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Der historische Materialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Der historische Materialismus

Monograph

Identifikator:
175994050X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-137069
Document type:
Monograph
Author:
Gorter, Herman http://d-nb.info/gnd/118718207
Title:
Der historische Materialismus
Edition:
3., bedeutend verm. Ausg.
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Buchh. für Arbeiterliteratur
Year of publication:
1928
Scope:
137 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
V. Das gesellschaftliche Sein bestimmt den Geist
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der historische Materialismus
  • Title page
  • I. Die Aufgabe der Schrift
  • II. Was der historische Materialismus nicht ist
  • III. Inhalt der Lehre
  • IV. Unsere Beispiele
  • V. Das gesellschaftliche Sein bestimmt den Geist
  • IV. [i.E. VI.] Schluß

Full text

— 
sich wie ein Vorurteil in alle Geister eingeschlichen hat, 
deshalb ist es schwieriger, auch hier den Zusammenhang 
zwischen Denken und gesellschaftlichem Sein darzutun 
Wir werden uns zu doppelter Klarheit zwingen müssen, 
gilt es hier doch in verdoppeltem Maße das Interesse der 
Arbeiter. Das Erfassen der Wahrheit in diesem Punkte 
macht kräftige Kämpfer. 
Wir beginnen mit dem einfachsten dieser vier Gebiete: 
der Sitte. Man muß hier scharf unterscheiden zwischen 
Sitte und Sittlichkeit. Eine Sitte ist eine Vorschrift für 
bestimmte Fälle, Sittlichkeit ist etwas Allgemeines. Bei 
zivilisieren Völkern ist es zum Beispiel Sitte, nicht nackt 
zu gehen, Sittlichkeit, seine Nächsten zu lieben wie sich 
selbst. Das weniger Einfache, die Sittlichkeit, die Moral, 
werden wir nach der Sitte behandeln. 
Zwei klare, sehr allgemeine Beispiele aus unserer 
eigenen Zeit, gus dem, was der Arbeiter tagtäglich vor 
seinen Augen sieht, beweisen, wie sehr die Sitte durch die 
Aenderung der Produktionsverhältnisse umgewandelt 
wird. 
Früher war es Sitte, daß die Arbeiterklasse sich nicht 
um die öffentlichen Angelegenheiten kümmerte. Den Al— 
beitern fehlte nicht nur jeder Einfluß auf die Regierung, 
sondern die Gedanken der Arbeiter beschäftigten siich auch 
nicht mit ihr. Nur zur Zeit großer Spannung, waͤhrend 
eines Krieges mit dem Ausland oder wenn Hertscher, Für— 
sten, Adel, Geistlichkeit und Bourgeoisie untereinander 
kämpften, dann wurde ihre Aufmerktsamkeit geweckt; dann 
wurde von jedem versucht, die Arbeiter für sich zu gewin— 
nen; dann gab es Augenblicke, wo die Arbeiter fuͤhlten, 
daß auch ihr Interesse auf dem Spiele stand; dann mach— 
ten sie mit oder ließen sich gebrauchen. Aber von einem 
andauernden politischen Leben war bei ihnen keine Rede. 
Jetzt ist das alles ganz anders. Sehr viele Arbeiter 
leben das politische Leben nicht nur mit, sondern in den 
Ländern, wo der Sozialismus das Proletariat geschult 
hat, ist das Proletariat zu der Klasse geworden, die am 
stärksten an der Politik teilnimmt. 
Früher war es gute Sitte, daß der Arbeiter am 
Abend zu Hause war, jetzt ist es — und wird es immer 
mehr —Sitte, daß der Akbbeiter abends in eine Versamm⸗ 
lung seiner Gewerkschaft, seiner Partei oder eines prole— 
tarischen Bildungsvereins geht. 
Diese Sitten entstehen infolge des Klasseninteresses, 
das Klasseninteresse infolge der Eigentumsverhältnisse. 
Früher war es außerdem auch das Interesse der herrschen—
	        

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