecht 
ınnehmen, daß in der deutschen Landwirt: 
schaft an totem Inventar, an Maschinen, an 
Wagen usw. insgesamt 15 Milliarden in 
30old investiert sind. und wir: nach unseren 
ınd in der Landwirtschaft genau so maß: 
seblichen Grundsätzen ‚mit einem 10 pro: 
‚entigen Verbrauch rechnen, :so ist allein 
ler: Bedarf der Landwirtschaft an diesen
	        

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Wirtschaftspolitische Tagesfragen. Selbstverlag des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, 1928.
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