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Der historische Materialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Der historische Materialismus

Monograph

Identifikator:
175994050X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-137069
Document type:
Monograph
Author:
Gorter, Herman http://d-nb.info/gnd/118718207
Title:
Der historische Materialismus
Edition:
3., bedeutend verm. Ausg.
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Buchh. für Arbeiterliteratur
Year of publication:
1928
Scope:
137 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
V. Das gesellschaftliche Sein bestimmt den Geist
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der historische Materialismus
  • Title page
  • I. Die Aufgabe der Schrift
  • II. Was der historische Materialismus nicht ist
  • III. Inhalt der Lehre
  • IV. Unsere Beispiele
  • V. Das gesellschaftliche Sein bestimmt den Geist
  • IV. [i.E. VI.] Schluß

Full text

Und nun sage man nicht, daß doch auch in früheren 
Jahrhunderten an den Sozialismus gedacht wurde, und 
daß also der Sozialismus nicht ein Ausfluß der jeßt hert 
schenden Produktivkräfte sein könne, sondern daß das Prin⸗ 
zip der Gleichheit aller Menschen ein ewiges Ideal sei, das 
den Menschen zu allen Zeiten vorgeschwebt habe 
Der Sozialismus, den die ersten Christen sich dachten, 
war von dem Sozialismus, den die Arbéiterklasse jeht will, 
ebenso verschieden, wie die Produktibkräfte und Klasfen— 
verhältnisse jener Zeiten von den heutigen. Die ersten 
Christen wollten einen gemeinsamen Konsum, die Reichen 
sollten ihren Ueberfluß an Verbrauchs mittelnu ut 
den Armen teilen. Nicht den Grund und Boden und die 
Arbeitsmittel sollte man gemeinsam haben, sondern die 
Produkte. Im Grunde also ein Bettlersozialismus: 
die Armen sollten durch die Güte der Reichen die Produkte 
mit ihnen teilen. 
So predigte auch Jesus nie etwas anderes, als daß die 
Reichen ihren Reichtum abtreten sollten. Die Reichen 
sollten die Armen als Brusder lieben und umgekehrt 
Der Sozialismus dagegen lehrt, daß die Nichtbesitzer 
die Besitzer bekäm pfen und ihnen durch die politische 
Macht die Produktionsmittel nehmen sollen; er will 
nicht die Pro dukte gemeinsam besitzen — un Gegen 
keil, was jeder an Produkt, an Verbrauchsgegenstanden be— 
kommt, das wird sein eigen sein, das braucht er nicht zu 
teilen — wohl aber die Produktiousmitteln 
Die Produktionsverhältnisse aus den ersten Jahr— 
hunderten des Christentums konnten unseren sozialistischen 
Gedanken nicht aufkommen lassen, ebenso wenig wie unsere 
Produktivkräfte uns veranlassen können, dem christlichen 
Ideal nachzustreben. Als die Produktivkräfte noch so ge— 
ring, so zersplittert und zerstreut waren, daß eine große 
Gemeinschaft sie nicht beherrschen konnte, war die Philan— 
thropie die einzige, wenn auch miserable und für noch kein 
Tausendstel geuugende Löfung des Elends In einer Zeit, 
wo die Arbeit immer mehr gesellschaftlich wird, st gefell 
schaftlicher Besitz das einzige, aber jeht auch ausreichende 
Mittel gegen das Elend 
Ein anderes bedeutendes Beispiel bietet sich im Straf⸗ 
recht dar. Auch hier fand eine Rebolution in den Geistern 
dieler Menschen statt; die sozialistischen Arbeiter glauben 
nicht mehr an die persönliche Schuld des Verbrechers. Sie 
glauben, daß die Ursachen des Verbrechens gesellschaftlich 
und nicht persönlich sind.
	        

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Der Historische Materialismus. Buchh. für Arbeiterliteratur, 1928.
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